Informationen von Radio Vatikan
zum Streit über die Lefebvristen


 

 
 

Newsletter von Radio Vatikan – 01.03.2009

 

Die Priester-Bruderschaft Pius X. hat dem umstrittenen Richard Williamson mit Rauswurf gedroht, wenn dieser den Holocaust erneut leugnen sollte. Das sagte der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Dass Bischof Williamson sein Amt je wieder in vollem Umfang ausüben werde, schloss Fellay aus. Williamson habe der Bruderschaft Schaden zugefügt und ihren Ruf geschädigt, so der Generalobere. Die Entschuldigung seines Amtsbruders für die Leugnung des Holocausts begrüßte Fellay hingegen als wichtigen „Schritt in die richtige Richtung“. Der Vatikan hatte die Entschuldigung Williamsons hingegen als nicht ausreichend bezeichnet. (kipa)
 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 28.02.2009

 

Reaktionen auf Erklärung von Williamson
Vatikansprecher Federico Lombardi hat am Freitag eine Entschuldigung des Lefebvre-Bischofs Richard Williamson im Zusammenhang mit dessen Leugnung des Holocausts als nicht ausreichend bezeichnet. Williamson müsse seine Äußerungen vollständig und öffentlich widerrufen, bekräftigte Lombardi. Williamson hatte der katholischen Nachrichtenagentur Zenit zufolge zwar erklärt, es tue ihm leid „solche Bemerkungen gemacht zu haben“, jedoch offen gelassen, ob er seine Ansichten geändert hat. In einer am Donnerstag in London veröffentlichten Erklärung bat er alle, die sich aufgrund seiner Worte aufrichtig entrüstet hätten, „vor Gott um Vergebung“, so Zenit. Williamson hatte vor rund vier Monaten behauptet, dass es für die Existenz von Gaskammern keine historischen Beweise gebe und dass nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden seien. (rv/zenit)

 

Kommentar des Redaktionsleiters,
Pater Eberhard von Gemmingen SJ:
Der Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, hat sich zwar in der Öffentlichkeit geäußert, aber er hat nicht an den Vatikan und den Papst geschrieben. Daher hat der Pressesprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi, gegenüber den Medien erklärt, der Lefebvre-Bischof habe nicht das getan, was der Papst von ihm gefordert hatte. In einer Erklärung des vatikanischen Staatssekretariats vom 4. Februar hatte es geheißen, Williamson müsse seine antisemitischen Äußerungen und seine Holocaust-Leugnung eindeutig zurücknehmen. Und dies nicht nur gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit sondern gegenüber dem Heiligen Stuhl. Bischof Williamson vermeidet dies offensichtlich.


Ich finde es sehr erfreulich, dass der Vatikansprecher der Weltöffentlichkeit mitgeteilt hat, dass dies nicht den Forderungen des Vatikans entspreche. Auf der anderen Seite aber will der Vatikan nun nicht täglich auf diese oder jene Äußerungen von Bischof Williamson reagieren. Dieser exzentrische Bischof darf nicht das Tempo diktieren. Daher wird der Vatikan möglicherweise in den nächsten Tagen auf weitere Äußerungen von Williamson nicht reagieren. Wenn er dies täte, würde er nach der Pfeife von Williamson tanzen, was absolut unangemessen wäre.


Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass der Vatikan schon hinreichend klargemacht hat: Die antisemitischen Äußerungen und die Holocaustleugnung von Williamson sind untragbar. Papst Benedikt steht zu den Aussagen des Zweiten Vatikanums über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Juden. Wer gutwillig ist, konnte alles Notwendige hören. Vor allem haben die jüdischen Gesprächspartner längst erkannt, dass durch die Medien fälschlicherweise der Eindruck geschaffen wurde, Papst Benedikt entferne sich von der Judenfreundschaft seines Vorgängers. Dies war nie der Fall. Nur haben manche Medien diesen falschen Eindruck vermittelt. Auch die Weltöffentlichkeit darf sich ihre Themen nicht durch einen exzentrischen Bischof diktieren lassen. Man sollte Bischof Williamson links liegen lassen und ihn einfach nicht mehr hören.
Das bedeutet keineswegs, dass eine Holocaust-Leugnung geduldet werden kann. Aber auch andere Holocaustleugner werden nicht ernst genommen, sondern eben als exzentrische Spinner behandelt, die gleichwohl vor die entsprechenden Gerichte zitiert werden sollen.


Meine Meinung: Kümmern wir uns um die entscheidenden judenfreundlichen Äußerungen der katholischen Kirche. Und nehmen wir die bösen Äußerungen von Pius-Brüdern und ihren Bischöfen nicht zu ernst. Es reicht, wenn sie bestraft werden. Das aber muss geschehen. (rv)


D/Italien: Williamson-Entschuldigung unzureichend
Die Entschuldigung des umstrittenen Traditionalistenbischofs Richard Williamson für seine Leugnung des Holocausts wird in katholischer Kirche, Judentum und Politik als unzureichend bewertet. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich über die neue Stellungnahme des 68-jährigen Briten entsetzt. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, sagte, sich lediglich für zugefügte Schmerzen zu entschuldigen, sei „völlig ungenügend“. Damit seien Williamsons Äußerungen über den Holocaust nicht auszuräumen. Er müsse sie widerrufen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries schloss nicht aus, dass die Bundesrepublik die Auslieferung des britischen Holocaust-Leugners Williamson beantragt.
Auch der Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Italiens, Renzo Gattegna, hat sich skeptisch über die Entschuldigung geäußert. Die Erklärung des aus Argentinien ausgewiesenen Briten sei „zweideutig“, betonte er der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom Freitag zufolge. Möglicherweise sei Williamsons jüngste Erklärung „schwerwiegender“ als seine bisherigen Äußerungen. Gattegna wies darauf hin, dass der Bischof der traditionalistischen Pius-Bruderschaft es auch in seiner jüngsten Äußerung „sorgfältig vermeidet, eine unwiderlegliche historische Wahrheit anzuerkennen“. (rv/agenturen)


D: Piusbruderschaft sieht „Schritt in die richtige Richtung“
Als „Schritt in die richtige Richtung“ hat die Pius-Bruderschaft in Deutschland die Erklärung des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson zum Holocaust bewertet. Die weitere Entwicklung werde zeigen, ob die Aussage ausreiche, sagte der Sprecher der Pius-Bruderschaft, Matthias Gaudrom, am Freitag in Stuttgart. (kna/pm) 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 27.02.2009

 

Vatikan: „Erklärung Williamsons nicht ausreichend“
Ein Entschuldigungsbrief von Richard Williamson für seine Äußerungen zum Holocaust liege dem Vatikan nicht vor – und überdies genügten die Erklärungen des Lefebvre-Bischofs den Forderungen des Heiligen Stuhls nicht. Das stellte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Freitag klar. Donnerstag Abend hatte die katholische Nachrichtenagentur Zenit berichtet, bei der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei sei eine Erklärung Williamsons eingegangen, in der er seine umstrittenen Aussagen zum Holocaust zurücknimmt. Dazu Pater Lombardi wörtlich:

 

„Zu dem Schreiben des Bischofsder Priesterbruderschaft Pius X., Richard Williamson, vom 26. Februar 2009 stellen wir klar, dass es sich dabei nicht um einen Brief an den Heiligen Vater oder an die Kommission Ecclesia Dei handelt. Die so genannte Erklärung des Bischofs scheint die Bedingungen nicht zu erfüllen, die das Staatssekretariat in seiner Note vom 4. Februar 2009 gestellt hat. Darin ist nämlich festgehalten, dass der Bischof sich von seinen Positionen zur Shoah auf absolut unmissverständliche Weise und öffentlich distanzieren muss.“
 

 

In seinem Schreiben vom Donnerstag hatte sich Williamson für die Folgen seiner Aussagen entschuldigt und diese relativiert. Er habe nur die Meinung eines Nicht-Historikers geäußert, die sich auf die verfügbaren Erkenntnisse von vor 20 Jahren gestützt habe. Er bitte alle, die sich aufgrund seiner Worte „aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung“. Explizit zurück nahm er seine Äußerungen zum Holocaust nicht. Williamson hatte in einem schwedischen Fernseh-Interview Anfang November in Regensburg die Existenz von Gaskammern zur Vernichtung von Menschenleben verneint und die Zahl der ermordeten Juden auf „maximal 300.000“ beziffert. (rv)

 

Newsletter von Radio Vatikan – 26.02.2009

 

Kardinal Sodano antwortet auf Hans Küng – „Fühle mich innerlich verletzt“
Das ist ungewöhnlich für den Vatikan: Der Dekan des Kardinalskollegiums antwortet auf Kritik von Hans Küng am Papst. In einem Gespräch mit Radio Vatikan reagiert Kardinal Angelo Sodano, langjähriger Kardinalstaatssekretär unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI., auf ein Interview des bekannten Tübinger Theologen und Religionswissenschaftlers. Küng, dem vor etwa dreißig Jahren die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen wurde, hatte unter anderem geäußert: „Viele Katholiken erwarten nichts mehr von diesem Papst.“ Dazu Sodano:

 

„Mich hat das heute Morgen innerlich verletzt, als ich das Interview gelesen habe. Professor Küng hat es offenbar der französischen Tageszeitung „Le Monde“ gegeben, und in Italien wurde es dann von „La Stampa“ wiederabgedruckt. Wenn der Text exakt ist, dann fühle ich mich in der Pflicht, zu sagen, dass es da um unbestimmte und nicht belegte Behauptungen geht. Ich persönlich bin ein Zeuge des Einsatzes des Heiligen Vaters, um aus der Kirche eine Familie zu machen – eine Familie der Kinder Gottes.“
 

 

Küng, der im Tübingen der sechziger Jahre eine Weile Kollege des damaligen Professors Joseph Ratzingers, heute Papst Benedikt, war, hatte in der Mittwochsausgabe von „Le Monde“ u.a. zum Fall Richard Williamson Stellung bezogen. Dabei kritisierte er die Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocaust-Leugners aufzuheben: „Auch wenn der Papst von der Holocaust-Leugnung nichts wusste und sicher auch selbst nicht antisemitisch ist, so wusste doch jeder, dass die vier betroffenen Bischöfe antisemitisch eingestellt sind“, so Küng. Gerade als Deutscher hätte Benedikt XVI. die Reaktionen voraussehen müssen. Er habe jedoch die Gefahr nicht in Betracht gezogen. Kardinal Sodano:

 

„Eine brüderliche Kritik ist in der Kirche immer möglich, schon seit den Zeiten der heiligen Petrus und Paulus. Aber eine bittere Kritik, noch dazu so unbestimmt, trägt nicht zur Einheit der Kirche bei, für die Papst Benedikt XVI. sich so sehr einsetzt. Der Heilige Geist hat ihn dazu bestimmt, in diesem wichtigen Moment ihrer Geschichte die heilige Kirche Gottes zu lenken.“
 

 

Küng hatte außerdem kritisiert, dass Benedikt XVI. immer in kirchlichem Umfeld gelebt habe und wenig gereist sei. „Er ist im Vatikan eingeschlossen geblieben (...), wo er vor Kritikern geschützt ist.“ In diesem Punkt sei der Vatikan wie der Kreml, so Küng weiter. Die Kirche drohe „sich in Richtung einer Sekte zu entwickeln“. Kardinal Angelo Sodano reagiert allerdings auch empfindlich darauf, wie begierig internationale Medien derzeit jede Kritik am Papst aufgreifen und weitertragen.

 

„Ich begreife nicht, wie eine bekannte italienische Tageszeitung, die das Werk des Papstes eigentlich gut kennt, diesem Interview so breiten Raum geben konnte. Sie hat ihm außerdem einen Titel gegeben, der dem französischen Original nicht entspricht und in dem vom Ökumenischen Konzil von Nizäa von 325 in der heutigen Türkei irrtümlich so gesprochen wird, als gehe es da um ein Konzil in Nizza!“
 

 

Schon kurz nach seiner Wahl zum Papst hatte sich Papst Benedikt im Sommer 2005 mit Küng in Castel Gandolfo zu einem ausführlichen Meinungsaustausch getroffen. Der gebürtige Schweizer Theologe hat sich im Einsatz für ein „Weltethos“ und das interreligiöse Gespräch einen Namen gemacht. Um eine erneute kirchliche Lehrerlaubnis hat Küng nicht gebeten. Sodano hat in den neunziger Jahren als Kardinalstaatssekretär von Papst Johannes Paul II. öffentlich aus Schriften Küngs zitiert. (rv)
Hier zum Nachhören

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 24.02.2009

 

Der ranghöchste Benediktinermönch, Abtprimas Notker Wolf, ist Befürchtungen entgegengetreten, Papst Benedikt XVI. wolle das Zweite Vatikanische Konzil aushöhlen. Schließlich sei Joseph Ratzinger damals ein entscheidender Berater gewesen, schreibt Wolf am Dienstag in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“. Das Anliegen des Papstes bestehe vielmehr darin, dieses Konzil nicht als Bruch mit der Traditionsgeschichte des Glaubens darzustellen. Er wolle das Konzil stärker in diese Tradition integrieren. Weiter erinnert Wolf daran, die Rücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfen bedeute noch keine volle Einheit der Kirche Roms mit diesen Bischöfen und ihren Gläubigen. „Bis dahin ist es noch ein weiter weg“, so Wolf. (kna)

 

Newsletter von Radio Vatikan – 22.02.2009

 

Richard Williamson wird das Land verlassen. Das versichert die illegale Pius-Bruderschaft. In welches Land der traditionalistische Bischof und Holocaust-Leugner ausreise, entscheide die Piusbruderschaft in Europa, so eine argentinische Zeitung. Die Ausländerbehörde von Buenos Aires hatte dem britischen Traditionalistenbischof eine Frist von zehn Arbeitstagen gesetzt, um das Land freiwillig zu verlassen. Andernfalls werde er abgeschoben. In Frankreich droht Williamson unterdessen eine Rechtsklage. Die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus wolle in den kommenden Tagen in Frankreich Anzeige gegen ihn erstatten, meldet die französische Tageszeitung „Le Figaro“. In Frankreich steht die Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit 1990 unter Strafe, so die Liga zur Begründung. Williamson drohen nach Angaben des Blatts eine Haftstrafe bis zu einem Jahr oder hohe Bußgelder. (kna)

 

Newsletter von Radio Vatikan – 20.02.2009

 

