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Newsletter von Radio Vatikan – 01.03.2009
Die Priester-Bruderschaft Pius X. hat dem umstrittenen Richard
Williamson mit Rauswurf gedroht, wenn dieser den Holocaust erneut leugnen
sollte. Das sagte der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof
Bernard Fellay, gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Dass Bischof
Williamson sein Amt je wieder in vollem Umfang ausüben werde, schloss Fellay
aus. Williamson habe der Bruderschaft Schaden zugefügt und ihren Ruf
geschädigt, so der Generalobere. Die Entschuldigung seines Amtsbruders für
die Leugnung des Holocausts begrüßte Fellay hingegen als wichtigen „Schritt
in die richtige Richtung“. Der Vatikan hatte die Entschuldigung Williamsons
hingegen als nicht ausreichend bezeichnet. (kipa)
Newsletter von Radio Vatikan – 28.02.2009
Reaktionen auf Erklärung von Williamson
Vatikansprecher Federico Lombardi hat am Freitag eine Entschuldigung des
Lefebvre-Bischofs Richard Williamson im Zusammenhang mit dessen Leugnung des
Holocausts als nicht ausreichend bezeichnet. Williamson müsse seine
Äußerungen vollständig und öffentlich widerrufen, bekräftigte Lombardi.
Williamson hatte der katholischen Nachrichtenagentur Zenit zufolge zwar
erklärt, es tue ihm leid „solche Bemerkungen gemacht zu haben“, jedoch offen
gelassen, ob er seine Ansichten geändert hat. In einer am Donnerstag in
London veröffentlichten Erklärung bat er alle, die sich aufgrund seiner
Worte aufrichtig entrüstet hätten, „vor Gott um Vergebung“, so Zenit.
Williamson hatte vor rund vier Monaten behauptet, dass es für die Existenz
von Gaskammern keine historischen Beweise gebe und dass nicht sechs
Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet
worden seien. (rv/zenit)
Kommentar des Redaktionsleiters,
Pater Eberhard von Gemmingen SJ:
Der Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, hat sich
zwar in der Öffentlichkeit geäußert, aber er hat nicht an den Vatikan und
den Papst geschrieben. Daher hat der Pressesprecher des Vatikans, Pater
Federico Lombardi, gegenüber den Medien erklärt, der Lefebvre-Bischof habe
nicht das getan, was der Papst von ihm gefordert hatte. In einer Erklärung
des vatikanischen Staatssekretariats vom 4. Februar hatte es geheißen,
Williamson müsse seine antisemitischen Äußerungen und seine
Holocaust-Leugnung eindeutig zurücknehmen. Und dies nicht nur gegenüber der
allgemeinen Öffentlichkeit sondern gegenüber dem Heiligen Stuhl. Bischof
Williamson vermeidet dies offensichtlich.
Ich finde es sehr erfreulich, dass der Vatikansprecher der
Weltöffentlichkeit mitgeteilt hat, dass dies nicht den Forderungen des
Vatikans entspreche. Auf der anderen Seite aber will der Vatikan nun nicht
täglich auf diese oder jene Äußerungen von Bischof Williamson reagieren.
Dieser exzentrische Bischof darf nicht das Tempo diktieren. Daher wird der
Vatikan möglicherweise in den nächsten Tagen auf weitere Äußerungen von
Williamson nicht reagieren. Wenn er dies täte, würde er nach der Pfeife von
Williamson tanzen, was absolut unangemessen wäre.
Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass der Vatikan schon hinreichend
klargemacht hat: Die antisemitischen Äußerungen und die Holocaustleugnung
von Williamson sind untragbar. Papst Benedikt steht zu den Aussagen des
Zweiten Vatikanums über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Juden.
Wer gutwillig ist, konnte alles Notwendige hören. Vor allem haben die
jüdischen Gesprächspartner längst erkannt, dass durch die Medien
fälschlicherweise der Eindruck geschaffen wurde, Papst Benedikt entferne
sich von der Judenfreundschaft seines Vorgängers. Dies war nie der Fall. Nur
haben manche Medien diesen falschen Eindruck vermittelt. Auch die
Weltöffentlichkeit darf sich ihre Themen nicht durch einen exzentrischen
Bischof diktieren lassen. Man sollte Bischof Williamson links liegen lassen
und ihn einfach nicht mehr hören.
Das bedeutet keineswegs, dass eine Holocaust-Leugnung geduldet werden kann.
Aber auch andere Holocaustleugner werden nicht ernst genommen, sondern eben
als exzentrische Spinner behandelt, die gleichwohl vor die entsprechenden
Gerichte zitiert werden sollen.
Meine Meinung: Kümmern wir uns um die entscheidenden judenfreundlichen
Äußerungen der katholischen Kirche. Und nehmen wir die bösen Äußerungen von
Pius-Brüdern und ihren Bischöfen nicht zu ernst. Es reicht, wenn sie
bestraft werden. Das aber muss geschehen. (rv)
D/Italien: Williamson-Entschuldigung unzureichend
Die Entschuldigung des umstrittenen Traditionalistenbischofs
Richard Williamson für seine Leugnung des Holocausts wird in katholischer
Kirche, Judentum und Politik als unzureichend bewertet. Die Präsidentin des
Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch,
zeigte sich über die neue Stellungnahme des 68-jährigen Briten entsetzt. Der
Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer,
sagte, sich lediglich für zugefügte Schmerzen zu entschuldigen, sei „völlig
ungenügend“. Damit seien Williamsons Äußerungen über den Holocaust nicht
auszuräumen. Er müsse sie widerrufen. Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries schloss nicht aus, dass die Bundesrepublik die
Auslieferung des britischen Holocaust-Leugners Williamson beantragt.
Auch der Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Italiens,
Renzo Gattegna, hat sich skeptisch über die Entschuldigung
geäußert. Die Erklärung des aus Argentinien ausgewiesenen Briten sei
„zweideutig“, betonte er der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“
vom Freitag zufolge. Möglicherweise sei Williamsons jüngste Erklärung
„schwerwiegender“ als seine bisherigen Äußerungen. Gattegna wies darauf hin,
dass der Bischof der traditionalistischen Pius-Bruderschaft es auch in
seiner jüngsten Äußerung „sorgfältig vermeidet, eine unwiderlegliche
historische Wahrheit anzuerkennen“. (rv/agenturen)
D: Piusbruderschaft sieht „Schritt in die richtige Richtung“
Als „Schritt in die richtige Richtung“ hat die
Pius-Bruderschaft in Deutschland die Erklärung des Traditionalisten-Bischofs
Richard Williamson zum Holocaust bewertet. Die weitere Entwicklung werde
zeigen, ob die Aussage ausreiche, sagte der Sprecher der Pius-Bruderschaft,
Matthias Gaudrom, am Freitag in Stuttgart. (kna/pm)
Newsletter von Radio Vatikan – 27.02.2009
Vatikan: „Erklärung Williamsons nicht ausreichend“
Ein Entschuldigungsbrief von Richard Williamson für seine
Äußerungen zum Holocaust liege dem Vatikan nicht vor – und überdies genügten
die Erklärungen des Lefebvre-Bischofs den Forderungen des Heiligen Stuhls
nicht. Das stellte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Freitag
klar. Donnerstag Abend hatte die katholische Nachrichtenagentur Zenit
berichtet, bei der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei sei eine Erklärung
Williamsons eingegangen, in der er seine umstrittenen Aussagen zum Holocaust
zurücknimmt. Dazu Pater Lombardi wörtlich:
„Zu dem Schreiben des Bischofsder Priesterbruderschaft Pius X., Richard
Williamson, vom 26. Februar 2009 stellen wir klar, dass es sich dabei nicht
um einen Brief an den Heiligen Vater oder an die Kommission Ecclesia Dei
handelt. Die so genannte Erklärung des Bischofs scheint die Bedingungen
nicht zu erfüllen, die das Staatssekretariat in seiner Note vom 4. Februar
2009 gestellt hat. Darin ist nämlich festgehalten, dass der Bischof sich von
seinen Positionen zur Shoah auf absolut unmissverständliche Weise und
öffentlich distanzieren muss.“
In
seinem Schreiben vom Donnerstag hatte sich Williamson für die Folgen seiner
Aussagen entschuldigt und diese relativiert. Er habe nur die Meinung eines
Nicht-Historikers geäußert, die sich auf die verfügbaren Erkenntnisse von
vor 20 Jahren gestützt habe. Er bitte alle, die sich aufgrund seiner Worte
„aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung“. Explizit zurück nahm er
seine Äußerungen zum Holocaust nicht. Williamson hatte in einem schwedischen
Fernseh-Interview Anfang November in Regensburg die Existenz von Gaskammern
zur Vernichtung von Menschenleben verneint und die Zahl der ermordeten Juden
auf „maximal 300.000“ beziffert. (rv)
Newsletter von Radio Vatikan – 26.02.2009
Kardinal Sodano antwortet auf Hans Küng – „Fühle mich innerlich
verletzt“
Das ist ungewöhnlich für den Vatikan: Der Dekan des Kardinalskollegiums
antwortet auf Kritik von Hans Küng am Papst. In einem Gespräch mit Radio
Vatikan reagiert Kardinal Angelo Sodano, langjähriger Kardinalstaatssekretär
unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI., auf ein Interview des bekannten
Tübinger Theologen und Religionswissenschaftlers. Küng, dem vor etwa dreißig
Jahren die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen wurde, hatte unter anderem
geäußert: „Viele Katholiken erwarten nichts mehr von diesem Papst.“ Dazu
Sodano:
„Mich hat das heute Morgen innerlich verletzt, als ich das Interview gelesen
habe. Professor Küng hat es offenbar der französischen Tageszeitung „Le
Monde“ gegeben, und in Italien wurde es dann von „La Stampa“
wiederabgedruckt. Wenn der Text exakt ist, dann fühle ich mich in der
Pflicht, zu sagen, dass es da um unbestimmte und nicht belegte Behauptungen
geht. Ich persönlich bin ein Zeuge des Einsatzes des Heiligen Vaters, um aus
der Kirche eine Familie zu machen – eine Familie der Kinder Gottes.“
Küng,
der im Tübingen der sechziger Jahre eine Weile Kollege des damaligen
Professors Joseph Ratzingers, heute Papst Benedikt, war, hatte in der
Mittwochsausgabe von „Le Monde“ u.a. zum Fall Richard Williamson Stellung
bezogen. Dabei kritisierte er die Entscheidung des Papstes, die
Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocaust-Leugners aufzuheben:
„Auch wenn der Papst von der Holocaust-Leugnung nichts wusste und sicher
auch selbst nicht antisemitisch ist, so wusste doch jeder, dass die vier
betroffenen Bischöfe antisemitisch eingestellt sind“, so Küng. Gerade als
Deutscher hätte Benedikt XVI. die Reaktionen voraussehen müssen. Er habe
jedoch die Gefahr nicht in Betracht gezogen. Kardinal Sodano:
„Eine brüderliche Kritik ist in der Kirche immer möglich, schon seit den
Zeiten der heiligen Petrus und Paulus. Aber eine bittere Kritik, noch dazu
so unbestimmt, trägt nicht zur Einheit der Kirche bei, für die Papst
Benedikt XVI. sich so sehr einsetzt. Der Heilige Geist hat ihn dazu
bestimmt, in diesem wichtigen Moment ihrer Geschichte die heilige Kirche
Gottes zu lenken.“
Küng
hatte außerdem kritisiert, dass Benedikt XVI. immer in kirchlichem Umfeld
gelebt habe und wenig gereist sei. „Er ist im Vatikan eingeschlossen
geblieben (...), wo er vor Kritikern geschützt ist.“ In diesem Punkt sei der
Vatikan wie der Kreml, so Küng weiter. Die Kirche drohe „sich in Richtung
einer Sekte zu entwickeln“. Kardinal Angelo Sodano reagiert allerdings auch
empfindlich darauf, wie begierig internationale Medien derzeit jede Kritik
am Papst aufgreifen und weitertragen.
„Ich begreife nicht, wie eine bekannte italienische Tageszeitung, die das
Werk des Papstes eigentlich gut kennt, diesem Interview so breiten Raum
geben konnte. Sie hat ihm außerdem einen Titel gegeben, der dem
französischen Original nicht entspricht und in dem vom Ökumenischen Konzil
von Nizäa von 325 in der heutigen Türkei irrtümlich so gesprochen wird, als
gehe es da um ein Konzil in Nizza!“
Schon
kurz nach seiner Wahl zum Papst hatte sich Papst Benedikt im Sommer 2005 mit
Küng in Castel Gandolfo zu einem ausführlichen Meinungsaustausch getroffen.
Der gebürtige Schweizer Theologe hat sich im Einsatz für ein „Weltethos“ und
das interreligiöse Gespräch einen Namen gemacht. Um eine erneute kirchliche
Lehrerlaubnis hat Küng nicht gebeten. Sodano hat in den neunziger Jahren als
Kardinalstaatssekretär von Papst Johannes Paul II. öffentlich aus Schriften
Küngs zitiert. (rv)
Hier zum Nachhören
Newsletter von Radio Vatikan – 24.02.2009
Der ranghöchste Benediktinermönch, Abtprimas Notker Wolf, ist
Befürchtungen entgegengetreten, Papst Benedikt XVI. wolle das Zweite
Vatikanische Konzil aushöhlen. Schließlich sei Joseph Ratzinger
damals ein entscheidender Berater gewesen, schreibt Wolf am Dienstag in
einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“. Das Anliegen des Papstes
bestehe vielmehr darin, dieses Konzil nicht als Bruch mit der
Traditionsgeschichte des Glaubens darzustellen. Er wolle das Konzil stärker
in diese Tradition integrieren. Weiter erinnert Wolf daran, die Rücknahme
der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfen bedeute noch keine volle Einheit
der Kirche Roms mit diesen Bischöfen und ihren Gläubigen. „Bis dahin ist es
noch ein weiter weg“, so Wolf. (kna)
Newsletter von Radio Vatikan – 22.02.2009
Richard Williamson wird das Land verlassen. Das versichert
die illegale Pius-Bruderschaft. In welches Land der traditionalistische
Bischof und Holocaust-Leugner ausreise, entscheide die Piusbruderschaft in
Europa, so eine argentinische Zeitung. Die Ausländerbehörde von Buenos Aires
hatte dem britischen Traditionalistenbischof eine Frist von zehn
Arbeitstagen gesetzt, um das Land freiwillig zu verlassen. Andernfalls werde
er abgeschoben. In Frankreich droht Williamson unterdessen eine Rechtsklage.
Die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus wolle in den
kommenden Tagen in Frankreich Anzeige gegen ihn erstatten, meldet die
französische Tageszeitung „Le Figaro“. In Frankreich steht die Leugnung von
Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit 1990 unter Strafe, so die Liga zur
Begründung. Williamson drohen nach Angaben des Blatts eine Haftstrafe bis zu
einem Jahr oder hohe Bußgelder. (kna)
Newsletter von Radio Vatikan – 20.02.2009
Mit Blick auf die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat der
Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bekräftigt, dass hinter das Zweite
Vatikanische Konzil kein Weg zurückführe. Wenn die Bruderschaft
einen Platz in der Kirche wolle, dann müsse sie die Autorität und das
Lehramt des Papstes voll anerkennen, sagte er an diesem Freitag der
Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg. Dazu gehörten alle
Konzilien, so Zollitsch. „Das wollen wir allen Menschen klar machen, denn
das ist mit Blick auf die Zukunft für mich eine entscheidende Frage“, so der
Erzbischof. In der Bischofskonferenz sieht er keine Differenzen zum Thema
Pius-Bruderschaft. Zollitsch, der vor einem Jahr das Amt des
Bischofskonferenz-Vorsitzenden übernommen hatte, sprach sich für ein
stärkeres Besinnen auf das Prinzip der Subsidiarität in der katholischen
Kirche aus. „Das, was vor Ort geregelt werden kann und im Rahmen des
Katholischen möglich ist, das sollte auch vor Ort geschehen,
selbstverständlich mit Information nach Rom“, sagte er. Auf diesem Wege
wachse an der Basis nicht nur die Verantwortung, sondern auch die
Solidarität und das gemeinsame Verständnis von Kirche. Da gelte es noch
einiges zu entdecken und einiges in die Praxis umzusetzen. (kna)
Argentinien hat den Holocaust-Leugner Richard Williamson
aufgefordert, das Land zu verlassen. Der britische Bischof und
Angehörige der Pius-Bruderschaft müsse innerhalb von zehn Tagen das Land
verlassen, sonst werde er ausgewiesen, teilte das argentinische
Innenministerium mit. Mit der Leugnung der Shoah habe Williamson „die
Argentinier, das jüdische Volk und die ganze Menschheit“ beleidigt, sagte
Innenminister Florencio Randazzo nach Informationen der ARD. Außerdem gebe
es „Unregelmäßigkeiten“ in seinen Aufenthaltspapieren. Der Brite habe die
wirklichen Gründe für seinen Aufenthalt verschwiegen und angegeben, er
arbeite für eine Nichtregierungsorganisation. Williamson hatte lange Zeit
ein Priesterseminar in La Reja bei Buenos Aires geleitet, die
Pius-Bruderschaft hat ihm diesen Posten allerdings vergangene Woche
entzogen. Er gehört zu vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X.,
deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. Ende Januar aufgehoben hatte. Der
Vatikan kommentierte das Vorgehen Argentiniens nicht. „Die Kirche hat damit
nichts zu tun. Der argentinische Staat hat seine Gesetze angewandt“, sagte
der italienische Kurienerzbischof Velasio De Paolis in einem Interview der
Zeitung „La Repubblica“ (Freitagsausgabe). Der Präsident des Jüdischen
Weltkongresses, Ronald Lauder, begrüßte die Ankündigung Argentiniens,
Williamson ausweisen zu wollen. – In einem Interview mit einem schwedischen
Fernsehsender hatte Williamson gesagt, er denke, dass „200.000 bis 300.000
Juden in den Konzentrationslagern gestorben“ seien, aber „nicht ein einziger
von ihnen in Gaskammern“. Von seinen Äußerungen hat sich Williamson trotz
der ausdrücklichen Aufforderung des Papstes bislang nicht distanziert. Der
Vatikan erklärte, der Papst habe Williamsons Aussagen vor der Aufhebung von
dessen Exkommunikation nicht gekannt. (kipa/pm)
Newsletter von Radio Vatikan – 19.02.2009
Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Bernard Genoud, glaubt
nicht an eine rasche Wiedereingliederung der Piusbruderschaft. Bei
Bischof Richard Williamson, einem der vier Lefebvre-Bischöfe, deren
Exkommunikation Papst Benedikt XVI. aufgehoben hatte, ließen sich keinerlei
Anzeichen der Reue erkennen, so Genoud in einem Zeitungsinterview. Der
Bischof bewertete das Zugehen des Papstes auf die Piusbruderschaft aber
insgesamt als positiv. Als Vertreter der Kirche in einem Land, in dem die
Bruderschaft aktiv sei, hätte er sich jedoch gewünscht, über die Aufhebung
der Exkommunikation vorher informiert zu werden, so Genoud. (apic)
Newsletter von Radio Vatikan – 18.02.2009
Vatikan: „Ökumene ist für Katholiken eine Pflicht“
Die Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft in die katholische Kirche
nährt in der evangelischen Kirche Sorgen um die Ökumene. Das sagte der
Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang
Huber. Im Vatikan hält man aber weiterhin fest am ökumenischen Kurs,
versichert der Ökumene-Verantwortliche, Kurienkardinal Walter Kasper, in
einem Exklusiv-Interview mit Radio Vatikan.
„Die Position der katholischen Kirche zur Ökumene ist seit dem Zweiten
Vatikanischen Konzil völlig klar. Ökumene ist für uns nicht eine Option,
sondern eine Pflicht, die in der Botschaft Jesu begründet ist. Das gilt auch
für den Papst. Genau an demselben Wochenende, wo dieses Dekret über die
Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruderschaft Pius X.
bekannt gegeben worden ist, hat der Papst in einer Predigt in St. Paul vor
den Mauern zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen sich
ausdrücklich, mit aller Deutlichkeit zur ökumenischen Bewegung bekannt. Ich
kenne gar keinen anderen Kirchenführer, der so oft, so eindringlich und so
klar über die Ökumene spricht und sich zur Ökumene bekennt. Dem Papst das
Gegenteil zu unterstellen, ist ungerecht und geht an der Sache vorbei.“
Die zahlreichen Diskussionen – vor allem in Deutschland – seien in jüngster
Zeit sehr aggressiv und anti-römisch geprägt, sagt Kardinal Kasper weiter.
Doch auch hinter den vatikanischen Mauern sei einiges nicht optimal
gelaufen.
„Man wird zugeben und einräumen müssen: Am Anfang sind dort Versäumnisse
und Fehler in der Kommunikation gemacht worden. Das ist eindeutig, das ist
klar. Aber die Diskussion, wie sie jetzt in Deutschland läuft, sprengt ja
alle Maßstäbe. Was da zum Vorschein kommt, ist nicht nur Kritik an diesem
oder jenem Verhalten der Kurie, sondern das ist einfach anti-römischer
Affekt und zum teil einfach blanker Kirchenhass. Man macht den Papst
lächerlich, nach dem Prinzip: Man schlägt den Sack und meint den Esel. Wenn
man den Papst in dieser Weise heruntersetzt, und völlig ungerecht
heruntersetzt, dann richtet sich das nicht nur gegen den Papst, dann richtet
sich das gegen die katholische Kirche. Ich meine, die Katholiken müssten
jetzt aufstehen, müssten sagen: das lassen wir uns nicht gefallen, das ist
Intoleranz. Man stelle sich mal vor, man würde in dieser Weise über den
Dalai Lama reden, dann wäre die Empörung sehr groß. Über den Papst ist das
scheinbar möglich. Das geht nicht, das können wir uns nicht bieten lassen
und das sollten wir auch deutlich sagen.“ (rv)
Hier lesen und hören Sie das Exklusiv-Interview mit Kardinal Walter Kasper.
Das Gespräch führte Mario Galgano
Newsletter von Radio Vatikan – 17.02.2009
Der Streit um den Papst und die Traditionalisten-Bischöfe geht in
die nächste Runde. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“
fordert der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller eine Entschuldigung
von drei Regensburger Theologie-Professoren, die eine papstkritische
Petition unterschrieben haben. In der Petition wird die uneingeschränkte
Anerkennung aller Beschlüsse des Zweite Vatikanischen Konzils gefordert.
Zugleich wird auch vor einer Rückwärtswendung von Teilen der Kirche in eine
„antimodernistische Exklave“ gewarnt. Müller wirft den Professoren dem
Bericht zufolge vor, Papst Benedikt beleidigt zu haben, und fordert eine
schriftliche Distanzierung von der Petition binnen zwei Wochen. Außerdem
müssten die Theologen vor ihm, Müller, erscheinen und das Glaubensbekenntnis
sowie einen Treueid auf die Lehre der Kirche ablegen, schreibt die Zeitung.