Mit Blick auf die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bekräftigt, dass hinter das Zweite Vatikanische Konzil kein Weg zurückführe. Wenn die Bruderschaft einen Platz in der Kirche wolle, dann müsse sie die Autorität und das Lehramt des Papstes voll anerkennen, sagte er an diesem Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Freiburg. Dazu gehörten alle Konzilien, so Zollitsch. „Das wollen wir allen Menschen klar machen, denn das ist mit Blick auf die Zukunft für mich eine entscheidende Frage“, so der Erzbischof. In der Bischofskonferenz sieht er keine Differenzen zum Thema Pius-Bruderschaft. Zollitsch, der vor einem Jahr das Amt des Bischofskonferenz-Vorsitzenden übernommen hatte, sprach sich für ein stärkeres Besinnen auf das Prinzip der Subsidiarität in der katholischen Kirche aus. „Das, was vor Ort geregelt werden kann und im Rahmen des Katholischen möglich ist, das sollte auch vor Ort geschehen, selbstverständlich mit Information nach Rom“, sagte er. Auf diesem Wege wachse an der Basis nicht nur die Verantwortung, sondern auch die Solidarität und das gemeinsame Verständnis von Kirche. Da gelte es noch einiges zu entdecken und einiges in die Praxis umzusetzen. (kna)
 

Argentinien hat den Holocaust-Leugner Richard Williamson aufgefordert, das Land zu verlassen. Der britische Bischof und Angehörige der Pius-Bruderschaft müsse innerhalb von zehn Tagen das Land verlassen, sonst werde er ausgewiesen, teilte das argentinische Innenministerium mit. Mit der Leugnung der Shoah habe Williamson „die Argentinier, das jüdische Volk und die ganze Menschheit“ beleidigt, sagte Innenminister Florencio Randazzo nach Informationen der ARD. Außerdem gebe es „Unregelmäßigkeiten“ in seinen Aufenthaltspapieren. Der Brite habe die wirklichen Gründe für seinen Aufenthalt verschwiegen und angegeben, er arbeite für eine Nichtregierungsorganisation. Williamson hatte lange Zeit ein Priesterseminar in La Reja bei Buenos Aires geleitet, die Pius-Bruderschaft hat ihm diesen Posten allerdings vergangene Woche entzogen. Er gehört zu vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X., deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. Ende Januar aufgehoben hatte. Der Vatikan kommentierte das Vorgehen Argentiniens nicht. „Die Kirche hat damit nichts zu tun. Der argentinische Staat hat seine Gesetze angewandt“, sagte der italienische Kurienerzbischof Velasio De Paolis in einem Interview der Zeitung „La Repubblica“ (Freitagsausgabe). Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, begrüßte die Ankündigung Argentiniens, Williamson ausweisen zu wollen. – In einem Interview mit einem schwedischen Fernsehsender hatte Williamson gesagt, er denke, dass „200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben“ seien, aber „nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern“. Von seinen Äußerungen hat sich Williamson trotz der ausdrücklichen Aufforderung des Papstes bislang nicht distanziert. Der Vatikan erklärte, der Papst habe Williamsons Aussagen vor der Aufhebung von dessen Exkommunikation nicht gekannt. (kipa/pm)

 

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 19.02.2009

 

Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Bernard Genoud, glaubt nicht an eine rasche Wiedereingliederung der Piusbruderschaft. Bei Bischof Richard Williamson, einem der vier Lefebvre-Bischöfe, deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. aufgehoben hatte, ließen sich keinerlei Anzeichen der Reue erkennen, so Genoud in einem Zeitungsinterview. Der Bischof bewertete das Zugehen des Papstes auf die Piusbruderschaft aber insgesamt als positiv. Als Vertreter der Kirche in einem Land, in dem die Bruderschaft aktiv sei, hätte er sich jedoch gewünscht, über die Aufhebung der Exkommunikation vorher informiert zu werden, so Genoud. (apic)
 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 18.02.2009

 

Vatikan: „Ökumene ist für Katholiken eine Pflicht“
Die Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft in die katholische Kirche nährt in der evangelischen Kirche Sorgen um die Ökumene. Das sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber. Im Vatikan hält man aber weiterhin fest am ökumenischen Kurs, versichert der Ökumene-Verantwortliche, Kurienkardinal Walter Kasper, in einem Exklusiv-Interview mit Radio Vatikan.
„Die Position der katholischen Kirche zur Ökumene ist seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil völlig klar. Ökumene ist für uns nicht eine Option, sondern eine Pflicht, die in der Botschaft Jesu begründet ist. Das gilt auch für den Papst. Genau an demselben Wochenende, wo dieses Dekret über die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruderschaft Pius X. bekannt gegeben worden ist, hat der Papst in einer Predigt in St. Paul vor den Mauern zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen sich ausdrücklich, mit aller Deutlichkeit zur ökumenischen Bewegung bekannt. Ich kenne gar keinen anderen Kirchenführer, der so oft, so eindringlich und so klar über die Ökumene spricht und sich zur Ökumene bekennt. Dem Papst das Gegenteil zu unterstellen, ist ungerecht und geht an der Sache vorbei.“
Die zahlreichen Diskussionen – vor allem in Deutschland – seien in jüngster Zeit sehr aggressiv und anti-römisch geprägt, sagt Kardinal Kasper weiter. Doch auch hinter den vatikanischen Mauern sei einiges nicht optimal gelaufen.
„Man wird zugeben und einräumen müssen: Am Anfang sind dort Versäumnisse und Fehler in der Kommunikation gemacht worden. Das ist eindeutig, das ist klar. Aber die Diskussion, wie sie jetzt in Deutschland läuft, sprengt ja alle Maßstäbe. Was da zum Vorschein kommt, ist nicht nur Kritik an diesem oder jenem Verhalten der Kurie, sondern das ist einfach anti-römischer Affekt und zum teil einfach blanker Kirchenhass. Man macht den Papst lächerlich, nach dem Prinzip: Man schlägt den Sack und meint den Esel. Wenn man den Papst in dieser Weise heruntersetzt, und völlig ungerecht heruntersetzt, dann richtet sich das nicht nur gegen den Papst, dann richtet sich das gegen die katholische Kirche. Ich meine, die Katholiken müssten jetzt aufstehen, müssten sagen: das lassen wir uns nicht gefallen, das ist Intoleranz. Man stelle sich mal vor, man würde in dieser Weise über den Dalai Lama reden, dann wäre die Empörung sehr groß. Über den Papst ist das scheinbar möglich. Das geht nicht, das können wir uns nicht bieten lassen und das sollten wir auch deutlich sagen.“ (rv)
Hier lesen und hören Sie das Exklusiv-Interview mit Kardinal Walter Kasper. Das Gespräch führte Mario Galgano
 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 17.02.2009

 

Der Streit um den Papst und die Traditionalisten-Bischöfe geht in die nächste Runde. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ fordert der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller eine Entschuldigung von drei Regensburger Theologie-Professoren, die eine papstkritische Petition unterschrieben haben. In der Petition wird die uneingeschränkte Anerkennung aller Beschlüsse des Zweite Vatikanischen Konzils gefordert. Zugleich wird auch vor einer Rückwärtswendung von Teilen der Kirche in eine „antimodernistische Exklave“ gewarnt. Müller wirft den Professoren dem Bericht zufolge vor, Papst Benedikt beleidigt zu haben, und fordert eine schriftliche Distanzierung von der Petition binnen zwei Wochen. Außerdem müssten die Theologen vor ihm, Müller, erscheinen und das Glaubensbekenntnis sowie einen Treueid auf die Lehre der Kirche ablegen, schreibt die Zeitung. Andernfalls drohten „weitere Schritte“. (kna)
Die abtrünnigen Piusbrüder versuchen unbeirrt, einen „theologischen Dialog“ mit den deutschen Bischöfen in Gang zu bringen. Dabei hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, deutlich ausrichten lassen, dass er für ein solches Gespräch auf nationaler Ebene keinen Bedarf sieht. Der Obere des deutschen Teils der Piusbruderschaft, Franz Schmidberger, hat an Zollitsch einen „privaten Brief“ geschrieben, „um ihm konkrete Punkte einer theologischen Diskussion vorzuschlagen“. Ein Sprecher der Piusbruderschaft ließ am Dienstag wissen, der Verband lehne das Zweite Vatikanische Konzil „nicht in Bausch und Bogen ab“, stelle aber „einzelne Aussagen“ in Frage. Der Sprecher wörtlich: „Mit welchem Recht verweigert man uns in einer Kirche, in der alles hinterfragt wird, die Möglichkeit, über nichtdogmatische Aussagen zu diskutieren? Jeder darf heutzutage in der Kirche seine Meinung frei äußern, selbst gegen unverrückbare Dogmen. Nur der Bruderschaft will man von vornherein Grenzen setzen.“ Die Piusbruderschaft teilt mit, dass sie einen Theologen namens Matthias Gaudron für das erhoffte Gespräch mit den Bischöfen benannt hat. (pm)
 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 15.02.2009

 

Kirchenvertreter haben in Dresden jede Form von Nationalsozialismus verurteilt. Mehrere tausend Menschen erinnerten am Wochenende an die Opfer der Bombardierung vor 64 Jahren und demonstrierten zugleich gegen einen parallel stattfindenden Neonazi-Aufmarsch. Bei einem ökumenischen Gottesdienst kritisierte der katholische Bischof Joachim Reinelt den Nationalsozialismus scharf. Der damalige „Hass der Deutschen gegen die Welt“ sei „Dummheit und Hybris“ gewesen. Dieser Hass habe dann auf Dresden zurückgeschlagen. Auch der frühere Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums im englischen Coventry, Paul Oestreicher, kritisierte den Neonazi-Aufmarsch nachdrücklich: „Wenn die verblendeten, hasserfüllten Faschisten Europas durch diese Stadt marschieren wollen, ist uns das zuwider“, sagte Oestreicher während des Gottesdienstes. Zahlreiche Dresdener beteiligten sich an Friedensgebeten und Gottesdiensten in den Innenstadtkirchen und der Synagoge. Als Zeichen des Gedenkens trugen viele Menschen eine weiße Rose. - Dem Aufruf des Aktionsbündnisses „Geh denken“ aus Parteien, Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen waren nach Polizeiangaben rund 6.000 Teilnehmer gefolgt, etwa ebenso viele hätten sich an dem Neonazi-Aufmarsch beteiligt. - Beim Bombenangriff der Alliierten vom 13. bis 15. Februar 1945 starben nach Angaben von Historikern rund 25.000 Menschen. Seit Jahren wird in rechtsextremistischen Kreisen von einer weitaus höheren Opferzahl gesprochen und in diesem Zusammenhang das Wort „Bomben-Holocaust“ gebraucht. (afp)
Der Philosoph Robert Spaemann wirbt erneut um Verständnis für Benedikt XVI. In der Debatte über die Pius-Bruderschaft sei man dem Papst „mit einer beispiellosen Medienkampagne in die Quere gekommen und redet davon, er umarme die Traditionalisten und gehe rückwärts anstatt vorwärts“, kritisierte Spaemann gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Benedikt XVI. wolle jedoch als Papst in die Geschichte eingehen, der Spaltungen aufhebe und sie nicht noch vertiefe. Mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier illegal geweihten Bischöfen der Bruderschaft habe der Papst „in seiner Verantwortung als Hirte“ verhindern wollen, „dass diese Leute weiter ins Abseits driften und mit vier Bischöfen langsam eine richtige Gegenkirche aufbauen“, sagte der Philosoph. (kna/fas)
Positive Lehren aus den jüngsten Diskussionen um die Pius-Bruderschaft will der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke ziehen. Die Debatten sollten ein Ansporn sein, sich noch mehr um die Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu bemühen. In einem Hirtenwort, das in den Gemeinden des Bistums Eichstätt verlesen wurde, bedauert der Bischof, dass über das Konzil oft nur in Schlagworten gesprochen werde. „Die Gegner des Konzils nehmen mit dem Begriff ‚nachkonziliar' die Abqualifizierung des Konzils und der Gegenwart vor. Umgekehrt wird mit ‚vorkonziliar' oftmals alles vor dem Konzil als rückständig und überholt dargestellt.“ Beide Sprech- und Sichtweisen seien „Kategorien der Trennung“, die vom Ursprung der Kirche und von ihrer Zukunft abschneiden, so Bischof Hanke. Dem Konzil und Papst Benedikt XVI. seien hingegen Kontinuität und Identität ein großes Anliegen. Josef Ratzinger habe das Konzil als Theologe aktiv mitgestaltet. Die Rücknahme der Exkommunikation für vier illegal geweihte Bischöfe der Lefebvre-Bewegung sei Ausdruck des Bemühens um Einheit, einem der großen Anliegen des Pontifikats von Benedikt XVI., der sich als „Brückenbauer“ verstehe. Allerdings brauche es zur Versöhnung und Einheit stets beide Seiten. (pm)
 

Newsletter von Radio Vatikan – 14.02.2009

 

Nach Ansicht des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch gibt es bei der Piusbruderschaft weiterhin keine Anzeichen für eine echte Gesprächsbereitschaft mit der katholischen Kirche. Viele hätten nach der Aufhebung der Exkommunikation der vier Traditionalisten-Bischöfe damit gerechnet, dass die Piusbruderschaft in einen sachlichen Dialog über die Bedingungen einer vollen Rückkehr zur katholischen Kirche eintrete, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Freitagabend in Freiburg. Dafür gebe es aber keinerlei Anzeichen. Auch der jüngste Offene Brief des deutschen Distriktoberen der Bruderschaft, Franz Schmidberger, sei kein wirkliches Gesprächsangebot. Zugleich bekräftigte Zollitsch, die katholischen Bischöfe in Deutschland seien sich darüber einig, dass die Kirche nicht hinter die durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) begründete theologische Öffnung zurückgehen könne und werde. (kna)
Der Salesianerorden hat jetzt erklärt, dass der so genannte Don-Bosco-Schulverein nichts mit ihnen zu tun hat. Er sei eine Einrichtung der Pius-Bruderschaft. Und es sei bedauerlich, dass sie den Namen des Ordensgründers Giovanni Bosco nutzte, um ihre Ziele zu verfolgen. Da das Label „Don Bosco“ nicht geschützt sei, könne sich Jeder ungefragt mit dem Namen des populären Heiligen schmücken. Insofern betreibe die Pius-Bruderschaft Etikettenschwindel. Der Leiter der Salesíaner-Mission, Jean-Paul Muller, betont in einem Brief an die Förderer des Werkes, dass das Menschenbild der Pius-Bruderschaft in keiner Weise der Haltung und den Erziehungsmethoden Don Boscos entspreche. (kath.ch)

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 13.02.2009

 