Andernfalls drohten „weitere Schritte“. (kna)
Die abtrünnigen Piusbrüder versuchen unbeirrt, einen „theologischen
Dialog“ mit den deutschen Bischöfen in Gang zu bringen. Dabei hat
der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, deutlich
ausrichten lassen, dass er für ein solches Gespräch auf nationaler Ebene
keinen Bedarf sieht. Der Obere des deutschen Teils der Piusbruderschaft,
Franz Schmidberger, hat an Zollitsch einen „privaten Brief“ geschrieben, „um
ihm konkrete Punkte einer theologischen Diskussion vorzuschlagen“. Ein
Sprecher der Piusbruderschaft ließ am Dienstag wissen, der Verband lehne das
Zweite Vatikanische Konzil „nicht in Bausch und Bogen ab“, stelle aber
„einzelne Aussagen“ in Frage. Der Sprecher wörtlich: „Mit welchem Recht
verweigert man uns in einer Kirche, in der alles hinterfragt wird, die
Möglichkeit, über nichtdogmatische Aussagen zu diskutieren? Jeder darf
heutzutage in der Kirche seine Meinung frei äußern, selbst gegen
unverrückbare Dogmen. Nur der Bruderschaft will man von vornherein Grenzen
setzen.“ Die Piusbruderschaft teilt mit, dass sie einen Theologen namens
Matthias Gaudron für das erhoffte Gespräch mit den Bischöfen benannt hat. (pm)
Newsletter von Radio Vatikan – 15.02.2009
Kirchenvertreter haben in Dresden jede Form von Nationalsozialismus
verurteilt. Mehrere tausend Menschen erinnerten am Wochenende an
die Opfer der Bombardierung vor 64 Jahren und demonstrierten zugleich gegen
einen parallel stattfindenden Neonazi-Aufmarsch. Bei einem ökumenischen
Gottesdienst kritisierte der katholische Bischof Joachim Reinelt den
Nationalsozialismus scharf. Der damalige „Hass der Deutschen gegen die Welt“
sei „Dummheit und Hybris“ gewesen. Dieser Hass habe dann auf Dresden
zurückgeschlagen. Auch der frühere Leiter des Internationalen
Versöhnungszentrums im englischen Coventry, Paul Oestreicher, kritisierte
den Neonazi-Aufmarsch nachdrücklich: „Wenn die verblendeten, hasserfüllten
Faschisten Europas durch diese Stadt marschieren wollen, ist uns das
zuwider“, sagte Oestreicher während des Gottesdienstes. Zahlreiche Dresdener
beteiligten sich an Friedensgebeten und Gottesdiensten in den
Innenstadtkirchen und der Synagoge. Als Zeichen des Gedenkens trugen viele
Menschen eine weiße Rose. - Dem Aufruf des Aktionsbündnisses „Geh denken“
aus Parteien, Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen waren nach
Polizeiangaben rund 6.000 Teilnehmer gefolgt, etwa ebenso viele hätten sich
an dem Neonazi-Aufmarsch beteiligt. - Beim Bombenangriff der Alliierten vom
13. bis 15. Februar 1945 starben nach Angaben von Historikern rund 25.000
Menschen. Seit Jahren wird in rechtsextremistischen Kreisen von einer
weitaus höheren Opferzahl gesprochen und in diesem Zusammenhang das Wort
„Bomben-Holocaust“ gebraucht. (afp)
Der Philosoph Robert Spaemann wirbt erneut um Verständnis für
Benedikt XVI. In der Debatte über die Pius-Bruderschaft sei man dem
Papst „mit einer beispiellosen Medienkampagne in die Quere gekommen und
redet davon, er umarme die Traditionalisten und gehe rückwärts anstatt
vorwärts“, kritisierte Spaemann gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung“. Benedikt XVI. wolle jedoch als Papst in die Geschichte
eingehen, der Spaltungen aufhebe und sie nicht noch vertiefe. Mit der
Aufhebung der Exkommunikation von vier illegal geweihten Bischöfen der
Bruderschaft habe der Papst „in seiner Verantwortung als Hirte“ verhindern
wollen, „dass diese Leute weiter ins Abseits driften und mit vier Bischöfen
langsam eine richtige Gegenkirche aufbauen“, sagte der Philosoph. (kna/fas)
Positive Lehren aus den jüngsten Diskussionen um die
Pius-Bruderschaft will der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ziehen.
Die Debatten sollten ein Ansporn sein, sich noch mehr um die Verwirklichung
des Zweiten Vatikanischen Konzils zu bemühen. In einem Hirtenwort, das in
den Gemeinden des Bistums Eichstätt verlesen wurde, bedauert der Bischof,
dass über das Konzil oft nur in Schlagworten gesprochen werde. „Die Gegner
des Konzils nehmen mit dem Begriff ‚nachkonziliar' die Abqualifizierung des
Konzils und der Gegenwart vor. Umgekehrt wird mit ‚vorkonziliar' oftmals
alles vor dem Konzil als rückständig und überholt dargestellt.“ Beide
Sprech- und Sichtweisen seien „Kategorien der Trennung“, die vom Ursprung
der Kirche und von ihrer Zukunft abschneiden, so Bischof Hanke. Dem Konzil
und Papst Benedikt XVI. seien hingegen Kontinuität und Identität ein großes
Anliegen. Josef Ratzinger habe das Konzil als Theologe aktiv mitgestaltet.
Die Rücknahme der Exkommunikation für vier illegal geweihte Bischöfe der
Lefebvre-Bewegung sei Ausdruck des Bemühens um Einheit, einem der großen
Anliegen des Pontifikats von Benedikt XVI., der sich als „Brückenbauer“
verstehe. Allerdings brauche es zur Versöhnung und Einheit stets beide
Seiten. (pm)
Newsletter von Radio Vatikan – 14.02.2009
Nach Ansicht des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch gibt es bei
der Piusbruderschaft weiterhin keine Anzeichen für eine echte
Gesprächsbereitschaft mit der katholischen Kirche. Viele hätten
nach der Aufhebung der Exkommunikation der vier Traditionalisten-Bischöfe
damit gerechnet, dass die Piusbruderschaft in einen sachlichen Dialog über
die Bedingungen einer vollen Rückkehr zur katholischen Kirche eintrete,
erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Freitagabend in
Freiburg. Dafür gebe es aber keinerlei Anzeichen. Auch der jüngste Offene
Brief des deutschen Distriktoberen der Bruderschaft, Franz Schmidberger, sei
kein wirkliches Gesprächsangebot. Zugleich bekräftigte Zollitsch, die
katholischen Bischöfe in Deutschland seien sich darüber einig, dass die
Kirche nicht hinter die durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65)
begründete theologische Öffnung zurückgehen könne und werde. (kna)
Der Salesianerorden hat jetzt erklärt, dass der so genannte
Don-Bosco-Schulverein nichts mit ihnen zu tun hat. Er sei eine
Einrichtung der Pius-Bruderschaft. Und es sei bedauerlich, dass sie den
Namen des Ordensgründers Giovanni Bosco nutzte, um ihre Ziele zu verfolgen.
Da das Label „Don Bosco“ nicht geschützt sei, könne sich Jeder ungefragt mit
dem Namen des populären Heiligen schmücken. Insofern betreibe die
Pius-Bruderschaft Etikettenschwindel. Der Leiter der Salesíaner-Mission,
Jean-Paul Muller, betont in einem Brief an die Förderer des Werkes, dass das
Menschenbild der Pius-Bruderschaft in keiner Weise der Haltung und den
Erziehungsmethoden Don Boscos entspreche. (kath.ch)
Newsletter von Radio Vatikan – 13.02.2009
Israel: Positive Reaktionen zur Papstrede an eine jüdische
Kommission
Die klare Stellungnahme des Papstes zu Judentum und Holocaust vom Donnerstag
war „keine Wende, sondern eine Bekräftigung“. Das sagt der
Päpstliche Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco. Die Worte Benedikts
seien „klar, präzise und deutlich gewesen“, auch wenn sie inhaltlich nicht
über schon längst Bekanntes hinausgegangen seien. Was der Papst gesagt habe,
„ist schon lange Teil des Lebens und Erbes der Kirche“, so der Nuntius.
Franco hofft, dass auf jüdischer Seite bald die Figur von Papst Pius XII.
differenzierter gesehen wird; er hoffe auf „größere Gelassenheit“ und den
Einsturz von „vielen Barrieren, die die Geschichte leider aufgestellt hat“.
Wörtlich sagt der Nuntius voraus: „Die Wahrheit wird sich ihren Weg bahnen.“
(agi)
Die „Jerusalem Post” ist zufrieden mit den Worten von Papst Benedikt
zum Judentum und zum Holocaust. In einem Artikel mit der
Überschrift „Die Entschuldigung des Papstes“ wird begrüßt, dass der Papst am
Donnerstag vor einer jüdischen Delegation aus den USA die Nähe zwischen
Christen- und Judentum bekräftigt hat. Allerdings mahnt die Zeitung,
Benedikt müsse dafür sorgen, dass sich Probleme wie unlängst nicht mehr
wiederholten. In dem Artikel wendet sich die Zeitung ausdrücklich gegen eine
mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII., den sie „Hitlers Papst“ nennt.
– Die „Jerusalem Post“ hatte in einer ersten Reaktion auf den
Williamson-Skandal einen unbefristeten Abzug des israelischen Botschafters
vom Vatikan gefordert. (reuters)
Auch die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat die
deutliche Verurteilung von Antisemitismus durch Papst Benedikt begrüßt.
Die „unzweideutige Verurteilung“ jeder Leugnung des Holocaust und jeden
Versuchs, „das Ausmaß der Shoah zu minimalisieren“, sei wichtig. Das meinte
der Vorsitzende der Gedenkstätte, Avner Schalev, am Donnerstagabend in
Jerusalem. Er hoffe, dass der Papst diese eindeutige Botschaft bei seinem
bevorstehenden Besuch in Yad Vashem im Mai bekräftigen werde. – Der
israelische Rundfunk berichtete in der Nacht zum Freitag, dass das Kabinett
aufgefordert worden sei, bei seiner wöchentlichen Sitzung am Sonntag einem
möglichen Papstbesuch Mitte Mai „höchste Priorität“ einzuräumen. Es wird
erwartet, dass Benedikt vom 8. bis 15. Mai das Heilige Land besucht. (kna)
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel freut sich über die Worte des Papstes
zum Holocaust. In einem Interview mit der Tageszeitung „la
Repubblica“ meint der Auschwitz-Überlebende allerdings, dass die Worte
Benedikts nicht ausreichten: „Man sollte von den edlen Worten zur Tat
übergehen und diesen Bischof“ – gemeint ist der Traditionalist Richard
Williamson – „aus der Kirche verjagen.“ Er habe nie bezweifelt, dass
Benedikt jede Leugnung des Holocaust entschieden ablehnt. Der Papst müsse
aber dafür sorgen, dass gar nicht erst der Eindruck entstehen könne, „dass
Williamson im Namen der Kirche spräche“. Der Lefebvre-Bischof müsse „aus der
Kirche ausgeschlossen bleiben“, bis er bereue und ein „Mea Culpa“ sage, „das
über jeden Zweifel erhaben ist“. Wiesel wörtlich: Williamson „schadet nicht
so sehr uns Juden als der Kirche selbst. Solange er Bischof bleibt, wird er
die Beziehungen der Kirche zu den Juden belasten.“ - Eine mögliche
Papstreise nach Israel begrüßt er: „Das ist gut, wenn er fährt. Israel
erhofft sich viel vom Dialog mit der Kirche.“ Wiesel erhielt 1986 den
Friedensnobelpreis. (repubblica)
Newsletter von Radio Vatikan – 12.02.2009
Papst empfängt jüdische Vertreter
Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden „steht auf der
soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, sie kann auch
zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar gestärkt daraus
hervorgehen.“ Diese versöhnlichen Worte sprach an diesem Donnerstag eine
hochrangige jüdische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan aus. Das
Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche „zutiefst und
unwiderruflich dazu verpflichtet ist, allen Antisemitismus zurückzuweisen“.
Auch zur Shoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: „Der Hass und
die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, „waren ein Verbrechen
gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei „über jeden Zweifel
erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens
nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel
unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch
von der bevorstehenden Visite Papst Benedikts im Heiligen Land: „Das gelobte
Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier.
Rabbiner: Historischer Tag
„Shalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man –
nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann.
Wie schon nach der Aufregung über die Karfreitags-Fürbitte war es wieder der
New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Österreicher, der dem
Papst Gesprächsbereitschaft signalisierte – in einem „kritischen Moment für
katholisch-jüdische Beziehungen“, wie er selbst sagte.
Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst dafür, dass dieser am
Mittwoch letzter Woche seine Solidarität mit den Juden erklärt und jeder
Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch dafür, dass
sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul zur Konzilserklärung „Nostra
Aetate“ bekennt, die für eine „Versöhnung zwischen der Kirche und dem
jüdischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb dafür, die Erinnerung an den
Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das „Nie wieder“ müsse den nächsten
Generationen vermittelt werden.
Zeichen für Israelreise
„Wie die Juden in der Wüste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit
sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit
uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdrückung und
Demütigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gelähmt, sondern
glauben weiter an den Hüter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat
Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch anerkannt
wurde, als Erfüllung der Prophezeiung des Ezechiel: „Ich hauche euch meinen
Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer
Land.“ „Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“
Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene Tür zu
einer Papstreise nach Israel. Schon länger war eine solche Visite für den
Mai im Gespräch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt
angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten.
Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: „Unsere Beziehung steht
auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch
zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar stärker daraus
hervorkommen... Möge Er, der für Frieden im Himmel sorgte, uns helfen,
Friede auch auf Erden zu schaffen.“
Außer Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine
Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen
US-Präsidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze
des Dachverbands der wichtigsten jüdischen US-Verbände. Auch Solow sprach
von einem „kritischen Moment“ und „gespannten Beziehungen zwischen der
Kirche und der jüdischen Gemeinschaft“: „Die Aufforderung des Heiligen
Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust
zurückzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder
klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden
darf.“
Appell gegen Antisemitismus
Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu
engagieren. „Die Geschichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher
Hass alle mit in den Abgrund zu reißen drohen, wenn man ihnen nicht
entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas
folgte ein Überfall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht
direkt in Zusammenhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei
und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“
Und auch Solow fand klare Worte zu einer möglichen Papstreise ins Heilige
Land: „Wir begrüßen und unterstützen die geplante Reise Eurer Heiligkeit
nach Israel. Die Menschen und Führer in Israel sehen ihr wie wir
erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu
dämonisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure
Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die
im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen
oder die Terrorismus gegen seine Bürger fördern.“
Worte des Papstes
Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache für die deutlichen Worte
von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, „etwas Zeit mit
meinen jüdischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an
seinen Besuch in der Synagoge von Köln kurz nach seinem Amtsantritt – und an
seine Visite auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers
Auschwitz-Birkenau im Mai 2006.
„Welche Worte können eine so tief bewegende Erfahrung adäquat wiedergeben?
Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen
Leids, dachte ich an die unzählige Schar von Gefangenen, darunter so vielen
Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den
anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und
erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer
Väter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch
teilen, unseren Brüdern und Schwestern.“
„Wie können wir auch nur annähernd das Monströse begreifen, was in diesen
infamen Gefängnissen stattgefunden hat? Die ganze menschliche Rasse fühlt
tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an Eurem Volk
gütlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser düsteren
Gelegenheit sagte: Die Führer des Dritten Reichs wollten das ganze jüdische
Volk vernichten, um es aus den Reihen der Völker dieser Erde auszulöschen.“
Papst bereitet Israelreise vor
Auch Benedikt kam dann auf eine mögliche Reise nach Jerusalem zu
sprechen.
„Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden
heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich,
die Kirche nährt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk
Israel ist – und auf den die wilden Ölbaum-Äste der Heiden aufgepfropft
wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neuformulierte
Karfreitagsfürbitte – ein Zitat aus dem Römerbrief des Apostels Paulus.
„Seit den frühesten Tagen des Christentums ist unsere Identität und jeder
Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion
unserer Väter im Glauben rückgebunden.“
Mit
der Formulierung „Väter im Glauben“ variierte der Papst die berühmte Formel,
die sein Vorgänger Johannes Paul beim Besuch der römischen Synagoge gefunden
hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die „älteren Brüder“
der Christen bezeichnet.
„Die zweitausendjährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und
Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle.
Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Versöhnung treffen können, sollten wir
früheren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir
einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo gäbe es denn auch eine
Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“
Benedikt XVI. und das Konzil
Der Papst nannte die Konzils-Erklärung „Nostra Aetate“ einen
„Meilenstein auf unserem Weg zur Versöhnung“. „Die Kirche ist zutiefst und
unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und
weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften
aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdrückt, dann
ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um
Vergebung bittet für alle Ungerechtigkeit, die das jüdische Volk erlebt
hat.“
„Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer Väter, du hast Abraham und
seine Nachkommen erwählt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir
sind tief betrübt über das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte
diesen deinen Kindern Leid zugefügt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und
wir verpflichten uns selbst zu wahrer Brüderlichkeit mit dem Volk des
Bundes.“
Noch
einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust:
„Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Shoah deutlich wurden,
waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit. Das sollte
jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift
stehen... Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder
Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg
inakzeptabel ist. Die Shoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu
vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses
schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“
Zu
Recht sei Erinnern auch „memoria futuri“, also ein Warnzeichen für die
Zukunft, so Papst Benedikt. Die Menschheit müsse alles tun, um eine ähnliche
Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an
den Holocaust „unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die zu
lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht
haben.“
Es war eine große Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und
ein klares Signal, dass der Vatikan aus dem Fall Williamson seine Lehren
gezogen hat. Auch die Türen zu einer Papstreise nach Israel sind an diesem
Donnerstag für alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach
der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch
gesagt: „Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter.
(rv)
Hier zum Nachhören
Vatikan: Rabbi Schneier - „Papst ist ein Brückenbauer“
Eine freundliche Atmosphäre herrschte beim Treffen des Papstes mit
den Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände in den USA. Das bestätigt
nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte
Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der
Gastgeber beim US-Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner
Synagoge in New York empfing. Gegenüber Radio Vatikan erzählt der gebürtige
Österreicher, wie es diesmal beim Papst war:
„Er hat nicht nur mich sehr herzlich begrüßt. Ich habe die ganze Delegation
vorgestellt. Er war sehr persönlich und sehr warmherzig. Wir haben über das
Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und
dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch
miteinander.“
Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage für einen
Holocaust-Überlebenden wie ihn „schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien.
„Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch
die Williamson-Affäre eine große Spannung entstanden. Doch mit der Erklärung
des Papstes wurde eine klare Richtung gesetzt. Und ich habe gespürt, dass es
sich nicht nur um eine selbstverständliche Erklärung handelte sondern auch
eine sehr persönliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret
„Nostra Aetate“ und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das
Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“
Die
Aufhebung der Exkommunikation für die vier Lefebvristen-Bischöfe ist eine
große Herausforderung für die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter
hinzufügt.
„Die Williamson-Affäre ist nicht eine jüdische Angelegenheit. Die Frage ist
aber, ob er „Nostra Aetate“ akzeptiert oder nicht. Und es geht nicht nur um
Bischof Williamson. Es geht um die Pius-Bruderschaft. Sie müssen Stellung
nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul
II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen
die Holocaust-Leugnung sein müssen.“
Eine
mögliche Papstreise im Frühling könnte den jüdisch-katholischen Dialog
weiter stärken, glaubt Arthur Schneier.
„Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer,
der Brücken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden
weiter halten kann.“ (rv)
Hier zum Nachhören
Die Audienz für jüdische Vertreter - ein Durchbruch
Zur Papstaudienz von diesem Donnerstag eine Einschätzung von Stefan Kempis.
Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40
Sekunden. Diese Zeit hat genügt, um einen ersten Schlussstrich unter den
Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht
bemerkenswert: Selten sprechen Papst-Gäste eine so deutliche Sprache. Wohl
noch nie außer in Auschwitz hat Benedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust
und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in
den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so
unmissverständlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Vergebungsbitte von
Johannes Paul gestellt. Das war ein „Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die
Tür zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten
Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das
war der Empfang für Botschafter aus mehrheitlich islamischen Ländern, nach
der Regensburger Rede des Papstes. Was die Audienz damals für die
Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz von diesem
Donnerstag für die Beziehungen zum Judentum. Ein Durchbruch. Willkommen in
Jerusalem, Heiliger Vater. (rv)
Deutschland
Die bayerischen Bischöfe haben Papst Benedikt XVI. ihre
Unterstützung versichert. Angesichts der „verzerrten Diskussion“
über die Kirche und auch über Amt und Person des Papstes dränge es sie, ihre
„unverbrüchliche Solidarität“ zu bekunden, heißt es in einem Brief des
Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, des Münchner Erzbischofs
Reinhard Marx, im Namen der Bischöfe. „Wir sind und werden jedem Versuch,
die katholische Kirche und Sie als unseren Heiligen Vater mit zweideutigen
und unklaren Äußerungen in die Nähe des Antisemitismus zu rücken, mit aller
Entschiedenheit entgegentreten.“ Die Haltung und die Äußerungen des Papstes
seien klar und unmissverständlich. Mit Blick auf die Lefebvrianer heißt es
in dem Brief: „Wir wissen um Ihren von geistlicher Tiefe und theologischer
Kompetenz geprägten Einsatz für die Einheit der Kirche, auch im Blick auf
die, die Ihre ausgestreckten Hände nicht ergreifen wollen.“ Die bayerischen
Bischöfe riefen zugleich zum Gebet für das Oberhaupt der katholischen Kirche
auf. (pm)
Die Piusbruderschaft sucht das Gespräch mit den deutschen Bischöfen
über theologische Fragen. Das hat der deutsche Zweig der
Vereinigung in einer Pressemitteilung an diesem Donnerstag bekannt gegeben.
Thema dieser Gespräche sollen nicht allein die strittigen Fragen um das
Konzil, sondern vor allem auch die Kritik an der nachkonziliaren Entwicklung
sein. Als zentralen Punkt nannte Pater Franz Schmidberger, der Distriktobere
der Priesterbruderschaft St. Pius X. für Deutschland, das Selbstverständnis
der katholischen Kirche. „Versteht sie sich noch als die allein von Christus
gegründete Kirche, welche die Fülle der Offenbarung besitzt?“, fragt sich
Schmidberger. Die katholische Kirche müsse auch unpopuläre Wahrheiten
verkünden, etwa in der Frage, war den Menschen nach dem Tod erwarte und ob
Christus der Erlöser aller Menschen sei. Solche Fragen seien bei den
Katholiken heute umstritten. Daran zeigten sich die Früchte der
„verwässerten Verkündigung von dreißig Jahren“. Schmidberger sagte,
grundsätzlich sei man dazu bereit, „mit jedem zu diskutieren“. Etwa könnten
die deutschen Bischöfe „einen oder zwei Theologen benennen, die mit uns über
die Punkte sprechen, die wir als problematisch empfinden“. (pm)
Österreich
Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng glaubt, dass die Spaltung
zwischen der katholischen Kirche und der Piusbruderschaft nach wie vor
besteht. Durch die Aufhebung der Exkommunikation für die vier
Bischöfe der Gemeinschaft sei „ein Schranken hochgegangen“, um ein Gespräch
beginnen zu können. Es werde sich zeigen, ob die Piusbruderschaft nun bereit
ist, sich mit der Kirche wirklich auszusöhnen. „Die aktuelle Diskussion wird
das alles aber erschweren.“ Zu den österreichischen Mitgliedern der
Bruderschaft in Jaidhof habe er bisher keinen Kontakt gehabt, so Küng. „Die
Bruderschaft hier hat mit mir noch nicht das Gespräch gesucht. In Feldkirch,
wo gar nicht weit entfernt das wahrscheinlich größte Zentrum der
Lefebvrianer ist, hatte ich mehrere Kontakte. Dort gab es mehrere
schmerzhafte Entscheidungen meinerseits, weil ich ihnen zum Beispiel nicht
erlaubt habe, Trauungen durchzuführen“. Er sei bereit, „jedem die Hand zu
reichen“, werde sich aber gleichzeitig das positive Gesprächsklima in der
Diözese St. Pölten „durch nichts und niemanden“ stören lassen. (kap)
Der Feldkircher Bischof Elmar Fischer hat sich für seine Aussagen
entschuldigt, wonach Homosexualität eine „psychische Krankheit“ sei, die in
vielen Fällen geheilt werden könne. Die Äußerungen hatten heftige
Reaktionen in Österreichs Öffentlichkeit ausgelöst. Er sei in seinen
Aussagen, die er in dem ORF-Interview getätigt hatte, „offenkundig von einem
nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur
ausgegangen“, betonte Fischer am Donnerstag: „Es lag mir fern, mit meinen
Aussagen Menschen zu verletzen.“ Als Diözesanbischof sei es ihm „ein
Anliegen, jungen Menschen auf dem Weg in ein erfülltes, segensreiches
Beziehungsleben Wegbegleiter zu sein“. Die Beziehungsfähigkeit sei „in der
heutigen Gesellschaft, einer schnelllebigen und bunten Welt, von großer
Bedeutung“. Dazu brauche es „bleibende Werte, die im Glauben erfüllt
werden“, so Fischer. (kap)
In der Debatte um den Umgang mit Traditionalisten warnt der
Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser vor einer „Gesundschrumpfung“ der
Kirche „gleichsam auf eine Sekte“. Eine religiöse Gemeinschaft als
Kirche wolle möglichst am Puls der Zeit sein, die Gesellschaft mit gestalten
und lade alle zur Mitgliedschaft ein, erläuterte Kothgasser in einem
Interview auf der Webseite des Erzbistums. Als „Sekte“ dagegen wolle eine
religiöse Gemeinschaft möglichst „Kontrastgesellschaft“ sein, sich von der
Gesellschaft abschotten und nur bestimmte Menschen als Mitglieder einladen.
Zu einer Wiederherstellung der Gemeinschaft mit der ultrakonservativen
Pius-Bruderschaft äußerte sich Kothgasser vorerst skeptisch. Es verstehe das
Anliegen des Papstes, die Einheit der Kirche wiederherzustellen. Doch wer
das Zweite Vatikanische Konzil ablehne, befinde sich nicht mehr auf dem
Boden der römisch-katholischen Kirche. (kap)
Newsletter von Radio Vatikan – 11.02.2009
Vatikan: Misstöne verklingen
Die jüngsten Misstöne zwischen Vertretern des Judentums und dem
Vatikan sind im Begriff zu verklingen. Das erklärt P. Norbert Hofmann, der
Sekretär der Kommission für die Beziehungen zum Judentum am päpstlichen
Einheitsrat. Gerade in diesen Tagen wollten viele jüdische Gruppen Papst
Benedikt persönlich treffen, sagte uns der Vatikan-Verantwortliche für den
Dialog mit dem Judentum. Zur Frage der „Judenmission” stellt P. Hofmann
klar: „Es kann nicht darum gehen, dass der eine den anderen überzeugt zu
konvertieren… Wenn wir im jüdisch-christlichen Gespräch diese Intention
hätten, könnten wir diesen Dialog vergessen.” Die Vorbereitungen für die
Papstreise nach Israel – deren definitive Bestätigung durch den Vatikan noch
aussteht – seien niemals abgebrochen worden, auch nach Bekanntwerden der
Äußerungen des traditionalistischen Bischofs Richard Williamson. (rv)
Hier das Interview mit P. Norbert Hofmann, die Fragen stellte Gudrun Sailer
Deutschland: „Katholiken können Holocaust nicht leugnen”
Den Holocaust zu leugnen, ist für einen Katholiken nicht möglich,
weil es sich beim Holocaust um ein Glaubenszeugnis handelt. Das betont der
Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Schweizer Universität
Fribourg, Andreas Müller. Er engagiert sich bei der Edith-Stein-Gesellschaft
in Deutschland. Die Gesellschaft beschäftigt sich im Augenblick mit den
Auseinandersetzungen um die Pius-Bruderschaft. Die Mitglieder der
Edith-Stein-Gesellschaft hat vor allem zwei Aspekte bewegt, so Andreas
Müller,
„dass es sich im Holocaust um ein Glaubenszeugnis handelt, das solche Leute
wie Edith Stein abgelegt haben, und das sagt, Religionen dürfen auf gar
keinen Fall Anlass von Rassismus und Gewalt sein, sondern im Gegenteil, wir
müssen an der Seite von Menschen stehen, die davon betroffen sind und
heimgesucht werden. Und der zweite Punkt, der uns bewegt hat in der Spur
Edith Steins, war die Tatsache, dass schon im Bürgerlichen Gesetzbuch die
Holocaust-Leugnung strafbar ist und wir uns gefragt haben, warum ist sie das
eigentlich im kirchlichen Gesetzbuch nicht? Daher wollen wir entsprechend
auch da Maßnahmen fordern.”
Als
Deutscher, der in der Schweiz doziert, sieht Müller auch die Unterschiede in
der Wahrnehmung der Auseinandersetzung.
„Die Schweiz ist wahrscheinlich sogar noch mehr mit betroffen, weil eben da
das Priesterseminar in Ecône ja auf dem Gebiet der Schweiz liegt und die
Studierenden und auch die Professuren haben ganz klar ... sehr schnell
Stellung genommen. Die Situation in der Schweiz ist da auch geprägt, zumal
es da auch eine starke jüdische Minderheit gibt, die sich durchaus zu Wort
melden kann. Ich sehe da keine allzu großen Differenzen zwischen Deutschland
und der Schweiz.” (pm)
Hier zum Nachhören
Deutschland
Erzbischof Robert Zollitsch spricht sich für regelmäßige gemeinsame
Sitzungen der Entscheidungsträger im Vatikan aus. Der Vorsitzende
der Deutschen Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof fände es gut, wenn
sich die Kurienkardinäle im Vatikan wenigstens alle paar Wochen mit dem
Papst zum Austausch treffen würden. Das sagte Zollitsch dem „Mannheimer
Morgen” am Mittwoch. Die derzeitige Krise um die Piusbruderschaft habe
Fehler in den Kommunikationsstrukturen des Vatikans deutlich gemacht. Der
Erzbischof bemängelte auch, dass der Vatikan die Kirche in Deutschland nicht
früh genug über die geplante Rücknahme der Exkommunikation der
Traditionalisten-Bischöfe informiert habe. (kna)
Österreich
Der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz hat in einem Schreiben an
alle Mitarbeiter der Diözese zum Dialog aufgerufen und ein Ende von
„Spaltung und Ablehnung“ gefordert. Zugleich versicherte er im
Blick auf die Debatten um den designierten Weihbischof Gerhard Maria Wagner,
dass er den bewährten Weg des Miteinanders von Priestern und Laien in der
Diözese auch in Zukunft fortsetzen wolle. Gesondert äußerte sich der
Diözesanbischof am Mittwoch zu einer Stellungnahme der Dechanten der Diözese
Linz vom Dienstag, in der diese die Bestellung von Wagner zum Weihbischof
ablehnten. Er verstehe die Stellungnahme der Dechanten „als Ausdruck einer
ernsten Sorge um den gemeinsamen Weg als Kirche“, so Schwarz. Diese Sorge
werde in den offiziellen Beratungsorganen mit ihm und den anderen
Verantwortlichen der Diözese besprochen werden, kündigte der Bischof an:
„Noch vor der Weihe des neuen Weihbischofs werden im März der Pastoralrat,
der Priesterrat und die offizielle Dechantenkonferenz tagen.“ (kap)
Gläubige sollten angesichts der Diskussion um die Lefebvrianer nicht
resignieren, sondern die Krise auch als Chance sehen. Das betonte
der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. In seinem Leitartikel in der
aktuellen Ausgabe des Mitarbeitermagazins der Erzdiözese Wien „Thema
Kirche”, schreibt Schönborn, er habe Verständnis, dass die Vorgänge
„Kopfschütteln, Trauer, Empörung und Unverständnis auslösen”. Zugleich sehe
er aber auch konstruktive Impulse aus der Debatte hervorgehen. Krisen seien
immer Momente, in denen Entscheidungen und Klärungen notwendig würden, so
Schönborn. Seitens der Kirche sei jetzt ein „verstärktes Bemühen um
Solidarität und ein Zugehen auf Menschen” vonnöten. - In seinem Artikel
stellte sich Schönborn zudem klar hinter Papst Benedikt. Selbst wenn dieser
in bester Hirtenabsicht „vielleicht nicht alle möglichen Einwände und
Gefahren bedacht haben sollte”, was ja nur menschlich sei, könne kein
Zweifel an den „überragenden Qualitäten” Benedikts als Nachfolger Petri
bestehen. (kap)
Die Kirche muss in der aktuellen Debatte um die Lefebvre-Bischöfe
die Inhalte des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder stärker vermitteln.
Das betonte der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser in einem Interview,
das am Dienstag auf der Homepage der Salzburger Diözese veröffentlicht
wurde. Ureigenste Aufgabe der Kirche sei es, „bei Gott und den Menschen zu
sein”, so Kothgasser. Wörtlich sagte er: „In einer Zeit, wo die Gottesfrage
höchst dringlich geworden ist, können wir es uns nicht leisten, alle Kräfte
für ständige Auseinandersetzungen einzusetzen und damit langsam das
Wesentliche zu verlieren.” Er wünsche sich eine Kirche, die nicht nur
„linientreuen” Mitglieder offen steht, sondern „Raum für Vielfalt bietet”
und „Gesellschaft von innen her prägt”. Zu einer solchen Kirche hätte sich
die Piusbruderschaft bisher nicht bekannt, sagte Kothgasser. Die
Lefebvrianer hätten sich quasi selbst aus der katholischen Kirche
ausgeschlossen, da sie das Zweite Vatikanische Konzil ablehnten. Auch in den
jüngsten Aussagen der Piusbrüder zu wichtigen Beschlüssen des Konzils, so
Kothgasser weiter, sehe er keine Basis für eine Wiedervereinigung. Scharf
ging der Salzburger Erzbischof mit dem Holocaustleugner Richard Williamson
ins Gericht: Es sei für niemanden zulässig den Holocaust zu leugnen und
könne bei niemandem toleriert werden. „Menschen, die den Holocaust leugnen
disqualifizieren sich selbst”, so Kothgasser. (pm/kap)
Niederlande
Die niederländischen Bischöfe haben ihren Wunsch nach einer raschen
Zusammenkunft mit der jüdischen Gemeinschaft des Landes bekräftigt.
Sie reagierten in einer am Dienstagabend in Utrecht veröffentlichten
Erklärung damit auf die „fortdauernde Unruhe”, die von der
Holocaust-Leugnung des Lefebvrianer-Bischofs Richard Williamson ausgelöst
worden sei. Ausdrücklich verurteilen sie Williamsons Äußerungen als absurd,
verwerflich und respektlos. Die niederländischen Bischöfe weisen darauf hin,
dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvrianer-Bischöfe keine
Rehabilitierung sei. Es handle sich nur um einen ersten Schritt, um ein
Gespräch mit der Piusbruderschaft möglich zu machen. Einheit mit der
römisch-katholischen Kirche könne die Bruderschaft nur erreichen, wenn sie
vollständig das Zweite Vatikanische Konzil anerkenne. Die Bischöfe
unterstreichen, sie teilten Sorge und Schmerz, die die Affäre Williamson
unter den Katholiken des Landes ausgelöst habe. An die Gläubigen und die
gesamte Gesellschaft gerichtet heißt es in der Erklärung, sie könnten darauf
vertrauen, dass Antisemitismus keinen Platz in der Kirche habe. (kap)
Frankreich
Die „Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus” (LICRA)
will Anzeige gegen den Lefebvrianer-Bischof Richard Williamson wegen seiner
Holocaust-Leugnung erstatten. Die französische
Menschenrechtsorganisation erklärte am Mittwoch in Paris, damit solle seine
Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit von der französischen
Justiz verfolgt werden. Dies kann in Frankreich mit bis zu einem Jahr Haft
und einer Geldbuße von bis zu 45.000 Euro bestraft werden. Der Anwalt der
Organisation, Alain Jakubowicz, sagte gegenüber der deutschen katholischen
Nachrichtenagentur KNA, eine strafrechtliche Verfolgung Williamsons durch
die französische Justiz sei möglich. Zum einen sei der schwedische
Fernsehsender, in dem Williamson die Ermordung von sechs Millionen Juden
durch die Nazis bestritten und die Existenz von Gaskammern geleugnet hatte,
als Satellitensender auch in Frankreich zu empfangen. Zum anderen sei eine
im Ausland begangene Straftat eines Ausländers in Frankreich dann zu
verfolgen, wenn das Opfer französisch sei. Die LICRA könne diesen
Opferstatus für sich beanspruchen. - Die LICRA war 1928 in Paris als
„Internationale Liga gegen den Antisemitismus” gegründet worden. 1979
änderte sie ihren Namen in „Internationale Liga gegen Rassismus und
Antisemitismus”. Die Organisation unterhält unter anderem Sektionen in
Österreich und der Schweiz. (kap)
Newsletter von Radio Vatikan – 10.02.2009
Kardinal Karl Lehmann hat die neuen Äußerungen des
Lefebvristen-Bischofs Richard Williamson zum Holocaust zurückgewiesen.
„Ich bin entsetzt, dass er nun sagt, er muss dies erst studieren, und das
wird Zeit brauchen“, sagte der Mainzer Bischof in der ARD-Talksendung
„Beckmann“ am Montagabend. Wenn Williamson dabei bleibe, müsse die
Exkommunikation wieder in Kraft treten. Das sei kirchenrechtlich möglich,
sagte der Kardinal. Was die Aufhebung der Exkommunikation für die vier
Bischöfe der Bruderschaft betrifft, sagte Lehmann, er habe „nie einem
Zweifel an den lautersten Absichten“ des Papstes gehegt. Allerdings könne er
nicht verstehen, „dass man nicht messerscharf die Bedingungen formuliert und
auch veröffentlicht hat, unter denen dann eine Aufhebung der Exkommunikation
stattfinden kann.“ (kap)
Protestanten sollten den jüngsten Streit in der römisch-katholischen
Kirche nicht mit Schadenfreude verfolgen. Diese Ansicht vertritt
der württembergische Landesbischof Frank Otfried July. Er reagierte damit
auf die öffentliche Kritik an der Entscheidung von Papst Benedikt XVI., die
Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen
Priesterbruderschaft St. Pius X. aufzuheben. Er halte die Entscheidung des
Papstes für falsch und „in gewisser Weise für anti-ökumenisch“. Aber von
evangelischer Seite solle man den Kritikern nicht vorschnell Beifall
klatschen, sagte July bei der Mitgliederversammlung des Evangelischen
Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher
Gemeinschaften) in Schwäbisch Gmünd. Es sei jedoch schmerzlich, wenn in der
öffentlichen Debatte beim Wort „Kirche“ nur noch an interne
Auseinandersetzungen gedacht werde. Angesichts von Austritten aus der
katholischen Kirche aufgrund der Papstentscheidung bedauerte July, dass auch
die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche zunehmend fast wie eine
Vereinsmitgliedschaft angesehen werde. Bei Nichtgefallen des Angebots gehe
man in einen anderen Verein. Auch Landeskirchliche Gemeinschaften seien
inzwischen von einer solchen Haltung betroffen. (idea
Frankreich
Die Pius-Bruderschaft bekräftigt ihre Vorbehalte gegenüber dem
Zweiten Vatikanischen Konzil. Das betonte nun der Generalobere der
Pius-Bruderschaft, Bernard Fellay. „Es gibt einen gefährlichen Geist, der
das ganze Konzil durchzieht, und in diesem Sinne lehnen wir es ab“, sagte
Fellay der französischen Wochenzeitschrift „Famille chretienne“. Die
Bruderschaft lehne die Texte des Konzils nicht vollständig ab, es gebe
allerdings Punkte, die Papst Benedikt XVI. als Ausdruck der Tradition der
Kirche bezeichne, obwohl sie es in der Sicht der Bruderschaft nicht seien.
Fellay warf der katholischen Kirche laut vorab veröffentlichtem
Interview-Wortlaut vor, sie verzichte durch die Betonung der Ökumene auf
eine Bekehrung Andersgläubiger. Nach Ansicht der Piusbruderschaft müsse die
Kirche aber stets daran erinnern, dass sie über die gesamte offenbarte
Wahrheit verfüge. Zum Verhältnis zum Judentum sagte der Generalobere, sie
seien in dem Sinn die älteren Brüder der Christen, als beide etwas gemeinsam
hätten. Allerdings reiche das nicht aus, damit sie gerettet würden. – Das
vollständige Interview soll nach Angaben der Zeitschrift am Mittwoch im
Internet und am Samstag in der Druckausgabe erscheinen. (kna)
Newsletter von Radio Vatikan – 09.02.2009
Argentinien: Traditionalisten setzen Williamson als Seminarleiter ab
Das Leugnen der Shoah durch den traditionalistischen Bischof
Richard Williamson hat Folgen. Offenbar hat ihn die Priesterbruderschaft St.
Pius X. als Leiter eines Priesterseminars bei Buenos Aires abgesetzt. Das
berichtet eine argentinische Nachrichtenagentur. Derweil mehren sich auch in
der katholischen Kirche Stimmen, die einen Ausschluss Williamsons fordern.
Die Nachricht kam per Fax: Williamson sei von der Leitung des Seminars La
Reja in Argentinien entbunden worden. Das erklärte Pater Christian
Bouchacourt, führendes Mitglied der Lefebvre-Anhänger in Lateinamerika, in
einer dürren Mitteilung. Williamsons Äußerungen gäben „nicht im geringsten
die Haltung unserer Gemeinschaft wieder“, so das Schreiben weiter. Eine
offizielle Bestätigung für die Absetzung von Williamson lag zunächst nicht
vor. Am vergangenen Mittwoch hatte Papst Benedikt den abtrünnigen Bischof
aufgefordert, seine Leugnung des Völkermords an den Juden unmissverständlich
und öffentlich zurückzunehmen. Dies lehnt der 68-Jährige aber in einem
schriftlich geführten Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ab.
Williamson leitete seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja westlich
der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. (diverse)
Israel: Neuer Dialog mit Vatikan
Das Oberrabbinat will die Religionsgespräche mit dem Vatikan wieder
aufnehmen. Die jüdischen Dialogpartner sagten ein zwischenzeitlich
aufgekündigtes Treffen im April wieder zu. Das bestätigte die päpstliche
Kommission für Beziehungen zum Judentum am Wochenende gegenüber der
Katholischen Nachrichten-Agentur. „Die Krise ist beigelegt, und sie werden
kommen“, sagte der Sprecher der von Kardinal Walter Kasper geleiteten
Fachstelle. Lediglich könne sich der ursprüngliche Termin vom 1. bis 4.
April aus technischen Gründen noch geringfügig verschieben. Den Angaben nach
hatten sich der Apostolische Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco,
und Kardinal Walter Kasper persönlich darum bemüht, die Wogen nach der
Aufhebung der Exkommunikation für den Holocaust-Leugner Richard Williamson
wieder zu glätten. Bei der theologischen Gesprächsrunde im Frühjahr – der
achten seit Aufnahme der Religionsgespräche 2002 – sollte es ursprünglich um
ökologische Fragen gehen; das Thema könne sich aber jetzt noch ändern, hieß
es. Die für Mai erwartete Israelreise von Papst Benedikt XVI. ist nach
Einschätzung der vatikanischen Dialogkommission durch die
Traditionalisten-Affäre nicht in Gefahr. Die Vorbereitungen gingen
unvermindert weiter. (kna)
Deutschland: „Weiter nicht möglich”
Eine Gemeinschaft im Gottesdienst und in den Sakramenten mit
Bischöfen und Priestern der Pius-Bruderschaft ist für einen katholischen
Christen weiterhin nicht möglich. Das betont das Bistum Aachen. Heute könne
kein katholischer Christ mit gutem Gewissen Meinungen der
Priesterbruderschaft vertreten, an ihren Gottesdiensten teilnehmen oder von
ihren Priestern Sakramente erbitten. (pm)
Deutschland: Sterzinsky fordert Klärung
Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky fordert eine weitere Klärung
im Fall Williamson. Er verstehe den Papst, dass er „in die Irre gegangene
Söhne“ wieder in die Kirche holen wolle, sagte Sterzinsky am Sonntagabend in
Hamburg. Doch dazu wünsche er sich Klarstellungen. Darunter seien die
Fragen, ob die vier Bischöfe das Zweite Vatikanische Konzil mit allen
Beschlüssen teilten, welchen Platz sie künftig in der Kirche einnehmen
wollten, welche Aufgaben ihnen übertragen würden und ob sie die
Piusbruderschaft, der sie angehören, mitbrächten, erklärte der Kardinal.