Israel: Positive Reaktionen zur Papstrede an eine jüdische Kommission
Die klare Stellungnahme des Papstes zu Judentum und Holocaust vom Donnerstag war „keine Wende, sondern eine Bekräftigung“.
Das sagt der Päpstliche Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco. Die Worte Benedikts seien „klar, präzise und deutlich gewesen“, auch wenn sie inhaltlich nicht über schon längst Bekanntes hinausgegangen seien. Was der Papst gesagt habe, „ist schon lange Teil des Lebens und Erbes der Kirche“, so der Nuntius. Franco hofft, dass auf jüdischer Seite bald die Figur von Papst Pius XII. differenzierter gesehen wird; er hoffe auf „größere Gelassenheit“ und den Einsturz von „vielen Barrieren, die die Geschichte leider aufgestellt hat“. Wörtlich sagt der Nuntius voraus: „Die Wahrheit wird sich ihren Weg bahnen.“ (agi)
Die „Jerusalem Post” ist zufrieden mit den Worten von Papst Benedikt zum Judentum und zum Holocaust. In einem Artikel mit der Überschrift „Die Entschuldigung des Papstes“ wird begrüßt, dass der Papst am Donnerstag vor einer jüdischen Delegation aus den USA die Nähe zwischen Christen- und Judentum bekräftigt hat. Allerdings mahnt die Zeitung, Benedikt müsse dafür sorgen, dass sich Probleme wie unlängst nicht mehr wiederholten. In dem Artikel wendet sich die Zeitung ausdrücklich gegen eine mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII., den sie „Hitlers Papst“ nennt. – Die „Jerusalem Post“ hatte in einer ersten Reaktion auf den Williamson-Skandal einen unbefristeten Abzug des israelischen Botschafters vom Vatikan gefordert. (reuters)
Auch die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat die deutliche Verurteilung von Antisemitismus durch Papst Benedikt begrüßt. Die „unzweideutige Verurteilung“ jeder Leugnung des Holocaust und jeden Versuchs, „das Ausmaß der Shoah zu minimalisieren“, sei wichtig. Das meinte der Vorsitzende der Gedenkstätte, Avner Schalev, am Donnerstagabend in Jerusalem. Er hoffe, dass der Papst diese eindeutige Botschaft bei seinem bevorstehenden Besuch in Yad Vashem im Mai bekräftigen werde. – Der israelische Rundfunk berichtete in der Nacht zum Freitag, dass das Kabinett aufgefordert worden sei, bei seiner wöchentlichen Sitzung am Sonntag einem möglichen Papstbesuch Mitte Mai „höchste Priorität“ einzuräumen. Es wird erwartet, dass Benedikt vom 8. bis 15. Mai das Heilige Land besucht. (kna)
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel freut sich über die Worte des Papstes zum Holocaust.
In einem Interview mit der Tageszeitung „la Repubblica“ meint der Auschwitz-Überlebende allerdings, dass die Worte Benedikts nicht ausreichten: „Man sollte von den edlen Worten zur Tat übergehen und diesen Bischof“ – gemeint ist der Traditionalist Richard Williamson – „aus der Kirche verjagen.“ Er habe nie bezweifelt, dass Benedikt jede Leugnung des Holocaust entschieden ablehnt. Der Papst müsse aber dafür sorgen, dass gar nicht erst der Eindruck entstehen könne, „dass Williamson im Namen der Kirche spräche“. Der Lefebvre-Bischof müsse „aus der Kirche ausgeschlossen bleiben“, bis er bereue und ein „Mea Culpa“ sage, „das über jeden Zweifel erhaben ist“. Wiesel wörtlich: Williamson „schadet nicht so sehr uns Juden als der Kirche selbst. Solange er Bischof bleibt, wird er die Beziehungen der Kirche zu den Juden belasten.“ - Eine mögliche Papstreise nach Israel begrüßt er: „Das ist gut, wenn er fährt. Israel erhofft sich viel vom Dialog mit der Kirche.“ Wiesel erhielt 1986 den Friedensnobelpreis. (repubblica)

 

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 12.02.2009

 

Papst empfängt jüdische Vertreter
Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden „steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar gestärkt daraus hervorgehen.“ Diese versöhnlichen Worte sprach an diesem Donnerstag eine hochrangige jüdische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan aus. Das Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche „zutiefst und unwiderruflich dazu verpflichtet ist, allen Antisemitismus zurückzuweisen“. Auch zur Shoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: „Der Hass und die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, „waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei „über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch von der bevorstehenden Visite Papst Benedikts im Heiligen Land: „Das gelobte Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier.
 

 

Rabbiner: Historischer Tag
„Shalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man – nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann. Wie schon nach der Aufregung über die Karfreitags-Fürbitte war es wieder der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Österreicher, der dem Papst Gesprächsbereitschaft signalisierte – in einem „kritischen Moment für katholisch-jüdische Beziehungen“, wie er selbst sagte.
Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst dafür, dass dieser am Mittwoch letzter Woche seine Solidarität mit den Juden erklärt und jeder Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch dafür, dass sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul zur Konzilserklärung „Nostra Aetate“ bekennt, die für eine „Versöhnung zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb dafür, die Erinnerung an den Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das „Nie wieder“ müsse den nächsten Generationen vermittelt werden.
 

 

Zeichen für Israelreise
„Wie die Juden in der Wüste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdrückung und Demütigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gelähmt, sondern glauben weiter an den Hüter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch anerkannt wurde, als Erfüllung der Prophezeiung des Ezechiel: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.“ „Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“
Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene Tür zu einer Papstreise nach Israel. Schon länger war eine solche Visite für den Mai im Gespräch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten. Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: „Unsere Beziehung steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch zwischenzeitliche Rückschläge verkraften. Wir können sogar stärker daraus hervorkommen... Möge Er, der für Frieden im Himmel sorgte, uns helfen, Friede auch auf Erden zu schaffen.“
Außer Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen US-Präsidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Dachverbands der wichtigsten jüdischen US-Verbände. Auch Solow sprach von einem „kritischen Moment“ und „gespannten Beziehungen zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft“: „Die Aufforderung des Heiligen Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust zurückzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden darf.“
 

 

Appell gegen Antisemitismus
Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu engagieren. „Die Geschichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher Hass alle mit in den Abgrund zu reißen drohen, wenn man ihnen nicht entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas folgte ein Überfall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht direkt in Zusammenhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“
Und auch Solow fand klare Worte zu einer möglichen Papstreise ins Heilige Land: „Wir begrüßen und unterstützen die geplante Reise Eurer Heiligkeit nach Israel. Die Menschen und Führer in Israel sehen ihr wie wir erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen oder die Terrorismus gegen seine Bürger fördern.“
 

 

Worte des Papstes
Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache für die deutlichen Worte von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, „etwas Zeit mit meinen jüdischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an seinen Besuch in der Synagoge von Köln kurz nach seinem Amtsantritt – und an seine Visite auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mai 2006.
 

 

„Welche Worte können eine so tief bewegende Erfahrung adäquat wiedergeben? Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen Leids, dachte ich an die unzählige Schar von Gefangenen, darunter so vielen Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer Väter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch teilen, unseren Brüdern und Schwestern.“
 

 

„Wie können wir auch nur annähernd das Monströse begreifen, was in diesen infamen Gefängnissen stattgefunden hat? Die ganze menschliche Rasse fühlt tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an Eurem Volk gütlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser düsteren Gelegenheit sagte: Die Führer des Dritten Reichs wollten das ganze jüdische Volk vernichten, um es aus den Reihen der Völker dieser Erde auszulöschen.“
 

 

Papst bereitet Israelreise vor
Auch Benedikt kam dann auf eine mögliche Reise nach Jerusalem zu sprechen.

 

„Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich, die Kirche nährt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk Israel ist – und auf den die wilden Ölbaum-Äste der Heiden aufgepfropft wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neuformulierte Karfreitagsfürbitte – ein Zitat aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. „Seit den frühesten Tagen des Christentums ist unsere Identität und jeder Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion unserer Väter im Glauben rückgebunden.“

 

Mit der Formulierung „Väter im Glauben“ variierte der Papst die berühmte Formel, die sein Vorgänger Johannes Paul beim Besuch der römischen Synagoge gefunden hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die „älteren Brüder“ der Christen bezeichnet.
 

 

„Die zweitausendjährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle. Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Versöhnung treffen können, sollten wir früheren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo gäbe es denn auch eine Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“
 

 

Benedikt XVI. und das Konzil
Der Papst nannte die Konzils-Erklärung „Nostra Aetate“ einen „Meilenstein auf unserem Weg zur Versöhnung“. „Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdrückt, dann ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um Vergebung bittet für alle Ungerechtigkeit, die das jüdische Volk erlebt hat.“
 

 

„Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir sind tief betrübt über das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte diesen deinen Kindern Leid zugefügt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und wir verpflichten uns selbst zu wahrer Brüderlichkeit mit dem Volk des Bundes.“

 

Noch einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust:

 

„Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Shoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit. Das sollte jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen... Es ist über jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Die Shoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“

 

Zu Recht sei Erinnern auch „memoria futuri“, also ein Warnzeichen für die Zukunft, so Papst Benedikt. Die Menschheit müsse alles tun, um eine ähnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an den Holocaust „unsere Entschlossenheit stärkt, die Wunden zu heilen, die zu lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht haben.“
Es war eine große Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und ein klares Signal, dass der Vatikan aus dem Fall Williamson seine Lehren gezogen hat. Auch die Türen zu einer Papstreise nach Israel sind an diesem Donnerstag für alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch gesagt: „Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter. (rv)
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Vatikan: Rabbi Schneier - „Papst ist ein Brückenbauer“
Eine freundliche Atmosphäre herrschte beim Treffen des Papstes mit den Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände in den USA. Das bestätigt nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der Gastgeber beim US-Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner Synagoge in New York empfing. Gegenüber Radio Vatikan erzählt der gebürtige Österreicher, wie es diesmal beim Papst war:
 

 

„Er hat nicht nur mich sehr herzlich begrüßt. Ich habe die ganze Delegation vorgestellt. Er war sehr persönlich und sehr warmherzig. Wir haben über das Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch miteinander.“

 

Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage für einen Holocaust-Überlebenden wie ihn „schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien.
 

 

„Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch die Williamson-Affäre eine große Spannung entstanden. Doch mit der Erklärung des Papstes wurde eine klare Richtung gesetzt. Und ich habe gespürt, dass es sich nicht nur um eine selbstverständliche Erklärung handelte sondern auch eine sehr persönliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret „Nostra Aetate“ und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“
 

 

Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Lefebvristen-Bischöfe ist eine große Herausforderung für die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter hinzufügt.
 

 

„Die Williamson-Affäre ist nicht eine jüdische Angelegenheit. Die Frage ist aber, ob er „Nostra Aetate“ akzeptiert oder nicht. Und es geht nicht nur um Bischof Williamson. Es geht um die Pius-Bruderschaft. Sie müssen Stellung nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen die Holocaust-Leugnung sein müssen.“

 

Eine mögliche Papstreise im Frühling könnte den jüdisch-katholischen Dialog weiter stärken, glaubt Arthur Schneier.
 

 

„Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer, der Brücken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden weiter halten kann.“ (rv)
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Die Audienz für jüdische Vertreter - ein Durchbruch
Zur Papstaudienz von diesem Donnerstag eine Einschätzung von Stefan Kempis.
Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40 Sekunden. Diese Zeit hat genügt, um einen ersten Schlussstrich unter den Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Selten sprechen Papst-Gäste eine so deutliche Sprache. Wohl noch nie außer in Auschwitz hat Benedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so unmissverständlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Vergebungsbitte von Johannes Paul gestellt. Das war ein „Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die Tür zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das war der Empfang für Botschafter aus mehrheitlich islamischen Ländern, nach der Regensburger Rede des Papstes. Was die Audienz damals für die Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz von diesem Donnerstag für die Beziehungen zum Judentum. Ein Durchbruch. Willkommen in Jerusalem, Heiliger Vater. (rv)

 

Deutschland
Die bayerischen Bischöfe haben Papst Benedikt XVI. ihre Unterstützung versichert. Angesichts der „verzerrten Diskussion“ über die Kirche und auch über Amt und Person des Papstes dränge es sie, ihre „unverbrüchliche Solidarität“ zu bekunden, heißt es in einem Brief des Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx, im Namen der Bischöfe. „Wir sind und werden jedem Versuch, die katholische Kirche und Sie als unseren Heiligen Vater mit zweideutigen und unklaren Äußerungen in die Nähe des Antisemitismus zu rücken, mit aller Entschiedenheit entgegentreten.“ Die Haltung und die Äußerungen des Papstes seien klar und unmissverständlich. Mit Blick auf die Lefebvrianer heißt es in dem Brief: „Wir wissen um Ihren von geistlicher Tiefe und theologischer Kompetenz geprägten Einsatz für die Einheit der Kirche, auch im Blick auf die, die Ihre ausgestreckten Hände nicht ergreifen wollen.“ Die bayerischen Bischöfe riefen zugleich zum Gebet für das Oberhaupt der katholischen Kirche auf. (pm)
Die Piusbruderschaft sucht das Gespräch mit den deutschen Bischöfen über theologische Fragen. Das hat der deutsche Zweig der Vereinigung in einer Pressemitteilung an diesem Donnerstag bekannt gegeben. Thema dieser Gespräche sollen nicht allein die strittigen Fragen um das Konzil, sondern vor allem auch die Kritik an der nachkonziliaren Entwicklung sein. Als zentralen Punkt nannte Pater Franz Schmidberger, der Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. für Deutschland, das Selbstverständnis der katholischen Kirche. „Versteht sie sich noch als die allein von Christus gegründete Kirche, welche die Fülle der Offenbarung besitzt?“, fragt sich Schmidberger. Die katholische Kirche müsse auch unpopuläre Wahrheiten verkünden, etwa in der Frage, war den Menschen nach dem Tod erwarte und ob Christus der Erlöser aller Menschen sei. Solche Fragen seien bei den Katholiken heute umstritten. Daran zeigten sich die Früchte der „verwässerten Verkündigung von dreißig Jahren“. Schmidberger sagte, grundsätzlich sei man dazu bereit, „mit jedem zu diskutieren“. Etwa könnten die deutschen Bischöfe „einen oder zwei Theologen benennen, die mit uns über die Punkte sprechen, die wir als problematisch empfinden“. (pm)

 