Sterzinsky hob hervor, die Leugnung des Holocaust durch Williamson habe mit
der früher ausgesprochenen Exkommunikation nichts zu tun. Doch sei eine
solche Aussage von höchster Gewichtigkeit. „Wer den Holocaust leugnet, steht
außerhalb der Gemeinschaft unserer Kirche“, unterstrich der Kardinal. (kna)
Österreich: „Rückkehr Williamsons in Kirche ausgeschlossen“
Der Heiligenkreuzer Abt Gregor Henckel-Donnersmarck hält es für
ausgeschlossen, dass Bischof Williamson in die katholische Kirche
zurückkehren kann. In einem Interview sagte er wörtlich: „Williamson ist ein
Terrorist, der eine Bombe gelegt hat. Die Aussagen dieses Idioten sind ein
Zeichen extremer Dummheit. Aber all die, die jetzt den Papst kritisieren,
sind in seine Falle gegangen und tun genau das, was Williamson beabsichtigt
hat. Er ist ein Zündler und will, dass es brennt.“ Williamson scheine aber
so dumm zu sein, dass „man ihm über die Konsequenz seines Handelns nicht
alle Übersicht zusprechen kann.“ Er persönlich sei ein „erklärter Gegner“
der Piusbruderschaft, sagte Henckel-Donnersmarck. Allerdings halte er wenig
von einer neuerlichen, diesmal politisch motivierten Exkommunikation
Williamsons. Die Exkommunikation habe sich auf die unerlaubte Weihe bezogen,
aber die Aussagen von Williamson seien „politisch, obszön und
niederträchtig“. (kap)
Schweiz: Der Abt zweifelt
Der Abt von Einsiedeln, Martin Werlen, nennt eine Exkommunikation
eine „therapeutische Maßnahme“. Diese solle zur Einsicht und zur Umkehr
führen, meinte er am Wochenende in einem Interview. Die Annullierung einer
Exkommunikation setze die therapeutische Wirkung voraus. Im aktuellen Fall
der Lefebvre-Anhänger gebe es diesbezüglich große Fragezeichen, nicht nur
bei Williamson, sondern bei allen vier betroffenen Lefebvre-Bischöfen, so
der Benediktinerabt. Der Entscheid des Papstes sei seines Erachtens zu
diesem Zeitpunkt und unter diesen Umständen problematisch. Wer eine
Exkommunikation aufhebe, müsse die Betroffenen sehr gut kennen. Das sei aber
offensichtlich nicht der Fall gewesen. „Ich hoffe, dass wir als Kirche aus
dem entstandenen Desaster etwas lernen“, so Werlen. Es sei fahrlässig,
solche Entscheidungen einsam zu treffen, ohne dass das weltweite katholische
Netz in Anspruch genommen werde. Der einsame Entscheid in Rom räche sich
jetzt. (kipa)
Newsletter von Radio Vatikan – 08.02.2009
Vatikan/D: Angela Merkel und Papst Benedikt räumen Missverständnisse
aus
Papst Benedikt XVI. und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in
einem Telefonat über die Verstimmungen der vergangenen Tage geredet. „Es war
ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen
Anliegen der immerwährenden Mahnung der Shoah für die Menschheit“, teilten
der vatikanische Pressesaal und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich
Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der Papst und die
Kanzlerin hätten „in großem gegenseitigen Respekt“ ihre Haltungen
ausgetauscht. Es sei die Bundeskanzlerin gewesen, die um das Gespräch
gebeten habe, so die Mitteilung. Zu der Verstimmung zwischen deutscher
Bundesregierung und Heiligem Stuhl war es nach der Aufhebung der
Exkommunikation für die Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X.
gekommen, als Merkel eine klare Haltung des Vatikans im Fall des
Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson gefordert hatte.
Unionspolitiker und Kirchenvertreter sprachen daraufhin von einer nicht
akzeptablen Einmischung in kirchliche Angelegenheiten.
Der
Vatikansprecher und der Sprecher der Bundesregierung verwiesen jetzt noch
einmal auf die Erklärung des Papstes von der Generalaudienz am 28. Januar
und der Bundeskanzlerin vom vergangenen Donnerstag. Am Mittwoch hatte der
Papst von Williamson einen Widerruf verlangt. Merkel begrüßte daraufhin die
Haltung des Vatikans als „wichtiges und gutes Signal“. (rv)
D: Zollitsch wünscht Solidarität mit Papst Benedikt
Zu Solidarität mit Papst Benedikt hat der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, aufgerufen. Zwar
gebe es in der Auseinandersetzung mit der Priesterbruderschaft Pius X.
weiterhin Diskussionsbedarf, räumte Zollitsch in einem Gastbeitrag für die
„Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ ein. „Auf keinen Fall aber verdient
der Papst den jetzt so oft erhobenen Vorwurf einer restaurativen
Gesinnung.“ Benedikt XVI. habe die Exkommunikation der vier
Traditionalisten-Bischöfe aufgehoben, um einen endgültigen Bruch zwischen
der Gemeinschaft und der Kirche zu verhindern.
Ein solches Schisma während seines Pontifikats sei für den Papst ein
„Albtraum“, sagte der Erzbischof. Benedikt XVI. sei „mitnichten 'der
Entrückte', der fernab der Geschichte und der Menschen eine starre
Glaubenslehre um jeden Preis verteidigt“. Dem Papst gehe es vielmehr darum,
„die Kirche aus ihren Wurzeln lebendig zu halten, statt diese Wurzeln zu
kappen“. In diesem Bemühen verdiene er die Unterstützung aller Katholiken.
Es brauche jetzt Gesten, „die zeigen, dass die Kirche in frischer Weise nach
vorne schaut und die Nähe ganz besonders auch zu den modernen Menschen
sucht, die oft ohne eine katholische Erziehung und mit Vorstellungen und
einem Freiheitsbewusstsein leben, das kirchlichen Vorstellungen eher fern
ist“, betonte der Freiburger Erzbischof.
Zugleich erneuerte Zollitsch seine Kritik an der Vorgehensweise der Kurie.
„Unübersehbar liegt ein wesentlicher Grund für das entstandene Durcheinander
darin, dass die römischen Behörden weitgehend unverbunden nebeneinander
arbeiten und ihre Vorschläge machen, ohne zunächst darüber zu sprechen, wie
diese sich ins Ganze einfügen“, so der Bischofskonferenz-Vorsitzende
wörtlich. Die Frage sei, „ob man in Rom nicht lernen und Verfahren einüben
muss, wie die adäquate Abstimmung und entsprechende Zuarbeit für den Papst
auszusehen hat“.
Zweifel äußerte Zollitsch hinsichtlich einer Anerkennung des Zweiten
Vatikanischen Konzils (1962-1965) durch die Piusbruderschaft. In der „Bild
am Sonntag“ verurteilte er zudem ein weiteres Mal die Äußerungen des
britischen Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson. Dieser hatte
wiederholt die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis
bestritten und die Existenz von Gaskammern geleugnet. "Herr Williamson ist
unmöglich und unverantwortlich. Ich sehe jetzt keinen Platz für ihn in der
katholischen Kirche", sagte Zollitsch.
Auch der Regensburger Bischof Gerhard Müller forderte scharfe Sanktionen
gegen Richard Williamson. Der lefebvrianische Bischof müsse "freiwillig oder
zwangsweise aus dem Klerikerstand" ausscheiden, heißt es in einer Erklärung
Müllers. Auch für die drei anderen Bischöfe der Piusbruderschaft forderte
Müller Konsequenzen. Die illegal geweihten Bischöfe sollten auf die Ausübung
ihres Amtes verzichten. „Meiner Überzeugung nach können sie allenfalls als
einfache Priester eingesetzt werden“, so Müller. (kna/kap)
Newsletter von Radio Vatikan – 07.02.2009
Lombardi: „Papst wollte ein Zeichen für die Zukunft setzen“
Die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe war
ein „Zeichen für die Zukunft“. Das betont Vatikan-Sprecher Federico Lombardi
in seinem wöchentlichen Editorial für Radio Vatikan. Die entstanden
Schwierigkeiten zeigen, so Lombardi, dass „der Weg der ökumenischen Einheit“
schwierig und lang sei. Man merke dabei, welchen Preis die Christen bezahlen
müssten, um diese Einheit erreichen zu können. Lombardi wörtlich:
„Die dargebotene Hand des Papstes ist und bleibt für uns alle eine
erstaunliche Geste des Mutes. Damit hat er bewiesen, wie wichtig es ihm ist,
für die Einheit zu arbeiten. Er ging soweit, dass er auch Risiken auf sich
nahm. Diese Risiken bestanden u.a. darin, dass vieles vor dem Beschluss
nicht klar bzw. unbekannt war. Gerade deswegen ist diese Geste ein Appell an
uns alle. Das gilt insbesondere für die Mitarbeiter des Papstes wie für
jegliche Mitglieder der Kirche: Wir dürfen den Papst in solchen Fällen nicht
allein lassen, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu meistern.“
Auch
in schwierigen Zeiten kann man vieles hinzulernen, fügt Jesuitenpater
Lombardi an.
„Das gilt für alle Beteiligten des ökumenischen Dialogs. Jeder sollte in
Bescheidenheit und Bereitschaft den Weg suchen, der zur Einheit führt. Jede
Krise bietet die Möglichkeit, einen Schritt weiterzukommen und neue
Erkenntnisse zu gewinnen. Das wird uns nicht unbedingt zu einer mächtigeren
Kirche führen, aber sie sollte sich zu einer Kirche der Liebe und Vergebung
wandeln. In einer solchen Kirche kann es keinen Gegensatz zwischen Konzil
und Tradition geben!“ (rv)
Hier zum Nachhören
Kirchenrechtler: „Sie sind keine katholischen Bischöfe“
Der Bischof der Pius-Bruderschaft, Richard Williamson, will vorerst
seine Leugnung des Holocaust nicht widerrufen. Er wolle zunächst „die
historischen Beweise prüfen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.
Für eine erneute Exkommunikation Williamsons ist die Leugnung des Holocaust
aus kirchenrechtlicher Sicht kein hinreichender Straftatbestand -das sagte
Klaus Lüdicke dem Kölner Domradio. Lüdicke ist emeritierter Kirchenrechtler
an der Universität Münster. Man müsse angesichts der jetzigen Debatte
betonen, so Lüdicke, dass die vier Lefebvre-Bischöfe nie ein offizielles Amt
innerhalb der katholischen Kirche innehatten.
„Dadurch, dass sie illegal geweiht worden sind, sind sie nie in die
Gemeinschaft mit dem Papst getreten. Sie dürften daher nicht an einem Konzil
teilnehmen. Sie sind der Weihe nach Bischöfe, aber nicht dem Amte nach! Sie
können darum auch kein kirchliches Amt wiederbekommen, weil sie katholisch
betrachtet keine Bischöfe sind.“
In
diesem Fall seien auch dem Vatikan durchaus Fehler unterlaufen. Man hätte
sich vorher besser über die einzelnen Lefebvre-Bischöfe informieren sollen,
findet Lüdicke:
„Der Vatikan hat dazu die passenden Strukturen - die haben aber in diesem
Fall nicht funktioniert. Diese Struktur besteht darin, dass das
Staatssekretariat durch die Leitung eines päpstlichen Diplomaten das nötige
Sensorium an den Tag legt, um zu wissen, welche Auswirkungen Erklärungen des
Heiligen Stuhls haben. Bevor dann eine solche Entscheidung auch vollzogen
wird, muss das Staatssekretariat dies überprüfen. In diesem Falle hätte es
dem Papst sagen können, dass die Aufhebung der Exkommunikation eine
Auswirkung auf den Dialog mit den Juden und auf das Verhältnis zu
Deutschland sowie für die Ökumene hat. Aus irgendwelchen Gründen hat diese
Zusammenarbeit im Vatikan diesmal nicht geklappt.“ (rv/kna/domradio)
Hier zum Nachhören
Italien: Traditionalisten schließen Holocaust-Leugner aus
Die traditionalistische Piusbruderschaft hat den Leiter ihrer
nordostitalienischen Provinz, Floriano Abrahamowicz, wegen seiner Äußerungen
zum Holocaust ausgeschlossen. Anlass seien „schwerwiegende disziplinarische
Gründe“, hieß es in einer Mitteilung der vom Vatikan nicht anerkannten
Gemeinschaft. Auf die Holocaustleugnung selbst ging der italienische
Distriktobere Davide Pagliarani in seiner am Freitagabend verbreiteten
Stellungnahme nicht ein. Abrahamowicz hatte noch nach der deutlichen
Aufforderung des Vatikans an den Traditionalisten-Bischof Richard
Williamson, verharmlosende Aussagen zur Judenvernichtung zurückzunehmen,
entsprechende Thesen bekräftigt. So sagte er, die Gaskammern in den
Vernichtungslagern der Nazis hätten nur zur Desinfektion gedient. Die
Piusbruderschaft begründet den Ausschluss von Abrahamowicz mit der
Notwendigkeit, „zu verhindern, dass das Bild der Bruderschaft Sankt Pius X.
weiter verzerrt wird“. Andernfalls drohe „ihr Werk im Dienst der Kirche
beschädigt zu werden“. (kna)
Deutschland: Dialog zwischen Zentralrat und Bischöfen geht weiter
Der Zentralrat der Juden und die Deutsche Bischofskonferenz bleiben
im Gespräch. Die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, hat die
Einladung zu einem persönlichen Gespräch vom Vorsitzenden der Deutschen
Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, angenommen. Das teilte der
Zentralrat der Juden am Freitag in Berlin mit. Trotz der
Auseinandersetzungen um die Rehabilitierung der Lefebvre-Bischöfe sei man
sich über Gemeinsamkeiten und Verbundenheit einig. Der Generalsekretär des
Zentralrats, Stephan Kramer, betonte, dass sich die derzeitigen Differenzen
auf den Vatikan und nicht auf die Deutsche Bischofskonferenz bezögen. (kna)
Kirchenrechtler: Zur aktuellen kirchenrechtlichen Position der vier
Bischöfe der Piusbruderschaft
Am 24. Januar 2009, in der Internationalen Gebetswoche für die
Einheit der Christen, hat Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier
Bischöfen der Piusbruderschaft aufgehoben. Diese hatten sich die Strafe der
Exkommunikation zugezogen, weil sie ohne päpstliches Mandat von Erzbischof
Marcel Lefebvre im Juni 1988 zu Bischöfen geweiht worden sind. Die
unerlaubte Weihe war ein schismatischer Akt. Die Rücknahme der
Exkommunikation der vier Bischöfe bedeutet, dass sie wieder in die Kirche
aufgenommen sind. Nicht mehr und nicht weniger. Das mehr als zwanzigjährige
Schisma ist mit dem Aufhebungsdekret vom 24. Januar 2009 definitiv
beendet...
Hier lesen Sie weiter die Analyse des Kirchenrechtlers und RV-Latinisten
Gero P. Weishaupt
Newsletter von Radio Vatikan – 06.02.2009
Deutschland: Merkel begrüßt „positives Signal“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Klarstellung des
Vatikans zum Traditionalistenbischof Richard Williamson als wichtiges
Zeichen begrüßt. Die „eindeutige Aufforderung“, die Aussagen zum Holocaust
öffentlich zu widerrufen, wertete Merkel als „ein wichtiges und auch ein
gutes Signal“. Am Ende einer Pressekonferenz in Berlin sagte sie am
Donnerstag auf Nachfrage:
„Das macht deutlich, dass eine Leugnung des Holocaust niemals ohne Folgen im
Raum stehen bleiben kann, denn nur ohne die Leugnung des Holocaust, nur ohne
Antisemitismus kann überhaupt ein gedeihliches Miteinander von jüdischen
Gemeinden und christlichen Kirchen gelingen. Das ist es ja, was wie ich
glaube nicht nur mich, sondern uns alle umtreibt und was wir uns alle
wünschen: ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und
christlichen Kirchen, katholischen Gemeinden. Deshalb war das ein wichtiges
und gutes Signal, und insoweit glaube ich, sind wir auch ein Stück
vorangekommen.“ (pm)
Hier zum Nachhören
Lefebvrianer auf Kollisionskurs – Sarkozy entsetzt über
Shoah-Leugnung
Die Priesterbruderschaft Pius X. bleibt offenbar auf
Konfrontationskurs zur katholische Kirche. Trotz der Suspendierung durch den
Vatikan plant die Gruppe anscheinend neue Priesterweihen. Das berichtet der
„Kölner Stadt-Anzeiger“. Nach Angaben der Zeitung habe einer der vom Papst
begnadigten Bischöfe, der Schweizer Bernard Fellay, für Ende Juni neue
Priesterweihen angekündigt. Der Bischof, der diese Weihen durchführt, könnte
sich dadurch laut Kirchenrecht automatisch wieder die Exkommunikation
zuziehen. Fellay ist Leiter der Bruderschaft, in der sich die Anhänger des
abtrünnigen Erzbischofs Marcel Lefebvre sammeln. Bereits am Sonntag soll
Fellay in der Nähe von Regensburg auch schon so genannte „niedere Weihen“
vorgenommen haben. Die Angaben der Zeitung sollen an diesem Nachmittag von
der Bruderschaft bestätigt worden sein.
Fellay ist wie die anderen drei Traditionalisten-Bischöfe weiterhin vom
priesterlichen Dienst in der katholischen Kirche suspendiert. Die
Piusbruderschaft ist vom Vatikan nicht anerkannt. Der Trierer
Kirchenrechtler Peter Krämer wertete die Weihehandlung als Zeichen dafür,
dass die abtrünnigen Bischöfe nicht gewillt seien, sich der Disziplin der
katholischen Kirche zu unterwerfen. Insbesondere die geplante Priesterweihe
sei ein Akt „bewussten Ungehorsams gegen die Autorität des Papstes“. Der
Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke bezweifelte, dass es den
Traditionalisten tatsächlich um eine Wiedereingliederung in die katholische
Kirche gehe. Mit der Rücknahme der Exkommunikation hätten sie vielmehr den
Wegfall eines Hemmnisses erreicht, das ihnen den Zulauf ultrakonservativer
Katholiken bisher erschwert habe.
Unterdessen nahm der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft, Franz
Schmidberger, den Ausdruck „Kinderschänder“ für den Propheten Mohammed „mit
großem Bedauern“ zurück. Zur Begründung betont Schmidberger in einer
Erklärung, diese Wortwahl sei geeignet, „Muslime in ihren religiösen
Gefühlen zu verletzen“. Mit einem Statement, das an diesem Freitag
veröffentlicht wurde, setzt sich Schmidberger außerdem gegen viele
verzerrende Berichte über die Priesterbruderschaft zur Wehr. Es sei zu
manchmal geradezu bösartigen Angriffen gekommen.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist schockiert über die Leugnung
der Shoah durch den Traditionalistenbischof Richard Williamson. Es sei
„unerträglich und unfassbar“, dass solche Äußerungen „im 21. Jahrhundert
noch möglich sind“, meinte Sarkozy im französischen Fernsehen. (ansa/afp/kna/rv)
Lefebvrianer: Ein eher rechtes Weltbild
Wer sind die Pius-Brüder, aus welchem geistigen Umfeld kommen sie,
wofür stehen sie politisch? Das sind Fragen, die von den unsäglichen
Bemerkungen Williamsons zum Holocaust aufgeworfen werden. Jozef Niewiadomski
ist Professor für Dogmatik und Dekan der Katholischen Fakultät an der
Universität Innsbruck. Er will nicht alle Lefebvre-Anhänger unter
rechtsextremen Generalverdacht stellen.
Dazu sagte er:
„Es ist aber sicher so, dass das Weltbild der Pius-Bruderschaft, gestärkt
vor allem durch einzelne Aussagen von Erzbischof Marcel Lefebvre und die
späteren Veröffentlichungen, doch ziemlich in rechte Kreise bis hin zu
rechtsradikalen Kreisen hineinreicht. Ich würde schon sagen, dass es in der
Pius-Bruderschaft immer noch die Ideen gibt, die moderne Prinzipien wie
Menschenrechte, wie Toleranz, wie Achtung vor jedem anderen Menschen – auch
anderen Religionen – ablehnen, und den extremen Antisemitismus. In den
letzten Jahren hat man immer wieder einzelne Mitglieder der
Pius-Bruderschaft auch im Kontext von rechtsgerichteten politischen
Gruppierungen gesehen, etwa bei Le Pen. Ich finde, die ganze
Auseinandersetzung macht uns auf irgendetwas sehr deutlich aufmerksam...“
Die
Debatte dieser Tage findet Niewiadomski letztlich heilsam: Sie mache darauf
aufmerksam, dass das Thema Lefebvrianer nicht nur liturgische, sondern auch
politische Facetten habe. Eine volle Rückkehr der Pius-Bruderschaft in die
Kirche vermag er sich nicht ganz vorzustellen.
„Als gläubiger Mensch sage ich: Man soll dem göttlichen Geist keine Grenzen
setzen und an die Bekehrungsbereitschaft und -fähigkeit eines jeden glauben.
Wenn ich mir allerdings die ersten Reaktionen anschaue, die auf die
Aufhebung der Exkommunikationen von einzelnen Mitgliedern der
Pius-Bruderschaft bereits gekommen sind und den Tenor haben ,Nicht wir
werden umdenken, sondern wir werden dazu beitragen, dass die Kirche umdenkt’
– dann bin doch ein bisschen skeptisch.“ (rv)
Hier zum Nachhören
Vatikan: Kardinal Kasper „versteht Besorgnis“
Kurienkardinal Walter Kasper versteht die Besorgnis vieler Juden
angesichts der derzeitigen Debatte über Vatikan und Traditionalisten. Das
sagte er in einem Gespräch mit der Schweizer jüdischen Zeitschrift „Tachles“,
das an diesem Freitag veröffentlicht wurde. Es gebe „wachsenden
Antisemitismus, aus verschiedenen Gründen allerdings“. Was die Einstellung
der Kirche angehe, handle sie aber klar auf dem Boden des Konzils und wolle
„die Versöhnung mit den Juden“. Kasper wörtlich: „Papst Johannes Paul II.
nannte den Judenhass eine Sünde gegen Gott. Auch beim gegenwärtigen Papst
gibt es keinen Zweifel an seiner Einstellung“. Kasper, der den vatikanischen
Einheitsrat leitet, betont, für ihn sei „eindeutig und klar, dass es keinen
Bischof, der in der katholischen Kirche ein Amt ausübt, geben darf, der den
Holocaust leugnet“. Er fährt fort: „Diese ganze Debatte bedrückt mich, und
ich versuche alles, um den Faden der Diskussionen nicht abreißen zu lassen.“
Zu einer möglichen Papstreise nach Israel meint der Kardinal, aus seiner
Sicht sei eine solche Visite „gerade jetzt notwendig“. Er sei „sehr traurig,
dass sich das Bild der Kirche verdunkelt hat durch diese undiskutable und
dumme Äußerung von Richard Williamson.“ (pm)
Deutschland: Genn fragt „Wes Geistes Kind seid ihr?“
„Mit dem, was am Leidvollsten ist“ hat der ernannte Bischof von
Münster, Felix Genn, seine erste Pressekonferenz an diesem Freitag dort
begonnen: mit diesen „unseligen – eigentlich unter meiner Würde sie zu
kommentieren – Äußerungen zum Holocaust“.
Der Papst habe in der Frage des Verhältnisses zum Judentum „so viele Zeichen
gesetzt“,
„dass man überhaupt nicht daran denken kann, dass er ein Antisemit ist, oder
die Beziehungen zum Judentum kappen will. Wenn er nach Israel fahren sollte,
wird es sicher noch einmal einen starken Akzent in dieser Richtung geben.“
Er sei
überzeugt, so Genn,
„dass Benedikt nichts von den Äußerungen Williamsons gewusst hat“.
Im
Vatikan müsse man sich jetzt fragen, wie es dazu kommen konnte, dass „das
Image des Papstes und des Papsttums so angegriffen“ wurde. Der Leiter einer
Behörde müsse sich auf den Dienst seiner Mitarbeiter verlassen können.