Österreich
Der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng glaubt, dass die Spaltung zwischen der katholischen Kirche und der Piusbruderschaft nach wie vor besteht. Durch die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Gemeinschaft sei „ein Schranken hochgegangen“, um ein Gespräch beginnen zu können. Es werde sich zeigen, ob die Piusbruderschaft nun bereit ist, sich mit der Kirche wirklich auszusöhnen. „Die aktuelle Diskussion wird das alles aber erschweren.“ Zu den österreichischen Mitgliedern der Bruderschaft in Jaidhof habe er bisher keinen Kontakt gehabt, so Küng. „Die Bruderschaft hier hat mit mir noch nicht das Gespräch gesucht. In Feldkirch, wo gar nicht weit entfernt das wahrscheinlich größte Zentrum der Lefebvrianer ist, hatte ich mehrere Kontakte. Dort gab es mehrere schmerzhafte Entscheidungen meinerseits, weil ich ihnen zum Beispiel nicht erlaubt habe, Trauungen durchzuführen“. Er sei bereit, „jedem die Hand zu reichen“, werde sich aber gleichzeitig das positive Gesprächsklima in der Diözese St. Pölten „durch nichts und niemanden“ stören lassen. (kap)
Der Feldkircher Bischof Elmar Fischer hat sich für seine Aussagen entschuldigt, wonach Homosexualität eine „psychische Krankheit“ sei, die in vielen Fällen geheilt werden könne. Die Äußerungen hatten heftige Reaktionen in Österreichs Öffentlichkeit ausgelöst. Er sei in seinen Aussagen, die er in dem ORF-Interview getätigt hatte, „offenkundig von einem nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur ausgegangen“, betonte Fischer am Donnerstag: „Es lag mir fern, mit meinen Aussagen Menschen zu verletzen.“ Als Diözesanbischof sei es ihm „ein Anliegen, jungen Menschen auf dem Weg in ein erfülltes, segensreiches Beziehungsleben Wegbegleiter zu sein“. Die Beziehungsfähigkeit sei „in der heutigen Gesellschaft, einer schnelllebigen und bunten Welt, von großer Bedeutung“. Dazu brauche es „bleibende Werte, die im Glauben erfüllt werden“, so Fischer. (kap)
In der Debatte um den Umgang mit Traditionalisten warnt der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser vor einer „Gesundschrumpfung“ der Kirche „gleichsam auf eine Sekte“. Eine religiöse Gemeinschaft als Kirche wolle möglichst am Puls der Zeit sein, die Gesellschaft mit gestalten und lade alle zur Mitgliedschaft ein, erläuterte Kothgasser in einem Interview auf der Webseite des Erzbistums. Als „Sekte“ dagegen wolle eine religiöse Gemeinschaft möglichst „Kontrastgesellschaft“ sein, sich von der Gesellschaft abschotten und nur bestimmte Menschen als Mitglieder einladen. Zu einer Wiederherstellung der Gemeinschaft mit der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft äußerte sich Kothgasser vorerst skeptisch. Es verstehe das Anliegen des Papstes, die Einheit der Kirche wiederherzustellen. Doch wer das Zweite Vatikanische Konzil ablehne, befinde sich nicht mehr auf dem Boden der römisch-katholischen Kirche. (kap)

 

Newsletter von Radio Vatikan – 11.02.2009

 

Vatikan: Misstöne verklingen
Die jüngsten Misstöne zwischen Vertretern des Judentums und dem Vatikan sind im Begriff zu verklingen. Das erklärt P. Norbert Hofmann, der Sekretär der Kommission für die Beziehungen zum Judentum am päpstlichen Einheitsrat. Gerade in diesen Tagen wollten viele jüdische Gruppen Papst Benedikt persönlich treffen, sagte uns der Vatikan-Verantwortliche für den Dialog mit dem Judentum. Zur Frage der „Judenmission” stellt P. Hofmann klar: „Es kann nicht darum gehen, dass der eine den anderen überzeugt zu konvertieren… Wenn wir im jüdisch-christlichen Gespräch diese Intention hätten, könnten wir diesen Dialog vergessen.” Die Vorbereitungen für die Papstreise nach Israel – deren definitive Bestätigung durch den Vatikan noch aussteht – seien niemals abgebrochen worden, auch nach Bekanntwerden der Äußerungen des traditionalistischen Bischofs Richard Williamson. (rv)
Hier das Interview mit P. Norbert Hofmann, die Fragen stellte Gudrun Sailer
 

 

Deutschland: „Katholiken können Holocaust nicht leugnen”
Den Holocaust zu leugnen, ist für einen Katholiken nicht möglich, weil es sich beim Holocaust um ein Glaubenszeugnis handelt. Das betont der Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik an der Schweizer Universität Fribourg, Andreas Müller. Er engagiert sich bei der Edith-Stein-Gesellschaft in Deutschland. Die Gesellschaft beschäftigt sich im Augenblick mit den Auseinandersetzungen um die Pius-Bruderschaft. Die Mitglieder der Edith-Stein-Gesellschaft hat vor allem zwei Aspekte bewegt, so Andreas Müller,

 

„dass es sich im Holocaust um ein Glaubenszeugnis handelt, das solche Leute wie Edith Stein abgelegt haben, und das sagt, Religionen dürfen auf gar keinen Fall Anlass von Rassismus und Gewalt sein, sondern im Gegenteil, wir müssen an der Seite von Menschen stehen, die davon betroffen sind und heimgesucht werden. Und der zweite Punkt, der uns bewegt hat in der Spur Edith Steins, war die Tatsache, dass schon im Bürgerlichen Gesetzbuch die Holocaust-Leugnung strafbar ist und wir uns gefragt haben, warum ist sie das eigentlich im kirchlichen Gesetzbuch nicht? Daher wollen wir entsprechend auch da Maßnahmen fordern.”

 

Als Deutscher, der in der Schweiz doziert, sieht Müller auch die Unterschiede in der Wahrnehmung der Auseinandersetzung.
 

 

„Die Schweiz ist wahrscheinlich sogar noch mehr mit betroffen, weil eben da das Priesterseminar in Ecône ja auf dem Gebiet der Schweiz liegt und die Studierenden und auch die Professuren haben ganz klar ... sehr schnell Stellung genommen. Die Situation in der Schweiz ist da auch geprägt, zumal es da auch eine starke jüdische Minderheit gibt, die sich durchaus zu Wort melden kann. Ich sehe da keine allzu großen Differenzen zwischen Deutschland und der Schweiz.” (pm)
Hier zum Nachhören

 

Deutschland
Erzbischof Robert Zollitsch spricht sich für regelmäßige gemeinsame Sitzungen der Entscheidungsträger im Vatikan aus. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof fände es gut, wenn sich die Kurienkardinäle im Vatikan wenigstens alle paar Wochen mit dem Papst zum Austausch treffen würden. Das sagte Zollitsch dem „Mannheimer Morgen” am Mittwoch. Die derzeitige Krise um die Piusbruderschaft habe Fehler in den Kommunikationsstrukturen des Vatikans deutlich gemacht. Der Erzbischof bemängelte auch, dass der Vatikan die Kirche in Deutschland nicht früh genug über die geplante Rücknahme der Exkommunikation der Traditionalisten-Bischöfe informiert habe. (kna)

 

Österreich
Der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz hat in einem Schreiben an alle Mitarbeiter der Diözese zum Dialog aufgerufen und ein Ende von „Spaltung und Ablehnung“ gefordert. Zugleich versicherte er im Blick auf die Debatten um den designierten Weihbischof Gerhard Maria Wagner, dass er den bewährten Weg des Miteinanders von Priestern und Laien in der Diözese auch in Zukunft fortsetzen wolle. Gesondert äußerte sich der Diözesanbischof am Mittwoch zu einer Stellungnahme der Dechanten der Diözese Linz vom Dienstag, in der diese die Bestellung von Wagner zum Weihbischof ablehnten. Er verstehe die Stellungnahme der Dechanten „als Ausdruck einer ernsten Sorge um den gemeinsamen Weg als Kirche“, so Schwarz. Diese Sorge werde in den offiziellen Beratungsorganen mit ihm und den anderen Verantwortlichen der Diözese besprochen werden, kündigte der Bischof an: „Noch vor der Weihe des neuen Weihbischofs werden im März der Pastoralrat, der Priesterrat und die offizielle Dechantenkonferenz tagen.“ (kap)
Gläubige sollten angesichts der Diskussion um die Lefebvrianer nicht resignieren, sondern die Krise auch als Chance sehen. Das betonte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. In seinem Leitartikel in der aktuellen Ausgabe des Mitarbeitermagazins der Erzdiözese Wien „Thema Kirche”, schreibt Schönborn, er habe Verständnis, dass die Vorgänge „Kopfschütteln, Trauer, Empörung und Unverständnis auslösen”. Zugleich sehe er aber auch konstruktive Impulse aus der Debatte hervorgehen. Krisen seien immer Momente, in denen Entscheidungen und Klärungen notwendig würden, so Schönborn. Seitens der Kirche sei jetzt ein „verstärktes Bemühen um Solidarität und ein Zugehen auf Menschen” vonnöten. - In seinem Artikel stellte sich Schönborn zudem klar hinter Papst Benedikt. Selbst wenn dieser in bester Hirtenabsicht „vielleicht nicht alle möglichen Einwände und Gefahren bedacht haben sollte”, was ja nur menschlich sei, könne kein Zweifel an den „überragenden Qualitäten” Benedikts als Nachfolger Petri bestehen. (kap)
Die Kirche muss in der aktuellen Debatte um die Lefebvre-Bischöfe die Inhalte des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder stärker vermitteln. Das betonte der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser in einem Interview, das am Dienstag auf der Homepage der Salzburger Diözese veröffentlicht wurde. Ureigenste Aufgabe der Kirche sei es, „bei Gott und den Menschen zu sein”, so Kothgasser. Wörtlich sagte er: „In einer Zeit, wo die Gottesfrage höchst dringlich geworden ist, können wir es uns nicht leisten, alle Kräfte für ständige Auseinandersetzungen einzusetzen und damit langsam das Wesentliche zu verlieren.” Er wünsche sich eine Kirche, die nicht nur „linientreuen” Mitglieder offen steht, sondern „Raum für Vielfalt bietet” und „Gesellschaft von innen her prägt”. Zu einer solchen Kirche hätte sich die Piusbruderschaft bisher nicht bekannt, sagte Kothgasser. Die Lefebvrianer hätten sich quasi selbst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, da sie das Zweite Vatikanische Konzil ablehnten. Auch in den jüngsten Aussagen der Piusbrüder zu wichtigen Beschlüssen des Konzils, so Kothgasser weiter, sehe er keine Basis für eine Wiedervereinigung. Scharf ging der Salzburger Erzbischof mit dem Holocaustleugner Richard Williamson ins Gericht: Es sei für niemanden zulässig den Holocaust zu leugnen und könne bei niemandem toleriert werden. „Menschen, die den Holocaust leugnen disqualifizieren sich selbst”, so Kothgasser. (pm/kap)

 

Niederlande
Die niederländischen Bischöfe haben ihren Wunsch nach einer raschen Zusammenkunft mit der jüdischen Gemeinschaft des Landes bekräftigt. Sie reagierten in einer am Dienstagabend in Utrecht veröffentlichten Erklärung damit auf die „fortdauernde Unruhe”, die von der Holocaust-Leugnung des Lefebvrianer-Bischofs Richard Williamson ausgelöst worden sei. Ausdrücklich verurteilen sie Williamsons Äußerungen als absurd, verwerflich und respektlos. Die niederländischen Bischöfe weisen darauf hin, dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvrianer-Bischöfe keine Rehabilitierung sei. Es handle sich nur um einen ersten Schritt, um ein Gespräch mit der Piusbruderschaft möglich zu machen. Einheit mit der römisch-katholischen Kirche könne die Bruderschaft nur erreichen, wenn sie vollständig das Zweite Vatikanische Konzil anerkenne. Die Bischöfe unterstreichen, sie teilten Sorge und Schmerz, die die Affäre Williamson unter den Katholiken des Landes ausgelöst habe. An die Gläubigen und die gesamte Gesellschaft gerichtet heißt es in der Erklärung, sie könnten darauf vertrauen, dass Antisemitismus keinen Platz in der Kirche habe. (kap)

 

Frankreich
Die „Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus” (LICRA) will Anzeige gegen den Lefebvrianer-Bischof Richard Williamson wegen seiner Holocaust-Leugnung erstatten. Die französische Menschenrechtsorganisation erklärte am Mittwoch in Paris, damit solle seine Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit von der französischen Justiz verfolgt werden. Dies kann in Frankreich mit bis zu einem Jahr Haft und einer Geldbuße von bis zu 45.000 Euro bestraft werden. Der Anwalt der Organisation, Alain Jakubowicz, sagte gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA, eine strafrechtliche Verfolgung Williamsons durch die französische Justiz sei möglich. Zum einen sei der schwedische Fernsehsender, in dem Williamson die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis bestritten und die Existenz von Gaskammern geleugnet hatte, als Satellitensender auch in Frankreich zu empfangen. Zum anderen sei eine im Ausland begangene Straftat eines Ausländers in Frankreich dann zu verfolgen, wenn das Opfer französisch sei. Die LICRA könne diesen Opferstatus für sich beanspruchen. - Die LICRA war 1928 in Paris als „Internationale Liga gegen den Antisemitismus” gegründet worden. 1979 änderte sie ihren Namen in „Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus”. Die Organisation unterhält unter anderem Sektionen in Österreich und der Schweiz. (kap)
 

 

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 10.02.2009

 

Kardinal Karl Lehmann hat die neuen Äußerungen des Lefebvristen-Bischofs Richard Williamson zum Holocaust zurückgewiesen. „Ich bin entsetzt, dass er nun sagt, er muss dies erst studieren, und das wird Zeit brauchen“, sagte der Mainzer Bischof in der ARD-Talksendung „Beckmann“ am Montagabend. Wenn Williamson dabei bleibe, müsse die Exkommunikation wieder in Kraft treten. Das sei kirchenrechtlich möglich, sagte der Kardinal. Was die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Bruderschaft betrifft, sagte Lehmann, er habe „nie einem Zweifel an den lautersten Absichten“ des Papstes gehegt. Allerdings könne er nicht verstehen, „dass man nicht messerscharf die Bedingungen formuliert und auch veröffentlicht hat, unter denen dann eine Aufhebung der Exkommunikation stattfinden kann.“ (kap)
Protestanten sollten den jüngsten Streit in der römisch-katholischen Kirche nicht mit Schadenfreude verfolgen. Diese Ansicht vertritt der württembergische Landesbischof Frank Otfried July. Er reagierte damit auf die öffentliche Kritik an der Entscheidung von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. aufzuheben. Er halte die Entscheidung des Papstes für falsch und „in gewisser Weise für anti-ökumenisch“. Aber von evangelischer Seite solle man den Kritikern nicht vorschnell Beifall klatschen, sagte July bei der Mitgliederversammlung des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften) in Schwäbisch Gmünd. Es sei jedoch schmerzlich, wenn in der öffentlichen Debatte beim Wort „Kirche“ nur noch an interne Auseinandersetzungen gedacht werde. Angesichts von Austritten aus der katholischen Kirche aufgrund der Papstentscheidung bedauerte July, dass auch die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche zunehmend fast wie eine Vereinsmitgliedschaft angesehen werde. Bei Nichtgefallen des Angebots gehe man in einen anderen Verein. Auch Landeskirchliche Gemeinschaften seien inzwischen von einer solchen Haltung betroffen. (idea

 