„Ich leite ja selbst eine Behörde und weiß ja auch nicht alles, was in
meinen Abteilungen geschieht. Ich muss ja auch gar nicht alles wissen,
sondern ich verlasse mich darauf, dass meine engsten Mitarbeiter ihre
Verantwortungsbereiche wahrnehmen und zwar ordentlich wahrnehmen und dass
mein Dienst als Bischof nicht beschädigt wird.“
Die
Holocaust-Leugnung Williamsons habe ein „hochsensibles Kapitel“ berührt,
„das in unserem Volk immer noch nicht aufgearbeitet ist“. Im Umgang mit der
Piusbruderschaft müsse man jetzt die Frage stellen, „wes Geistes Kind seid
ihr eigentlich?“ Genn bekennt, dass auch er sich bislang nicht intensiv mit
den Positionen der Lefebvre-Anhänger auseinandergesetzt habe.
„Was da zu Tage tritt, habe ich in der Weise nicht gewusst, und das hat mich
auch in der Weise nicht berührt. Ich habe gedacht, das sind Schismatiker...
Aber jetzt, nachdem die Exkommunikation aufgehoben ist, müssen sie zeigen,
dass sie wirklich so päpstlich sind, dass sie alle von einem Papst
unterzeichneten Dokumente des II. Vatikanums auch anerkennen. Sie sagen ja,
dass sie den Papst anerkennen, jetzt will ich sehen, was geschieht... Sie
können ja nicht sagen, die einen Dokumente sind päpstlich, die anderen
nicht.“
Der
aktuellen – zunächst schwer verständlichen – Debatte kann der Bischof bei
allem vordergründigen Schaden für das Ansehen der katholischen Kirche daher
auch Positives abgewinnen. Sie kläre letztendlich die Stellung der
Piusbruderschaft.
„Jetzt kann man ihnen auf die Finger schauen. Das was ich jetzt von ihnen
lese, ist so horrend – das kann auch dazu führen, dass man sagt, jetzt ist
Schluss: Wir sind hier, und ihr bleibt da. Auch dazu kann es kommen. Dann
ist der Schnitt aber eindeutig.“
Die
bisherigen Äußerungen und Reaktionen der Piusbruderschaft trügen nicht zur
Aussöhnung bei.
„Vielleicht
war es notwendig, dass das ganze Durcheinander hochkam, damit man jetzt
sagen kann: ,Liebe Piusbruderschaft, ihr habt lange genug in der Ecke
gestanden, wir sind euch jetzt entgegen gekommen, ihr habt um Aufhebung der
Exkommunikation gebeten, das haben wir euch gewährt.’ Wer das entsprechende
Dekret liest, sieht, dass da noch viele offene Fragen sind, sieht, dass
gesagt wird, es muss verhandelt werden. ,Wenn ihr euch aber so benehmt, dann
geht das nicht.’ Es kann doch nicht einer, der den Holocaust leugnet im
Ernst daran denken, dass er Bischof der katholischen Kirche wird.“ (pm/rv)
Hier zum Nachhören
Die Debatte geht weiter
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat am
Freitag neuerlich betont, dass die Haltung der katholischen Kirche zum
jüdischen Volk in der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ eindeutig und
verbindlich festgelegt ist. Diese Festlegung sei auch im Katholischen
Weltkatechismus noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholt worden. Wie
Kardinal Schönborn betonte, ist die „vollinhaltliche Annahme“ des Zweiten
Vatikanischen Konzils einschließlich von „Nostra Aetate“ und der Erklärung
über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“ unabdingbare Voraussetzung
für eine Eingliederung der Pius-Bruderschaft in die Kirche. Die
Konzilserklärung entziehe jedem Antisemitismus den Boden, wenn es wörtlich
heißt: „Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod
Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens
weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden
zur Last legen.“
Eine stärkere Betonung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche
wünscht sich der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. In
einem ORF-Interview am Freitag räumte Scheuer Fehler in der jüngeren
Entwicklung in der Kirche ein, aus denen man jetzt dringend lernen müsse.
Die Vatikan-Entscheidung zur Pius-Bruderschaft wolle er nicht in
Zusammenhang mit der Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner
sehen. Scheuer wörtlich: „Da würde man Wagner nicht gerecht. Lefebvrianer
ist er keiner, konservativ ist er sicher.“
„Vieles, was in den letzten Tagen über Papst Benedikt in der Öffentlichkeit
gesagt worden ist, war bösartig“. Das schreibt der Basler Bischof Kurt
Koch, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, in einem
ausführlichen persönlichen „Brief an die Gläubigen“. Der Papst habe in
seinem bald vierjährigen Pontifikat sehr deutlich gezeigt, „dass
Antisemitismus mit dem christlichen Glauben schlechterdings nichts zu tun
haben kann“. Das Konzil stehe in der Kirche nicht zur Disposition, betont
Koch. „Ist der Preis für die Bemühungen um Einheit nicht zu groß?“, fragt er
dann und kommt zum Schluss: „Ich bin überzeugt, dass die Geschichte Papst
Benedikt darin Recht geben wird, bis zum Äußersten gegangen zu sein, um die
Spaltung, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingetreten ist, zu
heilen.“ Gleichzeitig meint Koch, dass mit dem Zusammenbruch des
kommunistischen Systems nach der Wende von 1989 die Zeit für eine neue
Verständigung mit den Befreiungstheologen reif sein könnte. Der Papst habe
mit seiner Brasilienreise im Mai 2007 dafür „einen guten Anfang“ gesetzt,
„auf dem man weiterbauen könnte“.
Die Katholische Fakultät der Universität Wien kritisiert
die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvrianer sowie die Ernennung des
Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner. In einer Erklärung vom Freitag
ruft sie die Katholiken zu Verantwortungsbewusstsein auf. Es handle sich bei
den derzeitigen Konflikten „keineswegs um bloße 'Nebenschauplätze', sondern
um wesentliche - gesellschaftlich höchst relevante - Konsequenzen des
christlichen Glaubens, die an das Selbstverständnis der Kirche rühren“. Was
die Pius-Bruderschaft betrifft, sehen die Theologen keine Grundlage für ihre
institutionelle Eingliederung in die Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil
sei ein „unverzichtbarer Teil“ der kirchlichen Tradition. Die Fakultät
begrüßt die „klaren Aussagen“ von Kardinal Schönborn zur „Ungeheuerlichkeit
einer Leugnung der Shoah“ und die Aufforderung des Papstes, Williamson müsse
widerrufen und sich entschuldigen.
Die deutsche „Edith-Stein-Gesellschaft“ betont in einer
Erklärung die enge Verbindung zwischen Katholiken und Juden. Williamsons
Äußerung „verhöhnt das Leiden der Opfer, insbesondere der jüdischen, und das
Zeugnis der Leidenssolidarität von Edith Stein mit dem jüdischen Volk. Die
Äußerungen von Bischof Williamson sind ein unerträglicher Affront, der
absolut nicht hingenommen werden kann.“ Es dürfe „nicht nur in Worten,
sondern auch im Handeln der Kirche“ nicht der geringste Zweifel daran
aufkommen, dass die Kirche keine Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet.
Der Verband regt an, Holocaust-Leugnung als Straftatbestand mit
Exkommunikation in das kirchliche Gesetzbuch aufzunehmen.
Die Kirche Großbritanniens versichert der jüdischen
Gemeinschaft ihre Solidarität. Der Primas von England und Wales, Kardinal
Cormack Murphy-O'Connor, hat nach Zeitungsangaben an den Oberrabbiner
Jonathan Sacks geschrieben. Er „bedauere“ die Folgen, die sich aus der
Rücknahme der Exkommunikation Williamsons ergeben hätten. Dessen Verleugnung
des Holocaust habe „absolut keinen Platz in der katholischen Kirche und
ihrer Lehre“. In seiner Antwort erklärte Sacks laut „Telegraph“, für viele
Juden auf der ganzen Welt hätten die katholisch-jüdischen Beziehungen
„großen Schaden“ genommen.
Der belgische Primas entschuldigt sich bei den Juden für die Äußerungen von
Bischof Williamson. Auch wenn er sich nicht persönlich schuldig fühle,
bedrücke ihn doch die „absolute intellektuelle Unredlichkeit und Verneinung
der Geschichte“ durch Williamson. Das sagte Kardinal Godfried
Danneels von Brüssel in einem Fernsehgespräch. Dafür entschuldige
er sich. (rv/pm/kna/kap/asca)
Vatikan: Keine Medienschelte – „Wir hatten Kommunikationsprozess
nicht in der Hand“
Der Sprecher des Vatikans ist unzufrieden darüber, dass es im
Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikationen vor zwei Wochen zu
Pannen und Kommunikationsfehlern gekommen ist. Im Gespräch mit der
französischen Tageszeitung „La Croix“ meinte Jesuitenpater Federico Lombardi:
„Das Kommuniqué, das das Dekret begleitete, ließ zu viele Aspekte im
Unklaren und gab dadurch Raum zu verschiedenen Interpretationen.“ Außerdem
sei das Dokument schon zu früh auf „Internetseiten und an Zeitungen
gelangt“: „Wir hatten den Kommunikationsprozess nicht in der Hand.“ Über die
Aufhebung der Exkommunikationen habe der Vatikan nur mit Bischof Fellay
verhandelt: „Die Meinungen der anderen Bischöfe hat man nicht genug
beachtet.“ Lombardi wörtlich: „Wenn es einen gibt, der das wissen musste,
dann war das Kardinal Castrillon Hoyos.“
Abgeklärt äußert sich Lombardi, der u.a. den Vatikanischen Pressesaal
leitet, zur Debatte über Vatikan und Lefebvre in den Medien. „Die Medien
sind nicht besser oder schlimmer als sonst auch.“ Doch natürlich gebe es
auch „antikirchliche Strömungen“ dort. Zu anderen Zeiten, etwa beim letzten
Konklave oder bei den Reisen Benedikts XVI., sei es aber auch der Kirche
gelungen, in den Medien ein positives Bild von sich zu zeichnen. Lombardi
bedauert, dass auch viele Katholiken die jüngste Entscheidung des Vatikans
nur schwer verstehen: „Einige Dokumente sind eigentlich nur für Spezialisten
im Kirchenrecht oder für Theologen bestimmt.“ Da sei es problematisch, dass
sich heute „jedes Dokument, ganz gleich welcher Art es ist, direkt in der
Öffentlichkeit wieder findet. Das wird dann schwierig zu handhaben.“
Lombardi lässt erkennen, dass er unter normalen Umständen durchaus die
Abstimmung mit den Bischofskonferenzen sucht. „Aber manchmal ist ein
Dokument schon in der Hand von Ortsbischöfen, bevor wir es haben.“ Er
glaube, dass „in der Kurie erst noch eine Kultur der Kommunikation
geschaffen werden muss“. Er wünsche sich, dass die einzelnen
Vatikan-Abteilungen rechtzeitig den Pressesaal des Heiligen Stuhls
informierten „und auch eine erklärende Note schreiben, wenn der Sachverhalt
komplex ist“. Lombardi wörtlich: „Wenn die jüngsten Erläuterungen vom
Staatssekretariat schon von Anfang an gegeben worden wären, dann hätten wir
uns einige leidenschaftliche Tage erspart.“ Andererseits sei es aber auch
„unmöglich, jede Schwierigkeit zu vermeiden. Wir müssen auch mal bereit
sein, ein Risiko einzugehen.“ (rv)
Quo vadis, Benedikt? Eine Debatte in Hamburg
„Wohin steuert der Papst?“ Das war das Thema einer spannenden
Diskussion am Donnerstag Abend in der Katholischen Akademie in Hamburg – mit
hochkarätigen Gesprächspartnern, etwa Pater Eberhard v. Gemmingen, dem
Leiter unseres deutschsprachigen Programms. Aus Hamburg berichtet Marc
Frangipane. (rv)
Hier zum Nachhören
WEITERE THEMEN DES TAGES:
Quo vadis, Benedikt? Eine Debatte in Hamburg
„Wohin steuert der Papst?“ Das war das Thema einer spannenden
Diskussion am Donnerstag Abend in der Katholischen Akademie in Hamburg – mit
hochkarätigen Gesprächspartnern, etwa Pater Eberhard v. Gemmingen, dem
Leiter unseres deutschsprachigen Programms. Aus Hamburg berichtet Marc
Frangipane. (rv)
Hier zum Nachhören
Deutschland: Lohmann zu „Wir waren Papst“
„Es war gut und richtig, dass der Vatikan nun sehr deutlich den
Holocaust-Lügner aufforderte, eindeutig zu widerrufen.“
Das
schreibt der Theologe und Publizist Martin Lohmann in einem vor allem an
deutsche Leser gerichteten Essay.
„Unnötig hingegen waren vermeintlich kluge Worte ohne versuchte
Differenzierung von Regierungschefinnen, die besser klug geschwiegen hätten.
Hier gilt: Si tacuisses, philosopha mansisses.“ (rv)
Hier lesen Sie den Beitrag von Martin Lohmann
AUS
UNSEREM ABENDPROGRAMM:
Deutschland: „Die Mehrzahl der Piusbruderschaft will Aussöhnung“
Wie weiter mit den Piusbrüdern? Wie viele von ihnen wollen wirklich
die Aussöhnung mit dem Papst? Wie sehen andere traditionsorientierte Gruppen
die Auseinandersetzungen nach der Aufhebung der Exkommunikation? Wir haben
darüber mit Propst Gerald Goesche gesprochen. Er war in früheren Jahren für
die Piusbruderschaft tätig und gründete 2003 das traditionsorientierte, aber
papsttreue Institut St. Philipp Neri in Berlin. Ob die Piusbruderschaft
jetzt vor einer Spaltung stehe, wollte Gudrun Sailer zunächst von Propst
Goesche wissen.
Herr Propst, wie uneins ist die Piusbruderschaft? Kommt es zu einer Spaltung
in zwei Gruppen, eine, die mit Rom sprechen möchte, und eine andere, die
Dialog ablehnt?
„Das ist ganz schwierig zu beurteilen. Ich habe aber festgestellt, dass die
Aufhebung der Exkommunikation insofern gute Früchte hat, als Bischof Fellay
sich so klar geäußert hat und so sehr auf Seiten des Heiligen Vaters steht
wie bisher noch nicht. Auch Pater Schmidberger hier in Deutschland hat sich
ähnlich vernehmen lassen. So dass ich mir vorstellen könnte, dass doch ein
sehr großer Teil der Piusbruderschaft auf jeden Fall jetzt auch eine
vollkommene Aussöhnung mit dem heiligen Stuhl und eine Regelung der
Situation suchen wird. Ich glaube, dass Bischof Fellay da wirklich Führung
übernommen hat ist ein neues Element, was sehr wichtig ist. Ich denke auch,
dass die Mehrzahl der Gläubigen und der Priester, wenn sie in die Richtung
geführt werden, eigentlich eine Aussöhnung mit Rom und eine vollkommene
Ordnung der Situation wollen.“
Der
Ton der Piusbruderschaft war manchmal außerordentlich harsch, was die
katholische Kirche betrifft – da ist von der Konzils-Sekte die Rede, davon,
dass die Katholische Kirche sich bekehren und auf die Sicht der
Piusbruderschaft einschwenken muss. Es gehörte schon auch Großmut von Seiten
des Vatikans dazu, diese Friedensgeste zu setzen, die Exkommunikation
aufzuheben. Damit ist für die Piusbruderschaft eine ganz neue, noch nie da
gewesene Situation entstanden. Meinen Sie, die Bruderschaft wird ihren Ton
jetzt mäßigen?
„Also es gibt natürlich auch ein Interview von Bischof Tissier de Mallerais,
wo er den alten Ton so ein bisschen beibehält, in dem Sinne, dass vor allem
Rom sich bekehren muss. Insofern kann man da nicht ganz sicher sein. Aber
man muss zwei Dinge beachten: Auf der einen Seite sind auch die gläubigen
Priester und Bischöfe der Piusbruderschaft Menschen von heute, die oft
genauso hässlich ihre Anliegen vorbringen, wie das die Herrschaften aus der
linken Ecke auch tun. Das ist ein bisschen spiegelverkehrt. Das andere ist,
dass wenn es die Aussicht auf eine kirchliche Regelung gibt, dann oft schon
der Ton sich ändert, weil viele dann leichter merken, welche Verantwortung
sie haben und dass einfach auch diese Vorstellungen von Erzbischof Lefebvre,
das Experiment der Tradition zu wagen, jetzt so nahe ist, dass man das
eigentlich nicht ausschlagen kann. Man merkt das an den traditionellen
Gruppen, die zu einer Aussöhnung mit Rom gelangt sind, ob in Campos oder bei
den schottischen Redemptoristen oder anderswo, dass der Ton dann, fast von
heute auf morgen, sich sehr verändert hat und sehr vernünftig geworden ist.“
(rv)
Lesen und hören Sie hier das gesamte Interview
Newsletter von Radio Vatikan – 05.02.2009
Erzbischof Zollitsch begrüßt Vatikan-Erklärung
Die deutschen Bischöfe begrüßen die Klarstellungen, die am Mittwoch
zum Fall Williamson und Lefebvre aus dem Vatikan kamen. Jetzt sei wirklich
unmissverständlich deutlich, „dass für Leugner des Holocaust kein Platz in
der katholischen Kirche ist“. Das steht in einer Erklärung von Erzbischof
Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Er betont auch,
dass die Pius-Bruderschaft „keinerlei rechtliche Anerkennung in der
katholischen Kirche“ genießt. Auch hätten ihre vier Bischöfe „weiterhin
keine Funktion in der Kirche“ oder übten „rechtmäßig irgendein Amt in ihr
aus“. Zollitsch macht klar, dass ein Widerruf der Thesen von Bischof
Williamson nicht ausreichen würde: „Er muss durch zusätzliche Klärungen
ergänzt werden.“Vor Journalisten macht der deutsche Oberhirte deutlich, dass
für ihn die Erklärung aus dem Vatikan ausreichend ist.
„Der Kardinal Staatssekretär macht unmissverständlich klar, dass nun die
vier Bischöfe der Piusbruderschaft tatsächlich nicht in der vollen
Gemeinschaft der Kirche stehen. Er zeigt eindeutig: Antisemitismus und die
Leugnung des Holocaust haben keinen Platz in unserer Kirche.“ Das habe ja
auch der Papst selbst am Mittwoch letzter Woche noch einmal sehr deutlich
betont. Benedikt habe gesagt, „dass die Erinnerung an den Holocaust einfach
zu unserer Geschichte gehört und als Mahnung weitergegeben werden muss“,
so Erzbischof Zollitsch.
„Der Kardinal Staatssekretär macht damit auch klar, dass die vier
Bischöfe der Piusbruderschaft nicht rehabilitiert sind. Es ist die
Exkommunikation zwar aufgehoben, aber die Suspension bleibt. Das heißt, sie
üben keine Funktion innerhalb der katholischen Kirche aus und dürfen auch
keine Funktion ausüben. Und das scheint mir sehr wichtig zu sein.“
Zumal
nach allem, was in den letzten Tagen in den deutschen Medien (und nicht nur
da) so vermutet, behauptet oder geargwöhnt wurde. Zollitsch ist auch dankbar
für den Vatikan-Hinweis, „dass es nur dann einen Weg für die Mitbrüder der
Piusbruderschaft in der katholischen Kirche gibt, wenn sie das II.
Vatikanische Konzil voll und ganz anerkennen und sich auch uneingeschränkt
unter den Papst stellen“.
„Damit liegt es jetzt an der Piusbruderschaft, darauf einzugehen, wie sie
sich dazu verhalten wollen; vor allem auch an Bischof Williamson, dass er
nun seine Thesen, die unhaltbar sind, zurücknimmt – denn sonst kann es für
die Piusbruderschaft keinen Weg innerhalb der katholischen Kirche geben.“
Alles
in allem hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz die Erklärung
aus dem Vatikan vom Mittwoch für ausreichend.
„Ich kann verstehen, dass manche mehr wünschen. Aber der Vatikan hat
zunächst mal die Hand ausgestreckt, um ins Gespräch zu kommen mit den vier
Bischöfen - durch die Aufhebung der Exkommunikation. Jetzt soll das Gespräch
mit ihnen geführt werden, und man kann nicht vom Vatikan erwarten, dass er
das Gespräch jetzt schon vorweg nimmt, das Ergebnis.“
Vielmehr komme es darauf an, so Zollitsch wörtlich,
„wie die sich verhalten: ob sie die Chance ergreifen - oder ob sich am Ende
zeigen wird, dass es keinen gemeinsamen Weg gibt!“
Was
den Holocaust-Leugner Williamson betrifft, da ist für Zollitsch die Sache
eindeutig:
„Wenn er nicht auf die Forderung des Vatikans eingeht, dann ist klar: Er hat
keinen Platz in der katholischen Kirche. Dann wird es zu einer endgültigen
Trennung zwischen ihm und der katholischen Kirche kommen und auch zwischen
denen, die ihm weiterhin anhangen.“
Ohnehin ist Zollitsch überzeugt, dass das Zerwürfnis zwischen den
Lefebvre-Anhängern und der katholischen Kirche wohl ein endgültiges sein
wird. Er sieht keinen Willen der Traditionalisten, die Aussagen des letzten
Konzils anzuerkennen - etwa zur Religionsfreiheit und zum gleichberechtigten
Dialog der Religionen. Wenn kein Wunder passiere, dann rechne er mit einem
endgültigen Bruch. Oder allenfalls mit einer Spaltung der
Priesterbruderschaft: in jene, die die Bedingungen akzeptierten, und in
jene, die sich der im Konzil begonnenen theologischen Öffnung verweigern.
Die Unbelehrbaren könnten sich hinter Williamson scharen, dem
Holocaust-Leugner. (rv/pm)
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Eine Klarstellung aus der Redaktion
Unser Redaktionsleiter P. Eberhard von Gemmingen stand (und steht)
in diesen Tagen Dutzenden deutschsprachigen Medien Rede und Antwort zur
Debatte nach der Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der
Piusbruderschaft. Einige Medien haben eine Aussage Pater Gemmingens
sinnentstellend wiedergegeben. So schreibt etwa die „Süddeutsche Zeitung“ im
Untertitel zu einem ihrer Artikel: „Während der Papst offenbar verärgert auf
die offene Kritik aus Deutschland reagiert, vermutet ein Leiter von Radio
Vatikan sogar Rücktrittsgedanken bei Benedikt.“ Dieser Untertitel
interpretiert eine Pressemitteilung des Radiosenders NDR Kultur, der Pater
Gemmingen interviewt hatte. In diesem Gespräch sagte unser Redaktionsleiter
auf die Frage, ob in der aktuellen Lage ein Rücktritt des Papstes denkbar
sei, wörtlich:
"So wie ich den Papst kenne, hat dieser in seinem Herzen möglicherweise
schon mal gedacht: 'Irgendwann muss ich vielleicht zurücktreten, damit das
Petrusamt gut wahrgenommen wird.’ Also ich glaube nicht, dass er so lebt und
denkt wie sein Vorgänger, der sagte, ein Papst tritt nicht zurück, weil
Benedikt weniger mystisch und mehr theologisch ist und sagt, Petrus muss
funktionieren können. In diesem Sinn glaube ich, dass er durchaus den
Rücktritt nicht ausschließt. Allerdings glaube ich nicht, dass er den
Rücktritt erwägen würde, um einem Problem aus dem Weg zu gehen, um zu sagen,
das ist mir zu kompliziert, ich bin zu alt, um das zu lösen. Das glaube ich
wiederum nicht, weil er dann sagt, ich will nicht meinem Nachfolger ein
solches Problem aufladen.“ (rv)
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Nahost: Yad Vashem lobt „wichtige Botschaft“
Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßt die
Vatikan-Erklärung zur Affäre um Richard Williamson. Die Aufforderung zur
öffentlichen und unmissverständlichen Zurücknahme seiner Äußerungen
verbreite die „wichtige Botschaft, dass das Leugnen des Holocaust und der
Antisemitismus in der Kirche keinen Platz haben“, erklärte der Direktor
Ayner Shalev an diesem Donnerstag. „Wenn die höchste moralische Autorität
der Kirche erklärt, dass das Leugnen des Holocausts nicht akzeptabel sei,
dann ist das eine wichtige Botschaft an die ganze Welt.“ (kap)
Deutschland: Priester-Netzwerk „tief erschüttert“
Das Netzwerk katholischer Priester hat seine „tiefe Erschütterung“
angesichts der „maßlosen Kampagne“ gegen Papst Benedikt XVI. erklärt. Die
Mitglieder seien erschüttert, über die „zum Teil sachlich unzutreffenden und
meist aggressionsgeladenen Reaktionen“ in den deutschen Medien. Die
Hassausbrüche gegen den Papst seien bedenklich und zeigten, „wie tief das
Niveau des Katholizismus in Deutschland“ gesunken sei. Das Priester-Netzwerk
erkläre Benedikt XVI. die „volle und uneingeschränkte Solidarität“. – Das
Netzwerk katholischer Priester wurde 2001 in Frankfurt am Main gegründet.
Nach eigenen Angaben gehören ihm rund 300 Geistliche im deutschsprachigen
Raum an. „Wir verbinden Geistliche, denen ein katholisches Profil wichtig
ist“, heißt es auf der Homepage. (pm)
Deutschland: „Kirchentreue Katholiken wanken nicht“
Die derzeitige „manipulative Medienkampagne mit ihren maßlosen Schmähungen“
werde kirchentreue Katholiken „nicht wankend machen“. Das erklärten an
diesem Donnerstag Initiativkreise katholischer Laien und Priester in
Deutschland. Wörtlich stellten sie fest: „Mit großer Dankbarkeit begrüßen
die glaubens- und kirchentreuen Katholiken das Wirken von Papst Benedikt.“
An dessen klarer Haltung zu den Verbrechen des Nationalsozialismus könne
kein Zweifel bestehen. Die Aufhebung der Exkommunikation von vier
Weihbischöfen rechtfertige nicht die gegenwärtige Kampagne gegen den Papst.
Seine Worte würden „von allen unvoreingenommenen großen Denkern der
Gegenwart“ wahrgenommen und bedacht. Die „Gegner des Papstes“, zu denen nach
Meinung der Initiativkreise innerkirchlich auch prominente Bischöfe zählten,
ließen nichts unversucht, den Papst an der Fortführung seines klaren Kurses
zu hindern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte sich bei Papst Benedikt
XVI. entschuldigen, heißt es in einer weiteren Erklärung. - Unterzeichner
ist unter anderem die Vereinigung „Pro Sancta Ecclesia“. Sie wurde im Jahr
2000 gegründet und will nach eigenen Angaben „zur Heiligung ihrer Mitglieder
sowie anderer Menschen beitragen und die Lehre der katholischen Kirche, wie
sie in ungebrochener Tradition von den Päpsten und den mit ihnen verbundenen
Bischöfen vorgelegt wird, verbreiten und verteidigen helfen“. (pm)
Deutschland: Schick, „Traditionalisten müssen Konzil anerkennen“
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht eine mögliche
Wiedereingliederung der traditionalistischen Piusbruderschaft in die
katholische Kirche skeptisch. Wer nicht zu den Erklärungen des Zweiten
Vatikanischen Konzils (1962-1965) über die Religionsfreiheit und die
nichtchristlichen Religionen sowie zur Liturgiekonstitution stehe, könne
nicht „im Vollsinn“ zur Kirche gehören, sagte er am Donnerstag in Bamberg.
Jeder Katholik stehe in einem besonderen Verwandtschaftsverhältnis zum
jüdischen Volk, das „die Wurzel und der Stamm“ der christlichen Kirche sei.
(kna)
Luxemburg: Schrecklicher Fauxpas des Vatikans
Der luxemburgische Erzbischof Fernand Franck sieht in der Aufhebung
der Exkommunikation des Traditionalistenbischofs Richard Williamson einen
„schrecklichen Fauxpas“. Zwar habe der Vatikan vermutlich nichts von der
jüngsten Holocaust-Leugnung Williamsons im schwedischen Fernsehen gewusst,
sagte Franck nach dem luxemburgischen Rundfunksender DNR. Allerdings könne
er sich nicht vorstellen, „dass die Verwaltung des Vatikans Williamsons
allgemeine Einstellung nicht kannte“. In Zukunft müsse die Kommunikation
innerhalb der Kurie verbessert werden, um solche Fehler zu vermeiden, so
Franck. (kna)
Dossier: Lefebvre und die extreme Rechte
Wer sind die Pius-Brüder, aus welchem geistigen Umfeld kommen sie,
wofür stehen sie politisch? Das sind Fragen, die von den unsäglichen
Bemerkungen Williamsons zum Holocaust aufgeworfen werden. Wir sprachen
darüber am Donnerstag mit Jozef Niewiadomski, Professor für Dogmatik und
Dekan der Katholischen Fakultät an der Universität Innsbruck. Die Fragen
stellte Stefan Kempis. (rv)
Hier zum Nachhören
Newsletter von Radio Vatikan – 04.02.2009
Vatikan: „Papst kannte Williamson-Äußerungen nicht“; Williamson muss
widerrufen
Der Papst hat die Äußerungen von Bischof Richard Williamson zur
Holocaust-Leugnung zum Zeitpunkt der Aufhebung der Exkommunikation nicht
gekannt. Das stellte am Mittwochnachmittag das Vatikanische
Staatssekretariat klar. Bevor Williamson in der Kirche seinen bischöflichen
Dienst ausüben darf, müsse er sich auf unzweideutige und öffentliche Weise
von seinen Stellungnahmen zur Shoah distanzieren.
Wir dokumentieren hier die Erklärung aus dem Staatssekretariat
in einer eigenen Arbeitsübersetzung:
Angesichts der Reaktionen, die das jüngste Dekret der Bischofskongregation
auslöste, in dem die Exkommunikation gegen vier Bischöfe der Bruderschaft
Pius X. aufgehoben wurde, und mit Blick auf die negationistischen oder
reduktionistischen Erklärungen des Bischofs Williamson von der genannten
Bruderschaft zur Shoah, halten wir es für opportun, einige Aspekte der
Angelegenheit klarzustellen.
1. Aufhebung der Exkommunikation
Wie schon früher betont, war das Dekret der
Bischofskongregation vom 21. Januar 2009 ein Akt, mit dem der Heilige Vater
großzügig wiederholten Bitten des Generaloberen der Bruderschaft Pius X.
entgegen kam.
Seine Heiligkeit wollte ein Hindernis für die Öffnung einer Tür zum Dialog
beseitigen. Er erwartet sich jetzt, dass die vier Bischöfe eine
vergleichbare Bereitschaft ausdrücken, durch völlige Übernahme der Lehre und
Disziplin der Kirche.
Die schwerwiegende Strafe der Exkommunikation „latae sententia“,
die die genannten Bischöfe sich am 30. Juni 1988 zugezogen hatten und die am
1. Juli desselben Jahres formell erklärt worden war, war eine Folge ihrer
illegalen Weihe durch Bischof Marcel Lefebvre.
Die Aufhebung der Exkommunikation hat die vier Bischöfe von einer
schwerwiegenden kanonischen Strafe befreit, hat aber nicht die juridische
Lage der Bruderschaft St. Pius X. geändert, die sich gegenwärtig keiner
kanonischen Anerkennung in der katholischen Kirche erfreut. Auch die vier
Bischöfe haben, auch wenn ihre Exkommunikation aufgehoben ist, keine
kanonische Funktion in der Kirche und üben in ihr kein berechtigtes Amt aus.
2. Tradition, Lehre und Zweites Vatikanisches Konzil
Für eine künftige Anerkennung der Bruderschaft St. Pius X. ist die
volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramts der
Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. sowie
Benedikt XVI. eine unerlässliche Bedingung.
Wie schon im Dekret vom 21. Januar 2009 betont wurde, wird es sich der
Heilige Stuhl nicht nehmen lassen, mit den Betreffenden auf die für opportun
erachtete Weise die noch offenen Fragen zu vertiefen, um zu einer
vollständigen und zufrieden stellenden Lösung der Probleme zu kommen, die zu
diesem schmerzhaften Bruch geführt haben.
3. Äußerungen über die Shoah
Die Stellungnahmen von Bischof Williamson zur Shoah sind
absolut inakzeptabel und sind vom Heiligen Vater klar zurückgewiesen worden,
wie er selbst am vergangenen 28. Januar hervorgehoben hat, als er mit Bezug
auf diesen furchtbaren Völkermord seine volle und nicht hinterfragbare
Solidarität mit unseren Brüdern bekräftigt hat, denen der Erste Bund gilt.
Er hat betont, dass die Erinnerung an diesen schrecklichen Genozid die
„Menschheit dazu bringen muss, nachzudenken über die unvorhersehbare Gewalt
des Bösen, wenn es das Herz des Menschen erobert“, und fügte hinzu, die
Shoah bleibe „für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung
oder den Reduktionismus, denn die Gewalt gegen einen einzigen Menschen ist
Gewalt gegen alle“.
Bischof Williamson wird, um zu bischöflichen Funktionen in der Kirche
zugelassen zu werden, auch auf absolut unzweideutige und öffentliche Weise
auf Distanz zu seinen Stellungnahmen zur Shoah gehen müssen –
Stellungnahmen, die der Heilige Vater im Moment der Aufhebung der
Exkommunikation nicht kannte.
Der Heilige Vater bittet alle Gläubigen um Begleitung im Gebet, damit der
Herr den Weg der Kirche erleuchte. Möge der Eifer der Hirten und aller
Gläubigen wachsen, um die heikle und schwere Mission des Nachfolgers des
Apostels Petrus als „Hüter der Einheit“ in der Kirche zu unterstützen.
Aus dem Vatikan, am 4. Februar 2009
Übersetzung: Stefan von Kempis (rv)
Vatikan/Deutschland: Lombardi weist Kritik zurück
Nachdem vor allem im deutschen Sprachraum die Kritik an einem vermeintlichen
Schweigen des Papstes immer lauter wurde, hatte sich am Dienstagabend
zunächst Vatikansprecher Pater Federico Lombardi eingeschaltet. Der Papst
habe Aussagen, die den Holocaust leugnen, mehrmals unmissverständlich
verurteilt, stellte Lombardi auf Deutsch und Italienisch klar. Der
Vatikansprecher erinnerte an die Papstworte in der Kölner Synagoge 2005, im
Konzentrationslager Auschwitz 2006 und zuletzt bei der Generalaudienz am 28.
Januar dieses Jahres. Die deutlichen Worte des Papstes galten auch Bischof
Richard Williamson, präzisierte Lombardi und zitierte:
„Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare
Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern des ersten Bundes, zum Ausdruck
bringe, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet,
nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des
Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen,
gegen die Leugnung oder die Reduzierung…“
Lombardi weiter: „Die Verurteilung von Aussagen, die den Holocaust leugnen,
konnte nicht klarer sein, und aus dem Kontext erschließt sich, dass diese
sich auch auf die Positionen von Bischof Williamson und alle ähnlichen
Positionen bezogen.“
Die
Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft, zu denen auch der
umstrittene Bischof Williamson gehört, habe nichts mit einer Legitimierung
von Aussagen zu tun, die den Holocaust leugnen, betonte Lombardi weiter.
Benedikt verurteile jede Leugnung der Shoah auf das Schärfste.
Damit
reagierte Lombardi auch auf die Kritik von Bundeskanzlerin Merkel an der
Haltung des Papstes in der Diskussion um den Umgang mit dem Holocaust. Die
Kanzlerin hatte Benedikt XVI. am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz in
Berlin zu einer eindeutigen Stellungnahme aufgefordert. Wörtlich sagte
Merkel:
„Es ist im allgemeinen nicht an mir, innerkirchliche Entscheidungen zu
bewerten oder zu kommentieren. Allerdings ist das anders, wenn es um
Grundsatzfragen geht. Und ich glaube es ist schon eine Grundsatzfrage, wenn
durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entsteht, dass es die
Leugnung des Holocausts geben könnte, und dass es auch um grundsätzliche
Fragen des Umgangs mit dem Judentum geht. Deshalb darf das nicht ohne Folgen
im Raum stehen bleiben. Das ist nach meiner Auffassung auch nicht nur eine
Angelegenheit der christlichen Gemeinden, der katholischen Gemeinden in
Deutschland und der jüdischen Gemeinden, sondern es geht darum, dass von
Seiten des Papstes und von Seiten des Vatikans sehr eindeutig klargestellt
wird, dass es hier keine Leugnung geben kann und dass es natürlich einen
positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muss. Diese Klarstellungen
sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“
Ermutigend fände sie aber die vielen Stimmen aus der katholischen Kirche,
die seitens des Vatikans eine deutliche Distanzierung von den Positionen des
Holocaust-Leugners Williamson forderten, betonte Merkel weiter. Zustimmung
erhielt Merkel von der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU).
Dem Berliner Inforadio sagte Süssmuth, es bestehe ein massiver Widerspruch
zwischen der Grundeinstellung des Papstes und seinem Handeln im Fall
Williamson. Merkel sei daher moralisch verpflichtet gewesen, sich in die
Debatte einzuschalten. - Mit ihrer Kritik am Papst stieß die Kanzlerin
jedoch nicht nur auf Gegenliebe. Gegenstimmen kamen aus den Reihen der
katholischen Bischöfe, aber auch aus der Union. (rv/kna)
Hier zum Nachhören
Deutschland: Meisner, „keine Aussage des Konzils zurückgenommen“
Kardinal Joachim Meisner hat zu einer Versachlichung der Diskussion um die
Aufhebung der Exkommunikation der vier Traditionalisten-Bischöfe aufgerufen.
Der Kölner Erzbischof zeigte in einem Interview des Kölner Domradio
Verständnis für die Enttäuschung und Verwirrung, die bei vielen Gläubigen
entstanden war:
„Hier ist es jetzt durch die unglaublich dummen und völlig indiskutablen
Äußerungen von Bischof Williamson zu einer Verquickung gekommen, die viele
nachvollziehbar irritiert und empört.“
Das Aufsehen um das Williamson-Interview habe das eigentliche Anliegen des
Papstes, der Einheit der Kirche zu dienen, völlig überlagert. Gerade deshalb
müsse man aber „ganz genau hinsehen“, mahnt Meisner.
„Die aufgehobene Exkommunikation ermöglicht es den vier Bischöfen, nun wie
katholische Laienchristen – nicht aber als Bischöfe – am Glaubensleben der
Kirche teilzunehmen. Damit haben sie wieder die Möglichkeit, die Sakramente
zu empfangen. Dieses Anliegen bewegte das Herz des Papstes. Die weiter
bestehende Suspendierung, die nur Kleriker betrifft, verbietet ihnen jede
Wirksamkeit als Bischöfe in der Kirche. Sie dürfen also weder als
Zelebranten der Messfeier vorstehen, noch dürfen sei die Sakramente
spenden.“
Dem
Papst vorzuwerfen, er würde mit der Versöhnungsgeste Richtung
Piusbruderschaft hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückgehen wollen,
sei unhaltbar, so Meisner. Mit der Aufhebung der Exkommunikation sei keine
Aussage des Konzils zurückgenommen.
„Zur Einheit der katholischen Kirche gehört die Anerkennung ihres Lehramtes.
Sie schließt die Akzeptanz aller Konzilien ein, einschließlich des Zweiten.
Vatikanums. Dazu gehört auch das Dekret Nostra Aetate mit seinem positiven
Ansatz zum Gespräch mit den Juden. Ebenso muss die Priesterbruderschaft ihre
Vorwürfe gegen den Heiligen Vater zurücknehmen, er sei nicht rechtgläubig.
Wer lehramtliche Aussagen ganz oder teilweise ablehnt, kann nicht in der
vollen Gemeinschaft der Kirche stehen.“
Man
dürfe sich jetzt nicht von Menschen wie Bischof Williamson durcheinander
bringen lassen, riet Meisner. Dass sich augenscheinlich auch die
Priesterbruderschaft Pius X. von den Aussagen Williamson distanziere, sei
„Indiz dafür, dass die Aufhebung der Exkommunikation und das unsägliche
Interview nichts miteinander zu tun haben“. (domradio)
Hier zum Nachhören
Hören Sie hier das Interview: Ingo Brüggenjürgen vom Domradio im Gespräch
mit Kardinal Meisner
Deutschland: Hanke kritisiert Merkel
Der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, hat die Kritik von
Bundeskanzlerin Angela Merkel an Papst Benedikt „unbegreiflich und empörend“
genannt. Merkel fordere von Benedikt XVI. „klare Worte“ in einem
Zusammenhang, in dem gerade Papst Benedikt es nie an Eindeutigkeit habe
fehlen lassen, so Hanke. Der Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson
stehe mit seinen Holocaust-Äußerungen konträr zur Position des Papstes und
habe somit das theologische Ringen um die Wiedererlangung der Einheit schwer
missbraucht. Vor allem aber habe er die Menschlichkeit und die von jedem
Christen geforderte Achtung vor der Würde und Unantastbarkeit des
menschlichen Lebens verhöhnt. Hanke stellte die Frage, wie „jemand, der
diese schrecklichen und brutalen Sünden gegen die Würde des Menschen in der
jüngeren Geschichte kaum ernst nimmt, mit Glaubenswahrheiten umgehen“ werde.
(pm)
Deutschland: Sterzinsky rät zum Überprüfen
Wenn jemand in die Gemeinschaft der Kirche wieder aufgenommen wird, müsse
„auch geprüft werden, ob außer dem Grund der Exkommunikation Schwerwiegendes
gegen ihn vorliegt“. Das hält Kardinal Georg Sterzinsky in einer Mitteilung
fest. Der Berliner Erzbischof schreibt, er sei „äußerst überrascht“ gewesen,
von der Aufhebung der Exkommunikation der von Lefebvre geweihten Bischöfe zu
erfahren. In jenen Tagen seien noch Schriften eingegangen, in denen die
Bruderschaft „die Ablehnung wichtiger Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen
Konzils aufrecht erhalten“ habe. Papst Benedikt sei an der Überwindung des
Schismas bemüht und müsse wohl Signale der Umkehr der Exkommunizierten
empfangen haben. „Auf Hoffnung hin“ sei er ihnen sehr weit entgegengekommen.
Von Bischof Williamson sei „weltweit bekannt“ gewesen, dass er den Holocaust
leugnet. Sterzinsky: „Eine Versöhnung mit ihm ist demnach nicht möglich,
solange er bei der Leugnung bleibt.“ (pm)
ZdK-Generalsekretär: „Das tut jedem katholischen Christen in der
Seele weh“
Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan
Vesper, hat sich im Domradio-Interview bestürzt gezeigt über die Folgen der
aktuellen Diskussion um den antisemitischen Bischof der Piusbruderschaft. Es
sei „medienmäßig ein Desaster, was wir hier erleben“, so Vesper. Die
katholische Kirche sei „eine ganz große, weltweit agierende,
lebensfreundliche und soziale Kirche. Wir sollten uns und unser Anliegen
nicht von so einer Minderheit beschädigen lassen“. Aber der Disput könne
auch positive Folgen haben. (domradio)
Wir dokumentieren hier das Interview; Text und Audio stammen von der
Redaktion des Domradio in Köln
USA: „Antisemitismus ist unkatholisch"
Kein Katholik sollte jemals Antisemitismus und religiösen Fanatismus
tolerieren. Das schreibt der Vorsitzende der US-amerikanischen
Bischofskonferenz, Kardinal Francis George, mit Blick auf die Aussagen von
Richard Williamson zum Holocaust. Das Interview mit dem Bischof der
Piusbruderschaft hätte „verständliche Wut“ innerhalb der jüdischen Gemeinde
und auch unter den Katholiken ausgelöst. Kein Katholik, weder Laie noch
Priester oder Bischof könne das Gedächtnis der Shoah jemals leugnen, so
Kardinal George. (rv)
Newsletter von Radio Vatikan – 03.02.2009
P. Lombardi: „Verurteilung konnte nicht klarer sein“
Bezüglich neuer Forderungen nach einer Klärung der Position des
Papstes und der katholischen Kirche zum Thema Holocaust erinnert der Leiter
des Vatikanischen Pressesaales daran, dass die Meinung des Papstes zum
Holocaust mehrfach in voller Klarheit zum Ausdruck gebracht wurde: in der
Synagoge von Köln am 19. August 2005, im Konzentrationslager Auschwitz am
28. Mai 2006, bei der darauf folgenden Generalaudienz am 31.05.2006 und mit
unmissverständlichen Worten bei der Generalaudienz am 28. Januar 2009. Wir
erinnern hier nur an die Folgenden: „Während ich erneut aus ganzem Herzen
meine volle und unbestreitbare Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern
des ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, wünsche ich, dass die Shoah die
Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des
Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine
Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Reduzierung…“.
Die Verurteilung von Aussagen, die den Holocaust leugnen, konnte nicht
klarer sein, und aus dem Kontext erschließt sich, dass diese sich auch auf
die Positionen von Bischof Williamson und alle ähnlichen Positionen bezogen.
Beim selben Anlass hat der Papst auch eindeutig den Zweck der Aufhebung der
Exkommunikation erklärt; diese hat nichts mit einer Legitimierung von
Aussagen, die den Holocaust leugnen, die der Papst klar verurteilt, zu tun.
Hier zum Nachhören
Vatikan: „Die Angelegenheit ist beigelegt“
Zum ersten Mal schaltet sich die Nummer Zwei des Vatikans in die
heftige Debatte um die Lefebvre-Anhänger ein. In einem Interview mit der
italienischen katholischen Tageszeitung „Avvenire“ betont
Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, „dem Papst und allen seinen
Mitarbeitern“ sei auch künftig an „guten Beziehungen“ zum Judentum gelegen.