Frankreich
Die Pius-Bruderschaft bekräftigt ihre Vorbehalte gegenüber dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Das betonte nun der Generalobere der Pius-Bruderschaft, Bernard Fellay. „Es gibt einen gefährlichen Geist, der das ganze Konzil durchzieht, und in diesem Sinne lehnen wir es ab“, sagte Fellay der französischen Wochenzeitschrift „Famille chretienne“. Die Bruderschaft lehne die Texte des Konzils nicht vollständig ab, es gebe allerdings Punkte, die Papst Benedikt XVI. als Ausdruck der Tradition der Kirche bezeichne, obwohl sie es in der Sicht der Bruderschaft nicht seien. Fellay warf der katholischen Kirche laut vorab veröffentlichtem Interview-Wortlaut vor, sie verzichte durch die Betonung der Ökumene auf eine Bekehrung Andersgläubiger. Nach Ansicht der Piusbruderschaft müsse die Kirche aber stets daran erinnern, dass sie über die gesamte offenbarte Wahrheit verfüge. Zum Verhältnis zum Judentum sagte der Generalobere, sie seien in dem Sinn die älteren Brüder der Christen, als beide etwas gemeinsam hätten. Allerdings reiche das nicht aus, damit sie gerettet würden. – Das vollständige Interview soll nach Angaben der Zeitschrift am Mittwoch im Internet und am Samstag in der Druckausgabe erscheinen. (kna)

 

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 09.02.2009

 

Argentinien: Traditionalisten setzen Williamson als Seminarleiter ab
Das Leugnen der Shoah durch den traditionalistischen Bischof Richard Williamson hat Folgen. Offenbar hat ihn die Priesterbruderschaft St. Pius X. als Leiter eines Priesterseminars bei Buenos Aires abgesetzt. Das berichtet eine argentinische Nachrichtenagentur. Derweil mehren sich auch in der katholischen Kirche Stimmen, die einen Ausschluss Williamsons fordern.
Die Nachricht kam per Fax: Williamson sei von der Leitung des Seminars La Reja in Argentinien entbunden worden. Das erklärte Pater Christian Bouchacourt, führendes Mitglied der Lefebvre-Anhänger in Lateinamerika, in einer dürren Mitteilung. Williamsons Äußerungen gäben „nicht im geringsten die Haltung unserer Gemeinschaft wieder“, so das Schreiben weiter. Eine offizielle Bestätigung für die Absetzung von Williamson lag zunächst nicht vor. Am vergangenen Mittwoch hatte Papst Benedikt den abtrünnigen Bischof aufgefordert, seine Leugnung des Völkermords an den Juden unmissverständlich und öffentlich zurückzunehmen. Dies lehnt der 68-Jährige aber in einem schriftlich geführten Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ab. Williamson leitete seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja westlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. (diverse)

 

Israel: Neuer Dialog mit Vatikan
Das Oberrabbinat will die Religionsgespräche mit dem Vatikan wieder aufnehmen. Die jüdischen Dialogpartner sagten ein zwischenzeitlich aufgekündigtes Treffen im April wieder zu. Das bestätigte die päpstliche Kommission für Beziehungen zum Judentum am Wochenende gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Die Krise ist beigelegt, und sie werden kommen“, sagte der Sprecher der von Kardinal Walter Kasper geleiteten Fachstelle. Lediglich könne sich der ursprüngliche Termin vom 1. bis 4. April aus technischen Gründen noch geringfügig verschieben. Den Angaben nach hatten sich der Apostolische Nuntius in Israel, Erzbischof Antonio Franco, und Kardinal Walter Kasper persönlich darum bemüht, die Wogen nach der Aufhebung der Exkommunikation für den Holocaust-Leugner Richard Williamson wieder zu glätten. Bei der theologischen Gesprächsrunde im Frühjahr – der achten seit Aufnahme der Religionsgespräche 2002 – sollte es ursprünglich um ökologische Fragen gehen; das Thema könne sich aber jetzt noch ändern, hieß es. Die für Mai erwartete Israelreise von Papst Benedikt XVI. ist nach Einschätzung der vatikanischen Dialogkommission durch die Traditionalisten-Affäre nicht in Gefahr. Die Vorbereitungen gingen unvermindert weiter. (kna)

 

Deutschland: „Weiter nicht möglich”
Eine Gemeinschaft im Gottesdienst und in den Sakramenten mit Bischöfen und Priestern der Pius-Bruderschaft ist für einen katholischen Christen weiterhin nicht möglich. Das betont das Bistum Aachen. Heute könne kein katholischer Christ mit gutem Gewissen Meinungen der Priesterbruderschaft vertreten, an ihren Gottesdiensten teilnehmen oder von ihren Priestern Sakramente erbitten. (pm)

 

Deutschland: Sterzinsky fordert Klärung
Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky fordert eine weitere Klärung im Fall Williamson. Er verstehe den Papst, dass er „in die Irre gegangene Söhne“ wieder in die Kirche holen wolle, sagte Sterzinsky am Sonntagabend in Hamburg. Doch dazu wünsche er sich Klarstellungen. Darunter seien die Fragen, ob die vier Bischöfe das Zweite Vatikanische Konzil mit allen Beschlüssen teilten, welchen Platz sie künftig in der Kirche einnehmen wollten, welche Aufgaben ihnen übertragen würden und ob sie die Piusbruderschaft, der sie angehören, mitbrächten, erklärte der Kardinal. Sterzinsky hob hervor, die Leugnung des Holocaust durch Williamson habe mit der früher ausgesprochenen Exkommunikation nichts zu tun. Doch sei eine solche Aussage von höchster Gewichtigkeit. „Wer den Holocaust leugnet, steht außerhalb der Gemeinschaft unserer Kirche“, unterstrich der Kardinal. (kna)

 

Österreich: „Rückkehr Williamsons in Kirche ausgeschlossen“
Der Heiligenkreuzer Abt Gregor Henckel-Donnersmarck hält es für ausgeschlossen, dass Bischof Williamson in die katholische Kirche zurückkehren kann. In einem Interview sagte er wörtlich: „Williamson ist ein Terrorist, der eine Bombe gelegt hat. Die Aussagen dieses Idioten sind ein Zeichen extremer Dummheit. Aber all die, die jetzt den Papst kritisieren, sind in seine Falle gegangen und tun genau das, was Williamson beabsichtigt hat. Er ist ein Zündler und will, dass es brennt.“ Williamson scheine aber so dumm zu sein, dass „man ihm über die Konsequenz seines Handelns nicht alle Übersicht zusprechen kann.“ Er persönlich sei ein „erklärter Gegner“ der Piusbruderschaft, sagte Henckel-Donnersmarck. Allerdings halte er wenig von einer neuerlichen, diesmal politisch motivierten Exkommunikation Williamsons. Die Exkommunikation habe sich auf die unerlaubte Weihe bezogen, aber die Aussagen von Williamson seien „politisch, obszön und niederträchtig“. (kap)

 

Schweiz: Der Abt zweifelt
Der Abt von Einsiedeln, Martin Werlen, nennt eine Exkommunikation eine „therapeutische Maßnahme“. Diese solle zur Einsicht und zur Umkehr führen, meinte er am Wochenende in einem Interview. Die Annullierung einer Exkommunikation setze die therapeutische Wirkung voraus. Im aktuellen Fall der Lefebvre-Anhänger gebe es diesbezüglich große Fragezeichen, nicht nur bei Williamson, sondern bei allen vier betroffenen Lefebvre-Bischöfen, so der Benediktinerabt. Der Entscheid des Papstes sei seines Erachtens zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Umständen problematisch. Wer eine Exkommunikation aufhebe, müsse die Betroffenen sehr gut kennen. Das sei aber offensichtlich nicht der Fall gewesen. „Ich hoffe, dass wir als Kirche aus dem entstandenen Desaster etwas lernen“, so Werlen. Es sei fahrlässig, solche Entscheidungen einsam zu treffen, ohne dass das weltweite katholische Netz in Anspruch genommen werde. Der einsame Entscheid in Rom räche sich jetzt. (kipa)

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 08.02.2009

 

Vatikan/D: Angela Merkel und Papst Benedikt räumen Missverständnisse aus
Papst Benedikt XVI. und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in einem Telefonat über die Verstimmungen der vergangenen Tage geredet. „Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Shoah für die Menschheit“, teilten der vatikanische Pressesaal und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der Papst und die Kanzlerin hätten „in großem gegenseitigen Respekt“ ihre Haltungen ausgetauscht. Es sei die Bundeskanzlerin gewesen, die um das Gespräch gebeten habe, so die Mitteilung. Zu der Verstimmung zwischen deutscher Bundesregierung und Heiligem Stuhl  war es nach der Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. gekommen, als Merkel eine klare Haltung des Vatikans im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson gefordert hatte. Unionspolitiker und Kirchenvertreter sprachen daraufhin von einer nicht akzeptablen Einmischung in kirchliche Angelegenheiten.

 

Der Vatikansprecher und der Sprecher der Bundesregierung verwiesen jetzt noch einmal auf die Erklärung des Papstes von der Generalaudienz am 28. Januar und der Bundeskanzlerin vom vergangenen Donnerstag. Am Mittwoch hatte der Papst von Williamson einen Widerruf verlangt. Merkel begrüßte daraufhin die Haltung des Vatikans als „wichtiges und gutes Signal“. (rv)

 

D: Zollitsch wünscht Solidarität mit Papst Benedikt
Zu Solidarität mit Papst Benedikt hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, aufgerufen.
Zwar gebe es in der Auseinandersetzung mit der  Priesterbruderschaft Pius X. weiterhin Diskussionsbedarf, räumte Zollitsch in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ ein. „Auf keinen Fall aber verdient der Papst den  jetzt so oft erhobenen Vorwurf einer restaurativen Gesinnung.“ Benedikt XVI. habe die Exkommunikation der vier Traditionalisten-Bischöfe aufgehoben, um einen endgültigen Bruch zwischen der Gemeinschaft und der Kirche zu verhindern.


Ein solches Schisma während seines Pontifikats sei für den Papst ein „Albtraum“, sagte der Erzbischof. Benedikt XVI. sei „mitnichten 'der Entrückte', der fernab der Geschichte und der Menschen eine starre Glaubenslehre um jeden Preis verteidigt“. Dem Papst gehe es vielmehr darum, „die Kirche aus ihren Wurzeln lebendig zu halten, statt diese Wurzeln zu kappen“. In diesem Bemühen verdiene er die Unterstützung aller Katholiken.


Es brauche jetzt Gesten, „die zeigen, dass die Kirche in frischer Weise nach vorne schaut und die Nähe ganz besonders auch zu den modernen Menschen sucht, die oft ohne eine katholische Erziehung und mit Vorstellungen und einem Freiheitsbewusstsein leben, das kirchlichen Vorstellungen eher fern ist“, betonte der Freiburger Erzbischof.


Zugleich erneuerte Zollitsch seine Kritik an der Vorgehensweise der Kurie. „Unübersehbar liegt ein wesentlicher Grund für das entstandene Durcheinander darin, dass die römischen Behörden weitgehend unverbunden nebeneinander arbeiten und ihre Vorschläge machen, ohne zunächst darüber zu sprechen, wie diese sich ins Ganze einfügen“, so der Bischofskonferenz-Vorsitzende wörtlich. Die Frage sei, „ob man in Rom nicht lernen und Verfahren einüben muss, wie die adäquate Abstimmung und entsprechende Zuarbeit für den Papst auszusehen hat“.


Zweifel äußerte Zollitsch hinsichtlich einer Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) durch die Piusbruderschaft. In der „Bild am Sonntag“ verurteilte er zudem ein weiteres Mal die Äußerungen des britischen Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson. Dieser hatte wiederholt die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis bestritten und die Existenz von Gaskammern geleugnet. "Herr Williamson ist unmöglich und unverantwortlich. Ich sehe jetzt keinen Platz für ihn in der katholischen Kirche", sagte Zollitsch.


Auch der Regensburger Bischof Gerhard Müller forderte scharfe Sanktionen gegen Richard Williamson. Der lefebvrianische Bischof müsse "freiwillig oder zwangsweise aus dem Klerikerstand" ausscheiden, heißt es in einer Erklärung Müllers. Auch für die drei anderen Bischöfe der Piusbruderschaft forderte Müller Konsequenzen. Die illegal geweihten Bischöfe sollten auf die Ausübung ihres Amtes verzichten. „Meiner Überzeugung nach können sie allenfalls als einfache Priester eingesetzt werden“, so Müller. (kna/kap)

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 07.02.2009

 

Lombardi: „Papst wollte ein Zeichen für die Zukunft setzen“
Die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe war ein „Zeichen für die Zukunft“. Das betont Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in seinem wöchentlichen Editorial für Radio Vatikan. Die entstanden Schwierigkeiten zeigen, so Lombardi, dass „der Weg der ökumenischen Einheit“ schwierig und lang sei. Man merke dabei, welchen Preis die Christen bezahlen müssten, um diese Einheit erreichen zu können. Lombardi wörtlich:
 

„Die dargebotene Hand des Papstes ist und bleibt für uns alle eine erstaunliche Geste des Mutes. Damit hat er bewiesen, wie wichtig es ihm ist, für die Einheit zu arbeiten. Er ging soweit, dass er auch Risiken auf sich nahm. Diese Risiken bestanden u.a. darin, dass vieles vor dem Beschluss nicht klar bzw. unbekannt war. Gerade deswegen ist diese Geste ein Appell an uns alle. Das gilt insbesondere für die Mitarbeiter des Papstes wie für jegliche Mitglieder der Kirche: Wir dürfen den Papst in solchen Fällen nicht allein lassen, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu meistern.“

 

Auch in schwierigen Zeiten kann man vieles hinzulernen, fügt Jesuitenpater Lombardi an.
 

„Das gilt für alle Beteiligten des ökumenischen Dialogs. Jeder sollte in Bescheidenheit und Bereitschaft den Weg suchen, der zur Einheit führt. Jede Krise bietet die Möglichkeit, einen Schritt weiterzukommen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das wird uns nicht unbedingt zu einer mächtigeren Kirche führen, aber sie sollte sich zu einer Kirche der Liebe und Vergebung wandeln. In einer solchen Kirche kann es keinen Gegensatz zwischen Konzil und Tradition geben!“ (rv)
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Kirchenrechtler: „Sie sind keine katholischen Bischöfe“
Der Bischof der Pius-Bruderschaft, Richard Williamson, will vorerst seine Leugnung des Holocaust nicht widerrufen. Er wolle zunächst „die historischen Beweise prüfen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Für eine erneute Exkommunikation Williamsons ist die Leugnung des Holocaust aus kirchenrechtlicher Sicht kein hinreichender Straftatbestand -das sagte Klaus Lüdicke dem Kölner Domradio. Lüdicke ist emeritierter Kirchenrechtler an der Universität Münster. Man müsse angesichts der jetzigen Debatte betonen, so Lüdicke, dass die vier Lefebvre-Bischöfe nie ein offizielles Amt innerhalb der katholischen Kirche innehatten.
 