Die Pläne für eine Papstreise nach Israel seien „in einem fortgeschrittenen
Stadium“. Auf die Frage, ob derzeit „fünfzig Jahre des Dialogs“ zwischen
katholischer Kirche und Judentum „in Flammen aufgehen“, antwortet Kardinal
Bertone: „Wir haben nicht so einen Katastrophen-Eindruck.“ Der Kardinal
betont, dass die Aufhebung der Exkommunikation gegen vier
Traditionalisten-Bischöfe nichts mit den „unglückseligen Äußerungen“ von
Richard Williamson zu tun habe. Williamson, einer der vier betroffenen
Bischöfe, leugnet den Holocaust. Wörtlich sagt Bertone: „Die
Priesterbruderschaft Pius X. hat sich von den Äußerungen ihres Mitbruders
distanziert und den Papst für diese unerfreuliche Episode um Verzeihung
gebeten. Der Papst hat sich am Mittwoch klar geäußert. Die Angelegenheit ist
aus meiner Sicht beigelegt.“ Die Vatikan-Kommission Ecclesia Dei will sich
derweil nicht zur derzeitigen Debatte äußern. Das Gremium ist für die
Kontakte des Vatikans zu den Lefebvre-Anhängern zuständig. (rv)
Deutschland: Debatte über Traditionalisten und Vatikan
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt
XVI. zu einer eindeutigen Stellungnahme in der Debatte über den Umgang mit
dem Holocaust aufgefordert. Die antisemitischen Äußerungen des britischen
Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson dürften nicht ohne Folgen im
Raum stehen bleiben, sagte Merkel am Dienstag vor Journalisten in Berlin.
Benedikt und der Vatikan müssten „sehr eindeutig“ erklären, dass es keine
Leugnung des Holocaust geben dürfe, und dass es „einen positiven Umgang mit
dem Judentum insgesamt“ geben müsse. Diese Klarstellungen seien aus ihrer
Sicht noch nicht ausreichend erfolgt, betonte Merkel.
Der
Mainzer Kardinal Karl Lehmann verlangt aus Rom eine klare
Entschuldigung sowie Konsequenzen für die Verantwortlichen. Die Entscheidung
Papst Benedikts, Williamson zu rehabilitieren, sei eine Katastrophe für die
Überlebenden des Holocaust. Das sagte der frühere Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz dem Südwestrundfunk. Der Papst müsse klarstellen, dass die
Leugnung des Holocaust kein Kavaliersdelikt sei.
Der
Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, ruft zu
einer scharfen Abgrenzung gegen den Antisemitismus und zum Dialog zwischen
Juden und Christen auf. „Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, in der
katholischen Kirche gäbe es Platz für Antisemiten und Leugner des Holocaust?
Dem müssen wir entgegentreten“, forderte Marx in einer Predigt am Montag
Abend. Mit Blick auf die umstrittene Piusbruderschaft sagte er: „Diese
Gruppe muss nun klar machen, wo sie in dieser Frage steht.“ Jesus Christus
sei nicht zu begreifen ohne das Wissen, dass er Jude war. Die Verbindung
zwischen Juden und Christen sei eine besondere. Marx bedauerte, dass dies in
der Geschichte von Gewalt und Verfolgung der jüdischen Mitbürger immer
wieder vergessen worden sei. „Das sind Verirrungen, die wir immer wieder
überwinden müssen“, verlangte der Erzbischof. Das II. Vatikanische Konzil
habe unterstrichen, dass das Verhältnis zum jüdischen Volk ein spezielles
bleiben müsse.
Der
Kölner Kardinal Joachim Meisner nennt die Äußerungen von
Bischof Williamson zum Holocaust „unglaublich dumm und völlig indiskutabel“.
Das Aufsehen darum habe dabei „leider das eigentliche Anliegen des Papstes“,
nämlich die Einheit der Kirche, überlagert. „Mit der Aufhebung der
Exkommunikation wird keine Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils
zurückgenommen“, betont Meisner. Zur Einheit der katholischen Kirche gehöre
die Anerkennung ihres Lehramtes und die Akzeptanz aller Konzilien. Die vier
Traditionalisten-Bischöfe hätten selbst um Aufhebung der Exkommunikation
gebeten und in einem Brief an den Papst die kirchlichen Lehren anerkannt. An
diesen Aussagen müssen sie sich jetzt messen lassen, so der Kardinal.
Der
Bamberger Erzbischof Ludwig Schick betonte am Montag Abend
seinen Respekt vor dem Judentum. Solchen Respekt lehre Jesus die Christen.
Dazu gehöre auch die Anerkennung, dass in Europa, und besonders im
Deutschland des 20. Jahrhunderts, den Juden großes Unrecht angetan und
entsetzlich viel Leid zugefügt wurde. „Die Shoah darf nicht geleugnet
werden“, das fordere die historische Wahrheit und die Treue zu Jesus selbst,
betonte Schick.
Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke schlägt vor, die
Rehabilitierung der Traditionalisten zunächst einmal auszusetzen. Es sei ein
Fehler des Papstes gewesen, den Holocaust-Leugner Richard Williamson wieder
in die Kirche aufzunehmen, sagte Jaschke der BILD-Zeitung.
Der
ernannte Bischof von Münster, Felix Genn, sieht hingegen
durch die Papst-Geste an die Traditionalisten die Einheit der Kirche nicht
gefährdet. Allerdings müssten die Bischöfe der St.-Pius-Bruderschaft „nun
Farbe bekennen“ und sich den Vorgaben der Kirche und allen Dekreten des
Zweiten Vatikanischen Konzils beugen. Das sagte Genn in Essen. Nach seinem
Eindruck will Papst Benedikt verhindern, dass die Bischöfe der
Pius-Bruderschaft weitere Bischöfe weihen und es so zur Bildung einer
zusätzlichen Kirche komme. Im Unterschied zum linken Rand der Kirche sei der
rechte institutionalisiert, wodurch die Gefahr einer weiteren Spaltung
drohe. Möglicherweise komme es in diesem Prozess auch noch zur Spaltung
dieser Bewegung, so Genn. Den Umgang mit Williamson und seinen, so Genn,
abscheulichen Äußerungen müssten die Verantwortlichen in Rom prüfen.
Der
Magdeburger Bischof Gerhard Feige betont, es könne kein
Zurück hinter das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Bekenntnis zur
Ökumene geben. Die Aufhebung der Exkommunikationen durch den Papst habe bei
vielen Menschen in der Kirche „Unverständnis und Enttäuschung“
hervorgerufen, meinte Feige am Dienstag. „Der Petrusdienst an der Einheit
der Kirche lässt sich nicht als Gegenpol zum Zweiten Vatikanischen Konzil
begreifen“, meint Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aus
Limburg. „Die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils sind wesenhaft und
grundlegend für das Leben der Kirche.“
Der
Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sagte dem NDR, es
herrsche viel Unmut unter den Katholiken über das Vorgehen des Vatikan. Die
Menschen seien irritiert. Ein Holocaust-Leugner dürfe in der katholischen
Kirche nicht geduldet werden. Bode nahm den Papst aber in Schutz. Benedikt
habe die Hand ausstrecken wollen. Er habe nie einen Zweifel daran gelassen,
dass er ein Freund des Judentums sei.
Der
Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker betont: „Das
Zweite Vatikanische Konzil steht auch heute für die Öffnung der katholischen
Kirche zur Welt, für eine konstruktive Ökumene, für den Dialog mit den
nichtchristlichen Religionen, allen voran dem Judentum, und für die
Respektierung der Religions- und Gewissensfreiheit. Das Erbe des Zweiten
Vatikanischen Konzils verpflichtet auch in der Zukunft!“
Der
Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan
Kramer, forderte vom Papst eine Klarstellung zum Verhältnis
zwischen der Kirche und den Juden. Die Rücknahme der Exkommunikation für
Williamson stelle alle Äußerungen des Vatikan in Frage, die die Verbindungen
zur jüdischen Gemeinschaft verbessert hätten. Kramer wörtlich: „Wir stehen
jetzt im Prinzip vor einem Scherbenhaufen.“ Derweil meldet die Tageszeitung
„Die Welt“, dass die christlich-jüdische „Woche der Brüderlichkeit“ derzeit
auf dem Prüfstand steht. Es sei fraglich, ob die Initiative wie geplant
stattfinden könne, berichtet das Blatt unter Berufung auf Kramer. Die
zentrale Auftaktveranstaltung sollte in diesem Jahr am 1. März in Hamburg im
Beisein von Bundespräsident Horst Köhler stattfinden. Der Rektor des
Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, Rabbiner Walter Homolka, warnte in der
Zeitung, dass eine Absage jüdischerseits auch den protestantischen Part
treffen würde.
Der
Tübinger Theologe Hans Küng sagte im Bayerischen Rundfunk
(BR), der Papst versuche immer noch, den Eindruck persönlicher Unfehlbarkeit
in wichtigen Entscheidungen aufrechtzuerhalten, auch wenn er den Entschluss
eigentlich zurücknehmen müsste, die Bischöfe wieder aufzunehmen. „Wer
unfehlbar sich fühlt, macht auch unfehlbare Fehler“, so Küng wörtlich.
Natürlich habe man in der katholischen Kirche nicht gedacht, dass die
Rückführung der Traditionalisten ein solches Aufsehen erregen würde, aber
man nehme den Konflikt, gerade mit den Juden, nicht allzu tragisch,
erläuterte der Theologe im BR.
Der
Protest deutscher Theologieprofessoren gegen die angestrebte Aussöhnung
zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft Pius X. zieht Kreise. Am
Montag schlossen sich Theologen aus Bochum und Bamberg der
Kritik ihrer Kollegen aus Münster, Tübingen und Freiburg an. Dort hatten die
Professorenkollegien vor wenigen Tagen nahezu vollständig ihre Vorbehalte
gegen die Aufhebung der Exkommunikation gegen vier Traditionalistenbischöfe
öffentlich gemacht. Vom Vatikan verlangen die Theologen disziplinarische
Konsequenzen aus dem Eklat um Traditionalistenbischof Richard Williamson.
„Ein Bischof, der die Schoah leugnet, ist untragbar“, so die Bochumer
Theologen. Auch die bisher bekanntgewordenen Distanzierungen aus Reihen der
Priesterbruderschaft seien „voller Zweideutigkeiten“. Verständnis äußerten
die Bochumer Professoren für die Kritik der jüdischen Gemeinschaft, baten
jedoch um eine differenzierte Sichtweise. Die jüngsten Vorgänge seien zu
unterscheiden von der „beständig erneuerten Position der katholischen Kirche
zu Israel wie zum Judentum“. Es bleibe zu hoffen, dass der
jüdisch-christliche Dialog schnellstmöglich fortgeführt werden könne.
Das „Forum
Deutscher Katholiken“ stellt sich hinter Papst Benedikt. Was jetzt
medial über den Papst hereinbreche, sei zu erwarten gewesen. Den Kritikern
passe offenbar „die ganze Richtung“ nicht. Wörtlich heißt es in der
Erklärung: „Der eigentliche Grund für die „Entrüstung“ liegt darin, dass der
Papst an der ganzen Lehre der Kirche festhält, die Einhaltung des
2.Vatikanischen Konzils nach Geist und Buchstaben einfordert und
Fehlentwicklungen korrigiert.“
Auch
der Journalist Peter Seewald verteidigt Papst Benedikt.
Seewald, der durch zwei Gesprächsbücher mit dem jetzigen Papst bekannt
wurde, findet: „Manchmal sagen die Reaktionen auf eine Entscheidung mehr als
die Entscheidung selbst.“ Es sei doch Aufgabe des Papstes, Brücken zu bauen
und auf Andersgläubige zuzugehen. „Aber welche Brücken gebaut werden und
welche „Andersgläubige“ die richtigen Andersgläubigen sind, dass bestimmen
bitteschön die Oberpäpste in den Redaktionen.“ „Der Pulverdampf um Benedikt
wird auch diesmal verfliegen“, sagt Seewald in einem kath-net-Kommentar
voraus. (rv/kna/pm/kath-net)
Deutschland/Frankreich: Fellay „schon am Handeln“
Der Generalobere der „Priesterbruderschaft Pius X.“, Bernard Fellay,
distanziert sich vom Antisemitismus. In einem Gespräch mit der französischen
Zeitschrift „Famille chretienne“ sagte er: „Wir weisen alles zurück, was als
Gutheißung dessen aussehen könnte, was unter Hitler geschehen ist.“ Die
Geschehnisse von damals seien „abscheulich”. Die Piusbruderschaft verurteile
jede Tötung von Schuldlosen; dieses Verbrechen schreie zum Himmel, betonte
Fellay. In den nächsten Tagen will Fellay, Medienberichten zufolge, offenbar
mögliche Sanktionen gegen Richard Williamson bekannt geben. „Ja. Ich bin
schon am Handeln“, sagte er am Sonntag am Rande eines Gottesdienstes in
Zaitzkofen bei Regensburg, wo die Pius-Bruderschaft ein Priesterseminar
unterhält. (kna/pm)
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Newsletter von Radio Vatikan – 02.02.2009
Vatikan: Kardinal Kasper sieht „Fehler im Management der Kurie”
Der Vatikan-Verantwortliche für das Gespräch mit anderen
christlichen Konfessionen und mit dem Judentum beklagt mangelnde
Kommunikation im Vatikan, was die Exkommunikation von Lefebvre-Bischöfen
betrifft. „Man hat da vorher im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen
und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten”, meinte Kardinal
Walter Kasper im Gespräch mit Radio Vatikan. Von Moskau aus, wo er an den
Feiern zum Amtsantritt des orthodoxen Patriarchen Kyrill teilgenommen hat,
sagte Kasper am Montag, er sehe die derzeitige Debatte „mit großer
Besorgnis”. Im „Management der Kurie” seien Fehler gemacht worden.
Gegenüber Radio Vatikan sagt Kardinal Kasper:
„Ich beobachte die Debatte mit großer Besorgnis: Niemand kann sich darüber
freuen, dass Missverständnisse aufgetreten sind. Es sind sicher auch Fehler
gemacht worden im Management der Kurie – das will ich ganz ausdrücklich
sagen. Aber in der Substanz heißt die Aufhebung dieser Exkommunikationen ja
nur, dass man sozusagen ein Hindernis weggenommen hat, damit man nun
eintreten kann in das Gespräch mit der Lefebvre-Bewegung, über eine ganze
Reihe von theologischen Fragen. Soweit ich das beurteilen kann, wird es kein
leichtes, sondern ein schwieriges Gespräch sein – sowohl über die Ökumene
wie über den interreligiösen Dialog wie über die Eucharistie oder die
Religionsfreiheit… Es sind viele Fragen da zwischen uns und ihnen. Der Papst
wollte das Gespräch eröffnen, weil er die Einheit nach innen will und nach
außen. Wir hoffen, dass es nun zu einem guten Gespräch kommt, aber es kann
keine Rede davon sein, dass diese Lefebvre-Bischöfe jetzt schon in voller
Gemeinschaft mit der katholischen Kirche sind. Sie sind nach wie vor
suspendiert. Wir hoffen, dass wir jetzt ein ernsthaftes Gespräch eröffnen,
wobei sie vor allem Schritte des Entgegenkommens machen müssen.”
Ob es
im Vatikan manchmal an interner Kommunikation mangelt, meint Kardinal
Kasper:
„Ich bin der Meinung: Ja. Ich muss das ganz offen sagen. Man hat da vorher
im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen und nicht mehr abgecheckt, wo die
Probleme auftreten können. Es hintendrein zu erklären, ist natürlich immer
viel, viel schwieriger, als wenn man das gleich gemacht hätte. Ich hätte mir
auch mehr Kommunikation vorher gewünscht.” (rv)
Hier zum Nachhören
Klare Worte: Deutschsprachige Bischöfe zu Papst und Lefebvre
Bischöfe im deutschsprachigen Raum bemühen sich in der Debatte um
Papst und Lefebvre-Anhänger um Schadensbegrenzung. Hören Sie bei uns einen
Beitrag von Stefan Kempis mit Kommentaren des Wiener Kardinals Christoph
Schönborn und des deutschen Erzbischofs Robert Zollitsch. Beide leiten die
jeweilige Bischofskonferenz ihres Landes. (rv/orf/pm)
Hier zum Nachhören
Deutschland: Erzbischof Marx: „Kein Platz für Holocaust-Leugner“
„Wer den Holocaust leugnet, hat keinen Platz in der
katholischen Kirche.“ Das betonte der Erzbischof von München und
Freising, Reinhard Marx, in einer Pressemitteilung an diesem Montag. Mit
Blick auf die Debatte um die Piusbruderschaft hob Marx hervor, dass es bis
jetzt noch keine kirchliche Gemeinschaft mit dieser Gruppierung gebe. Die
Bischöfe und Priester der Bruderschaft dürften ihr Amt in der katholischen
Kirche nicht ausüben. Voraussetzung einer vollen Kirchengemeinschaft sei die
Klärung strittiger Fragen. Dazu gehören auch der wertschätzende Dialog mit
dem Judentum und die Bereitschaft, mit anderen Religionen ins Gespräch zu
kommen. Er erwarte eine scharfe Distanzierung von jeglichem Antisemitismus
und ein eindeutiges Bekenntnis zum II. Vatikanischen Konzil, so Marx. Die
Rückbesinnung auf kirchliche Traditionen sei keine Restauration, sondern „Glaubenserfahrung
und Glaubenswissen“, die für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden sollen.
(pm)
Deutschland: Maier, „Einheit um einen hohen Preis“
Der Vatikan hätte vor der Aufhebung der Exkommunikation der
Lefebvre-Bischöfe die nationalen Bischofskonferenzen einbeziehen müssen. Das
sagte der Religionsphilosoph und frühere Präsident des Zentralkomitees der
deutschen Katholiken, Hans Maier, an diesem Montag gegenüber Radio Vatikan.
Die derzeitige Krise hätte vermieden werden können, wären mehr Menschen an
der Entscheidung beteiligt gewesen, so Maier im Gespräch mit Birgit Pottler.
„Es ist ein unverzeihlicher Fehler, auch ein politisch handwerklicher
Fehler, dass man diejenigen Bischofskonferenzen, wo die meisten Leute der
Bruderschaft leben, also die schweizerisch, deutsche und französische nicht
vorher unterrichtet wurde; daher auch die Hilflosigkeit in den Äußerungen
der Bischöfe, daher auch das Stimmengewirr, das aus Rom kam. Auch Kardinal
Walter Kasper hat ja deutlich diese Holocaust-Leugnung kritisiert und
verurteilt, auch der Papst hat das klar gestellt. Aber wenn das so ist,
warum hat man nicht früher eine breitere Einigung, einen Konsens über diese
Fragen herbeigeführt? Eine so wichtige und entscheidende Frage muss in einem
größeren Kreis behandelt werden.“ (rv)
Lesen und hören Sie hier das gesamte Interview mit Hans Maier
Kommentar: „Missverständnis und Debakel”
Missverständnisse und mangelnde Professionalität – ein Kommentar
vom Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan, Pater Eberhard
von Gemmingen SJ, zur aktuellen Diskussion um Richard Williamson und die
Beweggründe von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation gegen die
Lefebvre-Bischöfe aufzuheben:
„Papst Benedikt ist in eine äußerst schwierige Situation geraten. Seine
besten Absichten, das Schisma mit den Lefebvre-Anhängern zu beheben, wird
missverstanden und wurde vom Vatikan unprofessionell bekannt gegeben. Viele
Katholiken sind von Papst Benedikt enttäuscht, weil sie den Eindruck haben,
er komme einer faschistischen Gruppe zu weit entgegen.
Dabei steht Papst Benedikt, wie er oft gesagt hat, voll hinter dem Zweiten
Vatikanum, voll und ganz hinter Religionsfreiheit, hinter dem Dialog mit den
Juden, und voll zur Ökumene. Er verurteilt Antisemitismus. Sein eigentliches
Grundanliegen ist die Rettung der christlichen Wurzeln unserer Kultur.
Offenbar gibt es im Vatikan Organisations- und Kommunikationsmängel.
Hier bei Radio Vatikan kann ich eigentlich nur noch sagen: Beten Sie für den
Papst und seinen Stab. Ein solches Missverständnis und Debakel darf nie
wieder passieren.” (rv)
Hier zum Nachhören
Spezial: Pater Gemmingen beantwortet Fragen rund um Williamson
und Lefebvre
Nach der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe, die Anhänger
von Erzbischof Lefebvre waren, bekamen wir viele wütende Mails. Sie bezogen
sich kaum auf die Rücknahme der Exkommunikation, sondern meist nur darauf,
dass auch der Holocaust-Leugner Bischof Williamson offenbar in den Schoß der
Kirche aufgenommen wurde.
Als ein sehr maßvolles Beispiel der Mails hier das, was der ehemalige
SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel uns schrieb: Lieber Herr Pater, was
ist denn bei Euch in Rom los?
Hier zum Nachlesen und Nachhören
Newsletter von Radio Vatikan – 01.02.2009
Israel: Kein Abbruch der Beziehungen zum Vatikan
Das israelische Außenministerium erwägt derzeit keinen Abbruch der
diplomatischen Beziehungen zum Vatikan. Das teilte der Sprecher des
Ministeriums jetzt mit. Er widersprach damit dem israelischen
Religionsminister Jithzak Cohen, der im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin
„Der Spiegel“ einen Abbruch der Beziehungen erwogen hatte. Hintergrund sind
israelische Verstimmungen über den Fall des Holocaust-Leugners Bischof
Richard Williamson. Solche Äußerungen seien die persönliche Meinung des
Religionsministers, sagte der Sprecher des Außenministeriums. Der Abbruch
der Beziehungen zum Vatikan stehe „nicht auf der Tagesordnung“. Zur
Aufhebung der Exkommunikation gegen vier traditionalistische Bischöfe wollte
sich der Sprecher nicht äußern – das sei keine Angelegenheit, die das
Verhältnis zwischen den Staaten betreffe. Auch der israelische Botschafter
in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, sagte der „Bild am Sonntag“: „Die
diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan waren, sind und
werden immer sehr wichtig sein für Israel, und ich denke, auch für den
Vatikan.“
Das Magazin „Focus“ berichtete unterdessen, Bischof Williamson dürfe bei der
deutschen Piusbruderschaft nicht mehr auftreten. Am 30. Mai habe der
britische Geistliche im Priesterseminar in Zaitzkofen (Kreis Regensburg)
Diakone weihen wollen. „Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir ihn hier nicht
mehr sehen wollen und dass er die Weihen nicht mehr durchführen darf“, sagte
der Regens des St. Pius-Priesterseminars, Stefan Frey. Gegen Williamson
ermittelt auch die deutsche Justiz wegen Holocaust-Leugnung. (kna/ansa)
DOSSIER: DEBATTE ÜBER TRADITIONALISTEN UND SHOAH
Lehmann sieht „Fehler im Vatikan“
Nach dem Eklat um die vier Tradionalisten-Bischöfe hat Kardinal
Karl Lehmann der zuständigen Kommission im Vatikan Fehler vorgehalten.