„Dadurch, dass sie illegal geweiht worden sind, sind sie nie in die Gemeinschaft mit dem Papst getreten. Sie dürften daher nicht an einem Konzil teilnehmen. Sie sind der Weihe nach Bischöfe, aber nicht dem Amte nach! Sie können darum auch kein kirchliches Amt wiederbekommen, weil sie katholisch betrachtet keine Bischöfe sind.“

 

In diesem Fall seien auch dem Vatikan durchaus Fehler unterlaufen. Man hätte sich vorher besser über die einzelnen Lefebvre-Bischöfe informieren sollen, findet Lüdicke:
 

„Der Vatikan hat dazu die passenden Strukturen - die haben aber in diesem Fall nicht funktioniert. Diese Struktur besteht darin, dass das Staatssekretariat durch die Leitung eines päpstlichen Diplomaten das nötige Sensorium an den Tag legt, um zu wissen, welche Auswirkungen Erklärungen des Heiligen Stuhls haben. Bevor dann eine solche Entscheidung auch vollzogen wird, muss das Staatssekretariat dies überprüfen. In diesem Falle hätte es dem Papst sagen können, dass die Aufhebung der Exkommunikation eine Auswirkung auf den Dialog mit den Juden und auf das Verhältnis zu Deutschland sowie für die Ökumene hat. Aus irgendwelchen Gründen hat diese Zusammenarbeit im Vatikan diesmal nicht geklappt.“ (rv/kna/domradio)
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Italien: Traditionalisten schließen Holocaust-Leugner aus
Die traditionalistische Piusbruderschaft hat den Leiter ihrer nordostitalienischen Provinz, Floriano Abrahamowicz, wegen seiner Äußerungen zum Holocaust ausgeschlossen. Anlass seien „schwerwiegende disziplinarische Gründe“, hieß es in einer Mitteilung der vom Vatikan nicht anerkannten Gemeinschaft. Auf die Holocaustleugnung selbst ging der italienische Distriktobere Davide Pagliarani in seiner am Freitagabend verbreiteten Stellungnahme nicht ein. Abrahamowicz hatte noch nach der deutlichen Aufforderung des Vatikans an den Traditionalisten-Bischof Richard Williamson, verharmlosende Aussagen zur Judenvernichtung zurückzunehmen, entsprechende Thesen bekräftigt. So sagte er, die Gaskammern in den Vernichtungslagern der Nazis hätten nur zur Desinfektion gedient. Die Piusbruderschaft begründet den Ausschluss von Abrahamowicz mit der Notwendigkeit, „zu verhindern, dass das Bild der Bruderschaft Sankt Pius X. weiter verzerrt wird“. Andernfalls drohe „ihr Werk im Dienst der Kirche beschädigt zu werden“. (kna)
 

 

Deutschland: Dialog zwischen Zentralrat und Bischöfen geht weiter
Der Zentralrat der Juden und die Deutsche Bischofskonferenz bleiben im Gespräch. Die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, hat die Einladung zu einem persönlichen Gespräch vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, angenommen. Das teilte der Zentralrat der Juden am Freitag in Berlin mit. Trotz der Auseinandersetzungen um die Rehabilitierung der Lefebvre-Bischöfe sei man sich über Gemeinsamkeiten und Verbundenheit einig. Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, betonte, dass sich die derzeitigen Differenzen auf den Vatikan und nicht auf die Deutsche Bischofskonferenz bezögen. (kna)
 

 

Kirchenrechtler: Zur aktuellen kirchenrechtlichen Position der vier Bischöfe der Piusbruderschaft
Am 24. Januar 2009, in der Internationalen Gebetswoche für die Einheit der Christen, hat Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft aufgehoben. Diese hatten sich die Strafe der Exkommunikation zugezogen, weil sie ohne päpstliches Mandat von Erzbischof Marcel Lefebvre im Juni 1988 zu Bischöfen geweiht worden sind. Die unerlaubte Weihe war ein schismatischer Akt. Die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe bedeutet, dass sie wieder in die Kirche aufgenommen sind. Nicht mehr und nicht weniger. Das mehr als zwanzigjährige Schisma ist mit dem Aufhebungsdekret vom 24. Januar 2009 definitiv beendet...

Hier lesen Sie weiter die Analyse des Kirchenrechtlers und RV-Latinisten Gero P. Weishaupt

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 06.02.2009

 

Deutschland: Merkel begrüßt „positives Signal“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Klarstellung des Vatikans zum Traditionalistenbischof Richard Williamson als wichtiges Zeichen begrüßt. Die „eindeutige Aufforderung“, die Aussagen zum Holocaust öffentlich zu widerrufen, wertete Merkel als „ein wichtiges und auch ein gutes Signal“. Am Ende einer Pressekonferenz in Berlin sagte sie am Donnerstag auf Nachfrage:
 

 

„Das macht deutlich, dass eine Leugnung des Holocaust niemals ohne Folgen im Raum stehen bleiben kann, denn nur ohne die Leugnung des Holocaust, nur ohne Antisemitismus kann überhaupt ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen gelingen. Das ist es ja, was wie ich glaube nicht nur mich, sondern uns alle umtreibt und was wir uns alle wünschen: ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen, katholischen Gemeinden. Deshalb war das ein wichtiges und gutes Signal, und insoweit glaube ich, sind wir auch ein Stück vorangekommen.“ (pm)
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Lefebvrianer auf Kollisionskurs – Sarkozy entsetzt über Shoah-Leugnung
Die Priesterbruderschaft Pius X. bleibt offenbar auf Konfrontationskurs zur katholische Kirche. Trotz der Suspendierung durch den Vatikan plant die Gruppe anscheinend neue Priesterweihen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Nach Angaben der Zeitung habe einer der vom Papst begnadigten Bischöfe, der Schweizer Bernard Fellay, für Ende Juni neue Priesterweihen angekündigt. Der Bischof, der diese Weihen durchführt, könnte sich dadurch laut Kirchenrecht automatisch wieder die Exkommunikation zuziehen. Fellay ist Leiter der Bruderschaft, in der sich die Anhänger des abtrünnigen Erzbischofs Marcel Lefebvre sammeln. Bereits am Sonntag soll Fellay in der Nähe von Regensburg auch schon so genannte „niedere Weihen“ vorgenommen haben. Die Angaben der Zeitung sollen an diesem Nachmittag von der Bruderschaft bestätigt worden sein.
Fellay ist wie die anderen drei Traditionalisten-Bischöfe weiterhin vom priesterlichen Dienst in der katholischen Kirche suspendiert. Die Piusbruderschaft ist vom Vatikan nicht anerkannt. Der Trierer Kirchenrechtler Peter Krämer wertete die Weihehandlung als Zeichen dafür, dass die abtrünnigen Bischöfe nicht gewillt seien, sich der Disziplin der katholischen Kirche zu unterwerfen. Insbesondere die geplante Priesterweihe sei ein Akt „bewussten Ungehorsams gegen die Autorität des Papstes“. Der Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke bezweifelte, dass es den Traditionalisten tatsächlich um eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche gehe. Mit der Rücknahme der Exkommunikation hätten sie vielmehr den Wegfall eines Hemmnisses erreicht, das ihnen den Zulauf ultrakonservativer Katholiken bisher erschwert habe.
Unterdessen nahm der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft, Franz Schmidberger, den Ausdruck „Kinderschänder“ für den Propheten Mohammed „mit großem Bedauern“ zurück. Zur Begründung betont Schmidberger in einer Erklärung, diese Wortwahl sei geeignet, „Muslime in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen“. Mit einem Statement, das an diesem Freitag veröffentlicht wurde, setzt sich Schmidberger außerdem gegen viele verzerrende Berichte über die Priesterbruderschaft zur Wehr. Es sei zu manchmal geradezu bösartigen Angriffen gekommen.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist schockiert über die Leugnung der Shoah durch den Traditionalistenbischof Richard Williamson. Es sei „unerträglich und unfassbar“, dass solche Äußerungen „im 21. Jahrhundert noch möglich sind“, meinte Sarkozy im französischen Fernsehen. (ansa/afp/kna/rv)
 

 

Lefebvrianer: Ein eher rechtes Weltbild
Wer sind die Pius-Brüder, aus welchem geistigen Umfeld kommen sie, wofür stehen sie politisch? Das sind Fragen, die von den unsäglichen Bemerkungen Williamsons zum Holocaust aufgeworfen werden. Jozef Niewiadomski ist Professor für Dogmatik und Dekan der Katholischen Fakultät an der Universität Innsbruck. Er will nicht alle Lefebvre-Anhänger unter rechtsextremen Generalverdacht stellen.
Dazu sagte er:
 

 

„Es ist aber sicher so, dass das Weltbild der Pius-Bruderschaft, gestärkt vor allem durch einzelne Aussagen von Erzbischof Marcel Lefebvre und die späteren Veröffentlichungen, doch ziemlich in rechte Kreise bis hin zu rechtsradikalen Kreisen hineinreicht. Ich würde schon sagen, dass es in der Pius-Bruderschaft immer noch die Ideen gibt, die moderne Prinzipien wie Menschenrechte, wie Toleranz, wie Achtung vor jedem anderen Menschen – auch anderen Religionen – ablehnen, und den extremen Antisemitismus. In den letzten Jahren hat man immer wieder einzelne Mitglieder der Pius-Bruderschaft auch im Kontext von rechtsgerichteten politischen Gruppierungen gesehen, etwa bei Le Pen. Ich finde, die ganze Auseinandersetzung macht uns auf irgendetwas sehr deutlich aufmerksam...“

 

Die Debatte dieser Tage findet Niewiadomski letztlich heilsam: Sie mache darauf aufmerksam, dass das Thema Lefebvrianer nicht nur liturgische, sondern auch politische Facetten habe. Eine volle Rückkehr der Pius-Bruderschaft in die Kirche vermag er sich nicht ganz vorzustellen.
 

 

„Als gläubiger Mensch sage ich: Man soll dem göttlichen Geist keine Grenzen setzen und an die Bekehrungsbereitschaft und -fähigkeit eines jeden glauben. Wenn ich mir allerdings die ersten Reaktionen anschaue, die auf die Aufhebung der Exkommunikationen von einzelnen Mitgliedern der Pius-Bruderschaft bereits gekommen sind und den Tenor haben ,Nicht wir werden umdenken, sondern wir werden dazu beitragen, dass die Kirche umdenkt’ – dann bin doch ein bisschen skeptisch.“ (rv)
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Vatikan: Kardinal Kasper „versteht Besorgnis“
Kurienkardinal Walter Kasper versteht die Besorgnis vieler Juden angesichts der derzeitigen Debatte über Vatikan und Traditionalisten. Das sagte er in einem Gespräch mit der Schweizer jüdischen Zeitschrift „Tachles“, das an diesem Freitag veröffentlicht wurde. Es gebe „wachsenden Antisemitismus, aus verschiedenen Gründen allerdings“. Was die Einstellung der Kirche angehe, handle sie aber klar auf dem Boden des Konzils und wolle „die Versöhnung mit den Juden“. Kasper wörtlich: „Papst Johannes Paul II. nannte den Judenhass eine Sünde gegen Gott. Auch beim gegenwärtigen Papst gibt es keinen Zweifel an seiner Einstellung“. Kasper, der den vatikanischen Einheitsrat leitet, betont, für ihn sei „eindeutig und klar, dass es keinen Bischof, der in der katholischen Kirche ein Amt ausübt, geben darf, der den Holocaust leugnet“. Er fährt fort: „Diese ganze Debatte bedrückt mich, und ich versuche alles, um den Faden der Diskussionen nicht abreißen zu lassen.“ Zu einer möglichen Papstreise nach Israel meint der Kardinal, aus seiner Sicht sei eine solche Visite „gerade jetzt notwendig“. Er sei „sehr traurig, dass sich das Bild der Kirche verdunkelt hat durch diese undiskutable und dumme Äußerung von Richard Williamson.“ (pm)
 

 

Deutschland: Genn fragt „Wes Geistes Kind seid ihr?“
„Mit dem, was am Leidvollsten ist“ hat der ernannte Bischof von Münster, Felix Genn, seine erste Pressekonferenz an diesem Freitag dort begonnen: mit diesen „unseligen – eigentlich unter meiner Würde sie zu kommentieren – Äußerungen zum Holocaust“.
Der Papst habe in der Frage des Verhältnisses zum Judentum „so viele Zeichen gesetzt“,

 

„dass man überhaupt nicht daran denken kann, dass er ein Antisemit ist, oder die Beziehungen zum Judentum kappen will. Wenn er nach Israel fahren sollte, wird es sicher noch einmal einen starken Akzent in dieser Richtung geben.“

 

Er sei überzeugt, so Genn,

 

„dass Benedikt nichts von den Äußerungen Williamsons gewusst hat“.

 

Im Vatikan müsse man sich jetzt fragen, wie es dazu kommen konnte, dass „das Image des Papstes und des Papsttums so angegriffen“ wurde. Der Leiter einer Behörde müsse sich auf den Dienst seiner Mitarbeiter verlassen können.

 

„Ich leite ja selbst eine Behörde und weiß ja auch nicht alles, was in meinen Abteilungen geschieht. Ich muss ja auch gar nicht alles wissen, sondern ich verlasse mich darauf, dass meine engsten Mitarbeiter ihre Verantwortungsbereiche wahrnehmen und zwar ordentlich wahrnehmen und dass mein Dienst als Bischof nicht beschädigt wird.“

 

Die Holocaust-Leugnung Williamsons habe ein „hochsensibles Kapitel“ berührt, „das in unserem Volk immer noch nicht aufgearbeitet ist“. Im Umgang mit der Piusbruderschaft müsse man jetzt die Frage stellen, „wes Geistes Kind seid ihr eigentlich?“ Genn bekennt, dass auch er sich bislang nicht intensiv mit den Positionen der Lefebvre-Anhänger auseinandergesetzt habe.
 

 

„Was da zu Tage tritt, habe ich in der Weise nicht gewusst, und das hat mich auch in der Weise nicht berührt. Ich habe gedacht, das sind Schismatiker... Aber jetzt, nachdem die Exkommunikation aufgehoben ist, müssen sie zeigen, dass sie wirklich so päpstlich sind, dass sie alle von einem Papst unterzeichneten Dokumente des II. Vatikanums auch anerkennen. Sie sagen ja, dass sie den Papst anerkennen, jetzt will ich sehen, was geschieht... Sie können ja nicht sagen, die einen Dokumente sind päpstlich, die anderen nicht.“

 

Der aktuellen – zunächst schwer verständlichen – Debatte kann der Bischof bei allem vordergründigen Schaden für das Ansehen der katholischen Kirche daher auch Positives abgewinnen. Sie kläre letztendlich die Stellung der Piusbruderschaft.
 