Zugleich nahm der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im
Interview der „Welt am Sonntag“ Papst Benedikt XVI. in Schutz: „Es tut mir
für den Papst leid, der ja die lautersten Absichten hatte.“ Lehmann warf der
vom kolumbianischen Kardinal Dario Castrillon Hoyos geleiteten Päpstlichen
Kommission „Ecclesia Dei“ vor, sich über Bischof Richard Williamson kein
zutreffendes Bild gemacht zu haben. Unabhängig von dessen Leugnung des
Holocaust habe dieser sich ja schon öfter zu anderen Themen problematisch
geäußert. „Dieses Wissen hätte man eigentlich voraussetzen müssen.“
Offensichtlich seien im Vatikan die politischen Zusammenhänge und
Verflechtungen zu wenig beachtet worden. Der Kardinal widersprach der
Ansicht, dass der Papst restaurative Kräfte auf den Plan gerufen habe. Dass
dies aber wegen der Äußerungen von Williamson so wahrgenommen werde, sei
eine „schlimme Sache“. Nach EinSchätzung des Mainzer Bischofs geht es der
von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Piusbruderschaft in erster Linie
nicht um liturgische, sondern um dogmatische Fragen. Der Kardinal
kritisierte, dass sich die Traditionalisten niemals mit der Erklärung des
Zweiten Vatikanischen Konzils zur Religionsfreiheit abgefunden hätten. Sie
lehnten auch die Botschaft ab, dass es in Glaubensfragen keinen Druck geben
darf und die Kirche auf weltliche Machtansprüche verzichtet.
Lehmann wandte sich auch gegen die Thesen der Piusbruderschaft, wonach die
Aufwertung der Kollegialität der Bischöfe der Autorität des Papstes
widerspreche und jedes ökumenische Bemühen ein Verrat an der Wahrheit sei.
Die Bewegung vertrete bedenkliche politische Positionen, so der Kardinal.
Die Anhänger stünden teils in der Tradition der um 1900 entstandenen radikal
nationalistischen „Action francaise“, die sich militant katholisch,
monarchistisch und antisemitisch gegeben habe und von Pius X. schon 1914 für
unvereinbar mit der katholischen Religion erklärt worden sei. Im Milieu der
Lefebvre-Anhänger habe man sich bis heute nicht mit der Französischen
Revolution abgefunden. Indem sich die kleine Gruppe auf die lateinische
Liturgie konzentriere, verschleiere sie ihre wahren Absichten. (kna)
D: Spaemann verteidigt Papst-Entscheidung
Der Philosoph Robert Spaemann verteidigt die Entscheidung von Papst
Benedikt in Sachen Lefebvrianer. Die Aufhebung einer Exkommunikation sei
„ganz und gar unpolitisch“, so der Papst-Vertraute in einem Leserbrief der
„Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Spaemann verweist auf ein Beispiel aus
China: „In China zogen sich jahrzehntelang die Bischöfe der „patriotischen
Vereinigung“ die „Tatstrafe“ der Exkommunikation zu, weil sie ohne
päpstlichen Auftrag Bischöfe weihten oder sich weihen ließen.“ Benedikt habe
die meisten dieser Exkommunikationen „ohne Getöse“ wieder aufgehoben, obwohl
die Abspaltung neben theologischen auch politische Implikationen hatte.
„Ähnlich nun mit den vier Lefebvre-Bischöfen“, schreibt Spaemann. Er
präzisiert: „Die Aufhebung bedeutet: Sie dürfen wieder beichten und die
Lossprechung von ihren Sünden empfangen. Sie dürfen wieder die Kommunion
empfangen. Sie müssen nicht mehr ohne Tröstung durch die Sakramente der
Kirche sterben. Das ist auch schon alles.“ Der Papst verdiene die Anrede
„Vater“ nicht, „wenn er einen solchen Gnadenakt von politischen Erwägungen
abhängig machen würde“. (pm)
Italien: Lefebvre-Bischof uneinsichtig
„Wir werden unsere Position nicht ändern – wir werden den Vatikan bekehren.“
Das sagt der französische Traditionalistenbischof Bernard Tissier de
Mallerais im Gespräch mit einer italienischen Tageszeitung. Er gehört zu den
vier abtrünnigen Bischöfen, deren Exkommunikation der Papst vor einer Woche
aufgehoben hat. Er sei bewegt über die Geste des Papstes, habe die
Exkommunikationen aber nie als kirchenrechtlich gültig betrachtet.
Schließlich habe Bischof Marcel Lefebvre mit seinen illegalen Bischofsweihen
1988 aus einer „Notlage“ heraus gehandelt. (stampa)
D: „Eine scheußliche Verirrung“
Die Leugnung des Holocaust ist „eine scheußliche Verirrung und muss
für einen Bischof der katholischen Kirche in jeder Hinsicht untragbar sein“.
Das sagte der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke bei der Eröffnung
der St.-Ansgar-Woche am Sonntag. Nach dem „unsäglichen Vorgang“ um die
Piusbruderschaft gehe es jetzt vor allem um Schadensbegrenzung. Der Papst
habe für die Kirche in aller Eindeutigkeit die Verurteilung jeder Form von
Antisemitismus wiederholt. „Ich bin dankbar für die schnelle Entschuldigung
aus dem Munde des Papstes“, so der Weihbischof. Selbstverständlich müsse
auch das Zweite Vatikanische Konzil mit seinen Grundaussagen von der
Piusbruderschaft anerkannt werden. Nötig seien jetzt Klarheit, Vernunft und
Besonnenheit. „Der Dialog mit den Juden und seine Ergebnisse bleiben
unwiderruflich“, betonte Jaschke. Er wünsche sich, dass der eingetretene
Schaden durch öffentliche Aufregung nicht verschlimmert werde. Der
Weihbischof forderte: „Halten wir fest, was wir erreicht haben.“ (pm)
D: „Das Konzil anerkennen!“
Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, ist besorgt
über die derzeitige „Verunsicherung, Unverständnis und Enttäuschung” bei
vielen Katholiken angesichts der Nachrichten aus Rom. „Es belastet mich als
Bischof und als Seelsorger, dass diese Vorgänge zur äußeren und inneren
Entfremdung zahlreicher Gläubiger von der Kirche, zu einem Vertrauensverlust
besonders der jüdischen Schwestern und Brüder gegenüber der Kirche sowie zu
einer erheblichen Störung des christlich-jüdischen Dialogs geführt haben. In
den Augen vieler beeinträchtigen diese Ereignisse die Glaubwürdigkeit der
katholischen Kirche.” Sein Bistum bleibe „ohne Wenn und Aber“ dem Konzil
verpflichtet, so Bischof Fürst. Die kirchliche Einheit sei „ein hohes Gut“,
doch sei sie „nicht mit einer Leugnung grundlegender Aussagen des Konzils zu
vereinbaren. Sonst wird sie um den Preis erkauft, dass viele Gläubige sich
innerlich oder äußerlich abwenden“. (pm)
SONDERSENDUNG:
Zu
Lefebvre, Williamson usw. haben uns viele Emails, Briefe und Reaktionen
erreicht. Auf einige der Fragen antwortet Pater Eberhard v. Gemmingen in
einer Sondersendung von diesem Sonntag.
Hier können Sie die Sendung hören.
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Newsletter von Radio Vatikan – 31.01.2009
Deutschland/Vatikan: Bischof Williamson entschuldigt sich beim Papst
Der Lefebvre-Bischof Richard Williamson hat Papst Benedikt in einem
Brief um Verzeihung gebeten. In dem Schreiben im Internet entschuldigt er
sich für die - wie er schreibt – „unnötige Bedrängnis und die Probleme”, die
er verursacht habe. Seine Äußerungen über Gaskammern und die Leugnung des
Holocaust nannte er unüberlegt.
In dem Schreiben an den für die Traditionalisten im Vatikan zuständigen
Kardinal Dario Castrillon Hoyos spricht Williamson von dem „furchtbaren
Medien-Sturm”, den er mit seinen Äußerungen ausgelöst habe. Wörtlich meint
er:
„Mitten
in dem furchtbaren Medien-Sturm, der durch meine unbedachten Bemerkungen im
schwedischen Fernsehen heraufbeschworen wurde, bitte ich Sie mit allem
Respekt, mein aufrichtiges Bedauern für das Leid und die Probleme zu
akzeptieren, die ich Ihnen und dem Heiligen Vater bereitet habe.”
Die
Entschuldung des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson beim Papst ist
nach Worten von Kurienkardinal Giovanni Battista Re ein erster Schritt.
Allerdings müsse Williamson auch noch zu seinen Behauptungen über den
Holocaust Stellung nehmen, sagte der Präfekt der Bischofs-Kongregation am
Samstag in einem Interview der italienischen Zeitung „La Repubblica”. Der
Papst habe sich dazu in aller Klarheit geäußert, so der Kardinal, der vor
einer Woche mit einem Dekret die Exkommunikation der vier
Traditionalisten-Bischöfe zurückgezogen hatte.
„Wenigstens hat er kapiert, dass er eine Dummheit begangen hat”,
sagte
Re in einem ersten Kommentar zum Brief von Williamson an Kardinal Dario
Castrillon Hoyos vom Freitag. Darin hatte sich der in Argentinien lebende
britische Kirchenmann für den Ärger entschuldigt, den er dem Papst bereitet
hatte; mit keinem Wort hatte er jedoch den Holocaust erwähnt. Mit dieser
Entschuldigung sei der Fall keineswegs beigelegt, sagte der Kardinal. (kna/reuters)
Italien: Oberrabbiner lädt Papst ein
Der römische Oberrabbiner Riccardo di Segni hat derweil Papst Benedikt XVI.
zu einem Besuch in der Synagoge eingeladen. Ein solcher Besuch wäre „eine
konkrete Geste der Versöhnung” nach den Turbulenzen und Verstimmungen, die
die Zurücknahme der Exkommunikation für den „Holocaust-Leugner” Richard
Williamson, in den Beziehungen zwischen katholischer Kirche und dem Judentum
ausgelöst haben. Das sagte Di Segni in einem Interview mit der Wiener
Tageszeitung „Der Standard”. Er habe bisher noch keine Antwort erhalten”, so
der Oberrabbiner, die wichtigste religiöse Autorität der Juden in Italien. (kap)
KOMMENTAR
DER WOCHE:
„Lieber Hörerinnen und Hörer,
Ich bitte jetzt alle, die Papst Benedikt hoch schätzen, um das Vertrauen in
mich, wenn ich gerade aus Hochachtung vor ihm, seinem Amt und seiner Kirche,
die Arbeit einiger Personen im Vatikan unter die Lupe nehme. Ich tue das
nicht zur Nestbeschmutzung, sondern weil Millionen anständiger Menschen
ernsthafte Fragen an Papst Benedikt und die katholische Kirche haben. Meine
folgende Kritik ist Ausdruck der Wertschätzung des Papstes, des Vatikans und
der katholischen Kirche.
Und nun möchte ich sagen:
Im Vatikan ist in den letzten Tagen einiges schief gelaufen. Könnte nicht
ein Sprecher erklären: Wir haben einige Fehler gemacht? Da ist etwas falsch
gelaufen? …”
Lesen Sie hier den gesamten Kommentar von Stefan von Kempis
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Newsletter von Radio Vatikan – 30.01.2009
Vatikan: „Nichts gewusst“
Bis zum letzten Moment habe der Vatikan „absolut nichts“ von der
Holocaust-Leugnung des britischen Lefebvre-Bischofs Richard Williamson
gewusst. Dies sagte der Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“,
Kardinal Darío Castrillón Hoyos, am Donnerstag gegenüber der italienischen
Tageszeitung „Corriere della Sera“. Hoyos hatte die Verhandlungen mit den
Lefebvrianern vor der Aufhebung der Exkommunikation geführt. Bei
Bekanntwerden des Interviews mit Williamson sei das Dekret bereits an die
Lefebvre-Bischöfe überreicht gewesen, so der Kurienkardinal.
Unterdessen legte Vatikansprecher P. Federico Lombardi nochmals dar, dass
eine Leugnung der Shoah völlig inakzeptabel sei. „Wer die Shoah leugnet,
weiß nichts vom Geheimnis Gottes“, sagte Lombardi in seinem Editorial für
Radio Vatikan. Von dieser erschreckenden „Demonstration der Macht des Bösen“
werde der Glaube an die Existenz Gottes herausgefordert. Umso
schwerwiegender sei es, so Lombardi, wenn die Holocaust-Leugnung aus dem
Munde eines Priesters oder Bischofs komme.
„Der Papst hat in der jüngsten Generalaudienz die tiefgehende Betrachtung
anlässlich seines Besuchs im Konzentrationslager Auschwitz wieder
aufgenommen. Er hat nicht nur jede Form des Vergessens oder der Leugnung der
Tragödie der Vernichtung von sechs Millionen Juden verurteilt, er hat
gleichzeitig an die dramatischen Fragen erinnert, die diese Ereignisse an
das Gewissen eines jeden Menschen und jedes Gläubigen stellen.“
Der
Papst habe nach dem „Warum?“ gefragt, nach dem Grund für das scheinbare
Schweigen und die Abwesenheit Gottes.
„Mit diesem doppelten Geheimnis konfrontiert - die schreckliche Gewalt des
Bösen auf der einen und die scheinbare Abwesenheit Gottes auf der anderen
Seite ist die letzte Antwort des christlichen Glaubens die Passion des
Sohnes Gottes. … Wir können und dürfen diese Fragen nicht meiden und noch
weniger sie leugnen. Unser Glauben ist sonst trügerisch und leer.“ (rv/corriere
della sera/ap)
Hier zum Nachhören
Deutschland: Zollitsch und Müller verärgert
Wenn der britische Traditionalistenbischof Richard Williamson zur
katholischen Kirche gehören will, müsse er seine Äußerungen zum Holocaust
zurücknehmen und sich entschuldigen. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz am Donnerstag vor Journalisten. Der Freiburger Erzbischof
Robert Zollitsch bedauerte bei einem Besuch der Synagoge in Mannheim
zugleich, dass sich der Vatikan vorab offenbar nicht besser über Williamson
informiert habe. Mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland wolle er weiter
Kontakt halten, sagte Zollitsch nach der Ankündigung der
Zentralratsvorsitzenden Charlotte Knobloch, unter solchen Voraussetzungen
könne es derzeit keine Gespräche geben. Eine Entschuldigung des
Holocaust-Leugners reiche nicht aus, erklärte Knobloch an diesem Freitag in
München. Der Zentralrat erwarte jetzt ein „klares Signal aus dem Vatikan“.
Zollitsch:
„Ich verstehe die Enttäuschung von Charlotte Knobloch. Doch ich persönlich
bin von meiner Geschichte her ein Mensch, der prinzipiell nie Brücken
abbricht. Ich versuche vielmehr neue Brücken zu bauen. Deshalb werde ich von
meiner Seite versuchen, Brücken zu bauen.“
Auch
der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verteidigt den Papst: Die
Aufhebung der Exkommunikation gegen den Traditionalisten-Bischof habe nichts
mit dessen skandalösen Äußerungen zu tun, sagte er dem Kölner Domradio.
„Ich bin verärgert, dass man nun den Papst kritisiert und nicht die Worte
Williamsons. Denn es ist ganz klar, dass der Täter dieser Geschichte
Williamson ist und nicht der Papst. Es ist ein unglücklicher Zufall von zwei
voneinander unabhängigen Vorgängen. Wenn man die Kaltschnäuzigkeit sieht,
mit der Williamson über das Leiden von Millionen von Menschen – Kindern und
Erwachsenen – sprach, dann steigt die Zorneswut heiß ins Gesicht. Es ist
einfach unerträglich, dass jemand der – wenn auch illegal – zum Bischof
geweiht worden ist und somit Nachfolger der Apostel und Verkündiger des
Evangeliums ist, eine solche unglaubliche Position vertritt.“ (rv/domradio/kna)
Hier zum Nachhören
Kirchenrechtler über Piusbruderschaft: „Zum Teil sehr anmaßende
Töne“
„Meine Rechtsauffassung ist, das die vier Bischöfe weiterhin
suspendiert bleiben“. Das sagte der Münchner Kirchenrechtsprofessor Pater
Stephan Haering OSB im Interview von Radio Vatikan. Seiner Einschätzung nach
muss die Piusbruderschaft jetzt nicht nur theologische Klärungen mit dem
Vatikan suchen, sondern dabei auch ihren anmaßenden Ton ändern. (rv)
Hier das gesamte Interview zum Nachlesen und -Hören
Weitere Reaktionen zum Thema
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sieht in der Aufhebung der
Exkommunikation des britischen lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson
Fehler des Vatikans. „Wer die Shoah leugnet, kann nicht in einem kirchlichen
Amt rehabilitiert werden“, sagte Schönborn am Donnerstag Abend in einem
Interview für das ORF-Fernsehen. Hier hätten „vatikanische Mitarbeiter nicht
genügend hingeschaut“ und sich nicht ausreichend über Williamson informiert.
Der Wiener Kardinal hat derweil die Vertreter der christlichen Kirchen dazu
aufgerufen, die ökumenischen Bemühungen fortzusetzen. Trotz vieler
Fortschritte, die in der katholischen Kirche beispielsweise durch das Zweite
Vatikanische Konzil ermöglicht wurden, werde es auch in Zukunft
„Stolpersteine und Ungeschicklichkeiten“ geben, räumte der Kardinal beim
traditionellen Ökumenischen Empfang im Wiener Erzbischöflichen Palais ein.
Das dürfe aber nicht dazu führen, von einer „Eiszeit in der Ökumene“ zu
sprechen und in Mutlosigkeit zu verfallen. Als „enttäuschend und empörend“
bezeichnete der Kardinal die Weigerung des offiziellen Österreich, sich an
der EU-Hilfsaktion zur Aufnahme von bedrängten Irakern aus den religiösen
Minoritäten (vor allem Christen) zu beteiligen. Für ein Land wie Österreich
sie es „beschämend“, keine irakischen Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei handle
es sich in überwiegender Zahl um Christen, die um ihr Leben fürchten müssen,
so Schönborn. (kap/orf)
Deutschland
15 Tübinger Theologieprofessoren kritisieren die Aufhebung der
Exkommunikation für die Bischöfe der Piusbruderschaft durch Papst Benedikt
XVI. Die Maßnahme stelle „ein Ärgernis und eine schwere Belastung“
nicht nur ihrer Arbeit, aber auch der Arbeit vieler Priester, pastoraler
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Religionslehrer und Religionslehrerinnen
dar, schreiben die katholischen Theologen in einer gemeinsamen
Stellungnahme. Sie befürchten, dass die Aufhebung der Exkommunikation dieser
Bischöfe einen Wendepunkt in der nachkonziliaren Kirchengeschichte markiert.
Man respektiere das Bemühen des Papstes um die Einheit der Kirche. Dennoch
gebe es nunmehr in der katholischen Kirche Bischöfe, die „die Religions- und
Gewissensfreiheit ablehnen, offen eine antiökumenische Gesinnung zeigen, ein
klerikalistisches Kirchenbild vertreten, innerhalb dessen das gemeinsame
Priestertum aller Gläubigen kaum mehr Bedeutung hat, und die „konziliare
Kirche“ bewusst verachten“. Einer dieser Bischöfe leugne zudem das ganze
Ausmaß der Shoah und zeigt ein antisemitisches Denken. Damit stehe er nach
wie vor außerhalb der Kommunio der Kirche. Die Erklärung ist unterzeichnet
von Urs Baumann, Albert Biesinger, Franz-Josef Bormann, Thomas Freyer,
Ottmar Fuchs, Norbert Greinacher, Bernd Jochen Hilberath, Andreas Holzem,
Joachim Köhler, Karl-Josef Kuschel, Dietmar Mieth, Andreas Odenthal, Richard
Puza, Hans Reinhard Seeliger und Michael Theobald. (pm)
Christen und Juden sollten miteinander im Gespräch bleiben, statt
übereinander zu reden. Dazu hat der Limburger Bischof Franz-Peter
Tebartz-van Elst aufgefordert. Nach den Irritationen rund um den
Holocaust-Leugner Richard Williamson steht das Bistum Limburg nach eigenen
Angaben auf mehreren Ebenen intensiv im Dialog mit jüdischen Repräsentanten.
Die Position der katholischen Kirche „zum schrecklichen Verbrechen des
Holocaust“ sei unmissverständlich und klar, betonte Tebartz-van Elst an
diesem Freitag. Wörtlich schreibt er: „Eine Leugnung des Holocaust ist
unerträglich. Dagegen müssen wir Christen und auch unser Staat mit aller
Entschiedenheit vorgehen.“ In diesem Sinn habe auch Papst Benedikt XVI.
wiederholt deutlich gesprochen, so der Limburger Bischof. (pm)
Lutheraner und Altkatholiken kritisieren die Aufhebung der
Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen, unter ihnen der
Holocaust-Leugner Williamson. Der Wille zur Einheit sei offenbar so
mächtig, dass Papst Benedikt XVI. bereit sei, menschenverachtende und
kriminelle Äußerungen eines Bischofs in Kauf zu nehmen, erklärte der
Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche
Deutschlands (VELKD), Bischof Friedrich Weber, am Freitag in Hannover. Auch
die gegenwärtig im tschechischen Karlik tagende internationale
Altkatholische Bischofskonferenz äußerte „Betroffenheit und Unverständnis“.
Mit der Aufhebung der Exkommunikation werde deutlich ein Weg fortgesetzt,
der hinter die Reformen und Grunderkenntnisse des Zweiten Vatikanischen
Konzils zurückführe. (kna)
Schweiz
Die reformierten Kirchen des Landes sind entschlossen, jeglicher
Form von Antisemitismus und Rassismus in der Schweiz entgegenzutreten.
Das schreibt der reformierte Kirchenbund in einem Brief an die jüdische
Gemeinschaft in der Schweiz. Man habe vernommen, dass die jüdischen
Gemeinden in der Schweiz infolge des Gaza-Krieges eine große Zahl von
drohenden und antisemitischen Zuschriften erhalten hätten. Deshalb seien die
reformierten Kirchen entschlossen, „durch ihre Arbeit im Bereich der Kirche,
der Politik und der Menschenrechte mit Entschiedenheit jeglicher Form von
Antisemitismus und Rassismus entgegenzutreten“. Dazu zähle auch die in
jüngster Zeit wieder ausgesprochene Leugnung des Holocaust. (kipa)
Brasilien
Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff sieht die Gefahr
eines neuen Kirchenschismas durch eine Wiedereingliederung der
Traditionalisten. Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., die
Exkommunikation gegen die vier vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre
(1905-1991) geweihten Bischöfe aufzuheben, nannte Boff am Donnerstag beim
Weltsozialforum in Belem „überraschend und für viele Angehörige der Kirche
skandalös“. Er fürchte, dass sich die Lefebvre-Anhänger damit noch nicht
zufrieden geben: „Sie werden weitergehen wollen und eine Revision des
Zweiten Vatikanischen Konzils anstreben.“ Wenn dies passieren sollte, „wäre
es ein Grund für ein Kirchenschisma“, so Boff. Nach Meinung des
Befreiungstheologen schwächt die Entscheidung des Papstes „all jene, die die
Kirche um einen offiziellen Konsens herum einigen“ wollten; und dieser
Konsens sei das Konzil. – Boff äußerte sich anlässlich einer vom
Franziskanerorden organisierten Gesprächsrunde im Rahmen des
Weltsozialforums. Dort prangerte der Befreiungstheologe an, dass das
kapitalistische Wirtschaftssystem zu einer Massenverelendung führe. (kna)
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Newsletter von Radio Vatikan – 29.01.2009
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