 

„Jetzt kann man ihnen auf die Finger schauen. Das was ich jetzt von ihnen lese, ist so horrend – das kann auch dazu führen, dass man sagt, jetzt ist Schluss: Wir sind hier, und ihr bleibt da. Auch dazu kann es kommen. Dann ist der Schnitt aber eindeutig.“

 

Die bisherigen Äußerungen und Reaktionen der Piusbruderschaft trügen nicht zur Aussöhnung bei.

 

Vielleicht war es notwendig, dass das ganze Durcheinander hochkam, damit man jetzt sagen kann: ,Liebe Piusbruderschaft, ihr habt lange genug in der Ecke gestanden, wir sind euch jetzt entgegen gekommen, ihr habt um Aufhebung der Exkommunikation gebeten, das haben wir euch gewährt.’ Wer das entsprechende Dekret liest, sieht, dass da noch viele offene Fragen sind, sieht, dass gesagt wird, es muss verhandelt werden. ,Wenn ihr euch aber so benehmt, dann geht das nicht.’ Es kann doch nicht einer, der den Holocaust leugnet im Ernst daran denken, dass er Bischof der katholischen Kirche wird.“ (pm/rv)
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Die Debatte geht weiter
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat am Freitag neuerlich betont, dass die Haltung der katholischen Kirche zum jüdischen Volk in der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ eindeutig und verbindlich festgelegt ist. Diese Festlegung sei auch im Katholischen Weltkatechismus noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholt worden. Wie Kardinal Schönborn betonte, ist die „vollinhaltliche Annahme“ des Zweiten Vatikanischen Konzils einschließlich von „Nostra Aetate“ und der Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“ unabdingbare Voraussetzung für eine Eingliederung der Pius-Bruderschaft in die Kirche. Die Konzilserklärung entziehe jedem Antisemitismus den Boden, wenn es wörtlich heißt: „Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.“
Eine stärkere Betonung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche wünscht sich der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. In einem ORF-Interview am Freitag räumte Scheuer Fehler in der jüngeren Entwicklung in der Kirche ein, aus denen man jetzt dringend lernen müsse. Die Vatikan-Entscheidung zur Pius-Bruderschaft wolle er nicht in Zusammenhang mit der Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner sehen. Scheuer wörtlich: „Da würde man Wagner nicht gerecht. Lefebvrianer ist er keiner, konservativ ist er sicher.“
„Vieles, was in den letzten Tagen über Papst Benedikt in der Öffentlichkeit gesagt worden ist, war bösartig“. Das schreibt der Basler Bischof Kurt Koch, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, in einem ausführlichen persönlichen „Brief an die Gläubigen“. Der Papst habe in seinem bald vierjährigen Pontifikat sehr deutlich gezeigt, „dass Antisemitismus mit dem christlichen Glauben schlechterdings nichts zu tun haben kann“. Das Konzil stehe in der Kirche nicht zur Disposition, betont Koch. „Ist der Preis für die Bemühungen um Einheit nicht zu groß?“, fragt er dann und kommt zum Schluss: „Ich bin überzeugt, dass die Geschichte Papst Benedikt darin Recht geben wird, bis zum Äußersten gegangen zu sein, um die Spaltung, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingetreten ist, zu heilen.“ Gleichzeitig meint Koch, dass mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems nach der Wende von 1989 die Zeit für eine neue Verständigung mit den Befreiungstheologen reif sein könnte. Der Papst habe mit seiner Brasilienreise im Mai 2007 dafür „einen guten Anfang“ gesetzt, „auf dem man weiterbauen könnte“.
Die Katholische Fakultät der Universität Wien kritisiert die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvrianer sowie die Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner. In einer Erklärung vom Freitag ruft sie die Katholiken zu Verantwortungsbewusstsein auf. Es handle sich bei den derzeitigen Konflikten „keineswegs um bloße 'Nebenschauplätze', sondern um wesentliche - gesellschaftlich höchst relevante - Konsequenzen des christlichen Glaubens, die an das Selbstverständnis der Kirche rühren“. Was die Pius-Bruderschaft betrifft, sehen die Theologen keine Grundlage für ihre institutionelle Eingliederung in die Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil sei ein „unverzichtbarer Teil“ der kirchlichen Tradition. Die Fakultät begrüßt die „klaren Aussagen“ von Kardinal Schönborn zur „Ungeheuerlichkeit einer Leugnung der Shoah“ und die Aufforderung des Papstes, Williamson müsse widerrufen und sich entschuldigen.
Die deutsche „Edith-Stein-Gesellschaft“ betont in einer Erklärung die enge Verbindung zwischen Katholiken und Juden. Williamsons Äußerung „verhöhnt das Leiden der Opfer, insbesondere der jüdischen, und das Zeugnis der Leidenssolidarität von Edith Stein mit dem jüdischen Volk. Die Äußerungen von Bischof Williamson sind ein unerträglicher Affront, der absolut nicht hingenommen werden kann.“ Es dürfe „nicht nur in Worten, sondern auch im Handeln der Kirche“ nicht der geringste Zweifel daran aufkommen, dass die Kirche keine Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet. Der Verband regt an, Holocaust-Leugnung als Straftatbestand mit Exkommunikation in das kirchliche Gesetzbuch aufzunehmen.
Die Kirche Großbritanniens versichert der jüdischen Gemeinschaft ihre Solidarität. Der Primas von England und Wales, Kardinal Cormack Murphy-O'Connor, hat nach Zeitungsangaben an den Oberrabbiner Jonathan Sacks geschrieben. Er „bedauere“ die Folgen, die sich aus der Rücknahme der Exkommunikation Williamsons ergeben hätten. Dessen Verleugnung des Holocaust habe „absolut keinen Platz in der katholischen Kirche und ihrer Lehre“. In seiner Antwort erklärte Sacks laut „Telegraph“, für viele Juden auf der ganzen Welt hätten die katholisch-jüdischen Beziehungen „großen Schaden“ genommen.
Der belgische Primas entschuldigt sich bei den Juden für die Äußerungen von Bischof Williamson. Auch wenn er sich nicht persönlich schuldig fühle, bedrücke ihn doch die „absolute intellektuelle Unredlichkeit und Verneinung der Geschichte“ durch Williamson. Das sagte Kardinal Godfried Danneels von Brüssel in einem Fernsehgespräch. Dafür entschuldige er sich. (rv/pm/kna/kap/asca)
 

 

Vatikan: Keine Medienschelte – „Wir hatten Kommunikationsprozess nicht in der Hand“
Der Sprecher des Vatikans ist unzufrieden darüber, dass es im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikationen vor zwei Wochen zu Pannen und Kommunikationsfehlern gekommen ist. Im Gespräch mit der französischen Tageszeitung „La Croix“ meinte Jesuitenpater Federico Lombardi: „Das Kommuniqué, das das Dekret begleitete, ließ zu viele Aspekte im Unklaren und gab dadurch Raum zu verschiedenen Interpretationen.“ Außerdem sei das Dokument schon zu früh auf „Internetseiten und an Zeitungen gelangt“: „Wir hatten den Kommunikationsprozess nicht in der Hand.“ Über die Aufhebung der Exkommunikationen habe der Vatikan nur mit Bischof Fellay verhandelt: „Die Meinungen der anderen Bischöfe hat man nicht genug beachtet.“ Lombardi wörtlich: „Wenn es einen gibt, der das wissen musste, dann war das Kardinal Castrillon Hoyos.“
Abgeklärt äußert sich Lombardi, der u.a. den Vatikanischen Pressesaal leitet, zur Debatte über Vatikan und Lefebvre in den Medien. „Die Medien sind nicht besser oder schlimmer als sonst auch.“ Doch natürlich gebe es auch „antikirchliche Strömungen“ dort. Zu anderen Zeiten, etwa beim letzten Konklave oder bei den Reisen Benedikts XVI., sei es aber auch der Kirche gelungen, in den Medien ein positives Bild von sich zu zeichnen. Lombardi bedauert, dass auch viele Katholiken die jüngste Entscheidung des Vatikans nur schwer verstehen: „Einige Dokumente sind eigentlich nur für Spezialisten im Kirchenrecht oder für Theologen bestimmt.“ Da sei es problematisch, dass sich heute „jedes Dokument, ganz gleich welcher Art es ist, direkt in der Öffentlichkeit wieder findet. Das wird dann schwierig zu handhaben.“
Lombardi lässt erkennen, dass er unter normalen Umständen durchaus die Abstimmung mit den Bischofskonferenzen sucht. „Aber manchmal ist ein Dokument schon in der Hand von Ortsbischöfen, bevor wir es haben.“ Er glaube, dass „in der Kurie erst noch eine Kultur der Kommunikation geschaffen werden muss“. Er wünsche sich, dass die einzelnen Vatikan-Abteilungen rechtzeitig den Pressesaal des Heiligen Stuhls informierten „und auch eine erklärende Note schreiben, wenn der Sachverhalt komplex ist“. Lombardi wörtlich: „Wenn die jüngsten Erläuterungen vom Staatssekretariat schon von Anfang an gegeben worden wären, dann hätten wir uns einige leidenschaftliche Tage erspart.“ Andererseits sei es aber auch „unmöglich, jede Schwierigkeit zu vermeiden. Wir müssen auch mal bereit sein, ein Risiko einzugehen.“ (rv)

Quo vadis, Benedikt? Eine Debatte in Hamburg
„Wohin steuert der Papst?“ Das war das Thema einer spannenden Diskussion am Donnerstag Abend in der Katholischen Akademie in Hamburg – mit hochkarätigen Gesprächspartnern, etwa Pater Eberhard v. Gemmingen, dem Leiter unseres deutschsprachigen Programms. Aus Hamburg berichtet Marc Frangipane. (rv)
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WEITERE THEMEN DES TAGES:

 

Quo vadis, Benedikt? Eine Debatte in Hamburg
„Wohin steuert der Papst?“ Das war das Thema einer spannenden Diskussion am Donnerstag Abend in der Katholischen Akademie in Hamburg – mit hochkarätigen Gesprächspartnern, etwa Pater Eberhard v. Gemmingen, dem Leiter unseres deutschsprachigen Programms. Aus Hamburg berichtet Marc Frangipane. (rv)
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Deutschland: Lohmann zu „Wir waren Papst“
 

„Es war gut und richtig, dass der Vatikan nun sehr deutlich den Holocaust-Lügner aufforderte, eindeutig zu widerrufen.“

 

Das schreibt der Theologe und Publizist Martin Lohmann in einem vor allem an deutsche Leser gerichteten Essay.

 

„Unnötig hingegen waren vermeintlich kluge Worte ohne versuchte Differenzierung von Regierungschefinnen, die besser klug geschwiegen hätten. Hier gilt: Si tacuisses, philosopha mansisses.“ (rv)
Hier lesen Sie den Beitrag von Martin Lohmann

AUS UNSEREM ABENDPROGRAMM:

Deutschland: „Die Mehrzahl der Piusbruderschaft will Aussöhnung“
Wie weiter mit den Piusbrüdern? Wie viele von ihnen wollen wirklich die Aussöhnung mit dem Papst? Wie sehen andere traditionsorientierte Gruppen die Auseinandersetzungen nach der Aufhebung der Exkommunikation? Wir haben darüber mit Propst Gerald Goesche gesprochen. Er war in früheren Jahren für die Piusbruderschaft tätig und gründete 2003 das traditionsorientierte, aber papsttreue Institut St. Philipp Neri in Berlin. Ob die Piusbruderschaft jetzt vor einer Spaltung stehe, wollte Gudrun Sailer zunächst von Propst Goesche wissen.
Herr Propst, wie uneins ist die Piusbruderschaft? Kommt es zu einer Spaltung in zwei Gruppen, eine, die mit Rom sprechen möchte, und eine andere, die Dialog ablehnt?
 

 

„Das ist ganz schwierig zu beurteilen. Ich habe aber festgestellt, dass die Aufhebung der Exkommunikation insofern gute Früchte hat, als Bischof Fellay sich so klar geäußert hat und so sehr auf Seiten des Heiligen Vaters steht wie bisher noch nicht. Auch Pater Schmidberger hier in Deutschland hat sich ähnlich vernehmen lassen. So dass ich mir vorstellen könnte, dass doch ein sehr großer Teil der Piusbruderschaft auf jeden Fall jetzt auch eine vollkommene Aussöhnung mit dem heiligen Stuhl und eine Regelung der Situation suchen wird. Ich glaube, dass Bischof Fellay da wirklich Führung übernommen hat ist ein neues Element, was sehr wichtig ist. Ich denke auch, dass die Mehrzahl der Gläubigen und der Priester, wenn sie in die Richtung geführt werden, eigentlich eine Aussöhnung mit Rom und eine vollkommene Ordnung der Situation wollen.“

 

Der Ton der Piusbruderschaft war manchmal außerordentlich harsch, was die katholische Kirche betrifft – da ist von der Konzils-Sekte die Rede, davon, dass die Katholische Kirche sich bekehren und auf die Sicht der Piusbruderschaft einschwenken muss. Es gehörte schon auch Großmut von Seiten des Vatikans dazu, diese Friedensgeste zu setzen, die Exkommunikation aufzuheben. Damit ist für die Piusbruderschaft eine ganz neue, noch nie da gewesene Situation entstanden. Meinen Sie, die Bruderschaft wird ihren Ton jetzt mäßigen?
 

 

„Also es gibt natürlich auch ein Interview von Bischof Tissier de Mallerais, wo er den alten Ton so ein bisschen beibehält, in dem Sinne, dass vor allem Rom sich bekehren muss. Insofern kann man da nicht ganz sicher sein. Aber man muss zwei Dinge beachten: Auf der einen Seite sind auch die gläubigen Priester und Bischöfe der Piusbruderschaft Menschen von heute, die oft genauso hässlich ihre Anliegen vorbringen, wie das die Herrschaften aus der linken Ecke auch tun. Das ist ein bisschen spiegelverkehrt. Das andere ist, dass wenn es die Aussicht auf eine kirchliche Regelung gibt, dann oft schon der Ton sich ändert, weil viele dann leichter merken, welche Verantwortung sie haben und dass einfach auch diese Vorstellungen von Erzbischof Lefebvre, das Experiment der Tradition zu wagen, jetzt so nahe ist, dass man das eigentlich nicht ausschlagen kann. Man merkt das an den traditionellen Gruppen, die zu einer Aussöhnung mit Rom gelangt sind, ob in Campos oder bei den schottischen Redemptoristen oder anderswo, dass der Ton dann, fast von heute auf morgen, sich sehr verändert hat und sehr vernünftig geworden ist.“ (rv)
Lesen und hören Sie hier das gesamte Interview

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 05.02.2009

 

Erzbischof Zollitsch begrüßt Vatikan-Erklärung
Die deutschen Bischöfe begrüßen die Klarstellungen, die am Mittwoch zum Fall Williamson und Lefebvre aus dem Vatikan kamen. Jetzt sei wirklich unmissverständlich deutlich, „dass für Leugner des Holocaust kein Platz in der katholischen Kirche ist“. Das steht in einer Erklärung von Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Er betont auch, dass die Pius-Bruderschaft „keinerlei rechtliche Anerkennung in der katholischen Kirche“ genießt. Auch hätten ihre vier Bischöfe „weiterhin keine Funktion in der Kirche“ oder übten „rechtmäßig irgendein Amt in ihr aus“. Zollitsch macht klar, dass ein Widerruf der Thesen von Bischof Williamson nicht ausreichen würde: „Er muss durch zusätzliche Klärungen ergänzt werden.“Vor Journalisten macht der deutsche Oberhirte deutlich, dass für ihn die Erklärung aus dem Vatikan ausreichend ist.
 

 

„Der Kardinal Staatssekretär macht unmissverständlich klar, dass nun die vier Bischöfe der Piusbruderschaft tatsächlich nicht in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen. Er zeigt eindeutig: Antisemitismus und die Leugnung des Holocaust haben keinen Platz in unserer Kirche.“ Das habe ja auch der Papst selbst am Mittwoch letzter Woche noch einmal sehr deutlich betont. Benedikt habe gesagt, „dass die Erinnerung an den Holocaust einfach zu unserer Geschichte gehört und als Mahnung weitergegeben werden muss“, so Erzbischof Zollitsch.
„Der Kardinal Staatssekretär macht damit auch klar, dass die vier Bischöfe der Piusbruderschaft nicht rehabilitiert sind. Es ist die Exkommunikation zwar aufgehoben, aber die Suspension bleibt. Das heißt, sie üben keine Funktion innerhalb der katholischen Kirche aus und dürfen auch keine Funktion ausüben. Und das scheint mir sehr wichtig zu sein.“

 

Zumal nach allem, was in den letzten Tagen in den deutschen Medien (und nicht nur da) so vermutet, behauptet oder geargwöhnt wurde. Zollitsch ist auch dankbar für den Vatikan-Hinweis, „dass es nur dann einen Weg für die Mitbrüder der Piusbruderschaft in der katholischen Kirche gibt, wenn sie das II. Vatikanische Konzil voll und ganz anerkennen und sich auch uneingeschränkt unter den Papst stellen“.
 

 

„Damit liegt es jetzt an der Piusbruderschaft, darauf einzugehen, wie sie sich dazu verhalten wollen; vor allem auch an Bischof Williamson, dass er nun seine Thesen, die unhaltbar sind, zurücknimmt – denn sonst kann es für die Piusbruderschaft keinen Weg innerhalb der katholischen Kirche geben.“

 

Alles in allem hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz die Erklärung aus dem Vatikan vom Mittwoch für ausreichend.

 

„Ich kann verstehen, dass manche mehr wünschen. Aber der Vatikan hat zunächst mal die Hand ausgestreckt, um ins Gespräch zu kommen mit den vier Bischöfen - durch die Aufhebung der Exkommunikation. Jetzt soll das Gespräch mit ihnen geführt werden, und man kann nicht vom Vatikan erwarten, dass er das Gespräch jetzt schon vorweg nimmt, das Ergebnis.“

 

Vielmehr komme es darauf an, so Zollitsch wörtlich,

 

„wie die sich verhalten: ob sie die Chance ergreifen - oder ob sich am Ende zeigen wird, dass es keinen gemeinsamen Weg gibt!“

 

Was den Holocaust-Leugner Williamson betrifft, da ist für Zollitsch die Sache eindeutig:

 

„Wenn er nicht auf die Forderung des Vatikans eingeht, dann ist klar: Er hat keinen Platz in der katholischen Kirche. Dann wird es zu einer endgültigen Trennung zwischen ihm und der katholischen Kirche kommen und auch zwischen denen, die ihm weiterhin anhangen.“

 

Ohnehin ist Zollitsch überzeugt, dass das Zerwürfnis zwischen den Lefebvre-Anhängern und der katholischen Kirche wohl ein endgültiges sein wird. Er sieht keinen Willen der Traditionalisten, die Aussagen des letzten Konzils anzuerkennen - etwa zur Religionsfreiheit und zum gleichberechtigten Dialog der Religionen. Wenn kein Wunder passiere, dann rechne er mit einem endgültigen Bruch. Oder allenfalls mit einer Spaltung der Priesterbruderschaft: in jene, die die Bedingungen akzeptierten, und in jene, die sich der im Konzil begonnenen theologischen Öffnung verweigern. Die Unbelehrbaren könnten sich hinter Williamson scharen, dem Holocaust-Leugner. (rv/pm)
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Eine Klarstellung aus der Redaktion
Unser Redaktionsleiter P. Eberhard von Gemmingen stand (und steht) in diesen Tagen Dutzenden deutschsprachigen Medien Rede und Antwort zur Debatte nach der Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der Piusbruderschaft. Einige Medien haben eine Aussage Pater Gemmingens sinnentstellend wiedergegeben. So schreibt etwa die „Süddeutsche Zeitung“ im Untertitel zu einem ihrer Artikel: „Während der Papst offenbar verärgert auf die offene Kritik aus Deutschland reagiert, vermutet ein Leiter von Radio Vatikan sogar Rücktrittsgedanken bei Benedikt.“ Dieser Untertitel interpretiert eine Pressemitteilung des Radiosenders NDR Kultur, der Pater Gemmingen interviewt hatte. In diesem Gespräch sagte unser Redaktionsleiter auf die Frage, ob in der aktuellen Lage ein Rücktritt des Papstes denkbar sei, wörtlich:

 

"So wie ich den Papst kenne, hat dieser in seinem Herzen möglicherweise schon mal gedacht: 'Irgendwann muss ich vielleicht zurücktreten, damit das Petrusamt gut wahrgenommen wird.’ Also ich glaube nicht, dass er so lebt und denkt wie sein Vorgänger, der sagte, ein Papst tritt nicht zurück, weil Benedikt weniger mystisch und mehr theologisch ist und sagt, Petrus muss funktionieren können. In diesem Sinn glaube ich, dass er durchaus den Rücktritt nicht ausschließt. Allerdings glaube ich nicht, dass er den Rücktritt erwägen würde, um einem Problem aus dem Weg zu gehen, um zu sagen, das ist mir zu kompliziert, ich bin zu alt, um das zu lösen. Das glaube ich wiederum nicht, weil er dann sagt, ich will nicht meinem Nachfolger ein solches Problem aufladen.“ (rv)
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Nahost: Yad Vashem lobt „wichtige Botschaft“
Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßt die Vatikan-Erklärung zur Affäre um Richard Williamson. Die Aufforderung zur öffentlichen und unmissverständlichen Zurücknahme seiner Äußerungen verbreite die „wichtige Botschaft, dass das Leugnen des Holocaust und der Antisemitismus in der Kirche keinen Platz haben“, erklärte der Direktor Ayner Shalev an diesem Donnerstag. „Wenn die höchste moralische Autorität der Kirche erklärt, dass das Leugnen des Holocausts nicht akzeptabel sei, dann ist das eine wichtige Botschaft an die ganze Welt.“ (kap)

 

Deutschland: Priester-Netzwerk „tief erschüttert“
Das Netzwerk katholischer Priester hat seine „tiefe Erschütterung“ angesichts der „maßlosen Kampagne“ gegen Papst Benedikt XVI. erklärt. Die Mitglieder seien erschüttert, über die „zum Teil sachlich unzutreffenden und meist aggressionsgeladenen Reaktionen“ in den deutschen Medien. Die Hassausbrüche gegen den Papst seien bedenklich und zeigten, „wie tief das Niveau des Katholizismus in Deutschland“ gesunken sei. Das Priester-Netzwerk erkläre Benedikt XVI. die „volle und uneingeschränkte Solidarität“. – Das Netzwerk katholischer Priester wurde 2001 in Frankfurt am Main gegründet. Nach eigenen Angaben gehören ihm rund 300 Geistliche im deutschsprachigen Raum an. „Wir verbinden Geistliche, denen ein katholisches Profil wichtig ist“, heißt es auf der Homepage. (pm)

 

Deutschland: „Kirchentreue Katholiken wanken nicht“
Die derzeitige „manipulative Medienkampagne mit ihren maßlosen Schmähungen“ werde kirchentreue Katholiken „nicht wankend machen“. Das erklärten an diesem Donnerstag Initiativkreise katholischer Laien und Priester in Deutschland. Wörtlich stellten sie fest: „Mit großer Dankbarkeit begrüßen die glaubens- und kirchentreuen Katholiken das Wirken von Papst Benedikt.“ An dessen klarer Haltung zu den Verbrechen des Nationalsozialismus könne kein Zweifel bestehen. Die Aufhebung der Exkommunikation von vier Weihbischöfen rechtfertige nicht die gegenwärtige Kampagne gegen den Papst. Seine Worte würden „von allen unvoreingenommenen großen Denkern der Gegenwart“ wahrgenommen und bedacht. Die „Gegner des Papstes“, zu denen nach Meinung der Initiativkreise innerkirchlich auch prominente Bischöfe zählten, ließen nichts unversucht, den Papst an der Fortführung seines klaren Kurses zu hindern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte sich bei Papst Benedikt XVI. entschuldigen, heißt es in einer weiteren Erklärung. - Unterzeichner ist unter anderem die Vereinigung „Pro Sancta Ecclesia“. Sie wurde im Jahr 2000 gegründet und will nach eigenen Angaben „zur Heiligung ihrer Mitglieder sowie anderer Menschen beitragen und die Lehre der katholischen Kirche, wie sie in ungebrochener Tradition von den Päpsten und den mit ihnen verbundenen Bischöfen vorgelegt wird, verbreiten und verteidigen helfen“. (pm)

 

Deutschland: Schick, „Traditionalisten müssen Konzil anerkennen“
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht eine mögliche Wiedereingliederung der traditionalistischen Piusbruderschaft in die katholische Kirche skeptisch. Wer nicht zu den Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) über die Religionsfreiheit und die nichtchristlichen Religionen sowie zur Liturgiekonstitution stehe, könne nicht „im Vollsinn“ zur Kirche gehören, sagte er am Donnerstag in Bamberg. Jeder Katholik stehe in einem besonderen Verwandtschaftsverhältnis zum jüdischen Volk, das „die Wurzel und der Stamm“ der christlichen Kirche sei. (kna)

 

Luxemburg: Schrecklicher Fauxpas des Vatikans
Der luxemburgische Erzbischof Fernand Franck sieht in der Aufhebung der Exkommunikation des Traditionalistenbischofs Richard Williamson einen „schrecklichen Fauxpas“. Zwar habe der Vatikan vermutlich nichts von der jüngsten Holocaust-Leugnung Williamsons im schwedischen Fernsehen gewusst, sagte Franck nach dem luxemburgischen Rundfunksender DNR. Allerdings könne er sich nicht vorstellen, „dass die Verwaltung des Vatikans Williamsons allgemeine Einstellung nicht kannte“. In Zukunft müsse die Kommunikation innerhalb der Kurie verbessert werden, um solche Fehler zu vermeiden, so Franck. (kna)

 

Dossier: Lefebvre und die extreme Rechte
Wer sind die Pius-Brüder, aus welchem geistigen Umfeld kommen sie, wofür stehen sie politisch? Das sind Fragen, die von den unsäglichen Bemerkungen Williamsons zum Holocaust aufgeworfen werden. Wir sprachen darüber am Donnerstag mit Jozef Niewiadomski, Professor für Dogmatik und Dekan der Katholischen Fakultät an der Universität Innsbruck. Die Fragen stellte Stefan Kempis. (rv)
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Newsletter von Radio Vatikan – 04.02.2009

 

Vatikan: „Papst kannte Williamson-Äußerungen nicht“; Williamson muss widerrufen
Der Papst hat die Äußerungen von Bischof Richard Williamson zur Holocaust-Leugnung zum Zeitpunkt der Aufhebung der Exkommunikation nicht gekannt. Das stellte am Mittwochnachmittag das Vatikanische Staatssekretariat klar. Bevor Williamson in der Kirche seinen bischöflichen Dienst ausüben darf, müsse er sich auf unzweideutige und öffentliche Weise von seinen Stellungnahmen zur Shoah distanzieren.
Wir dokumentieren hier die Erklärung aus dem Staatssekretariat in einer eigenen Arbeitsübersetzung:
Angesichts der Reaktionen, die das jüngste Dekret der Bischofskongregation auslöste, in dem die Exkommunikation gegen vier Bischöfe der Bruderschaft Pius X. aufgehoben wurde, und mit Blick auf die negationistischen oder reduktionistischen Erklärungen des Bischofs Williamson von der genannten Bruderschaft zur Shoah, halten wir es für opportun, einige Aspekte der Angelegenheit klarzustellen.
1. Aufhebung der Exkommunikation
Wie schon früher betont, war das Dekret der Bischofskongregation vom 21. Januar 2009 ein Akt, mit dem der Heilige Vater großzügig wiederholten Bitten des Generaloberen der Bruderschaft Pius X. entgegen kam.
Seine Heiligkeit wollte ein Hindernis für die Öffnung einer Tür zum Dialog beseitigen. Er erwartet sich jetzt, dass die vier Bischöfe eine vergleichbare Bereitschaft ausdrücken, durch völlige Übernahme der Lehre und Disziplin der Kirche.
Die schwerwiegende Strafe der Exkommunikation „latae sententia“, die die genannten Bischöfe sich am 30. Juni 1988 zugezogen hatten und die am 1. Juli desselben Jahres formell erklärt worden war, war eine Folge ihrer illegalen Weihe durch Bischof Marcel Lefebvre.
Die Aufhebung der Exkommunikation hat die vier Bischöfe von einer schwerwiegenden kanonischen Strafe befreit, hat aber nicht die juridische Lage der Bruderschaft St. Pius X. geändert, die sich gegenwärtig keiner kanonischen Anerkennung in der katholischen Kirche erfreut. Auch die vier Bischöfe haben, auch wenn ihre Exkommunikation aufgehoben ist, keine kanonische Funktion in der Kirche und üben in ihr kein berechtigtes Amt aus.
2. Tradition, Lehre und Zweites Vatikanisches Konzil
Für eine künftige Anerkennung der Bruderschaft St. Pius X. ist die volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramts der Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. sowie Benedikt XVI. eine unerlässliche Bedingung.
Wie schon im Dekret vom 21. Januar 2009 betont wurde, wird es sich der Heilige Stuhl nicht nehmen lassen, mit den Betreffenden auf die für opportun erachtete Weise die noch offenen Fragen zu vertiefen, um zu einer vollständigen und zufrieden stellenden Lösung der Probleme zu kommen, die zu diesem schmerzhaften Bruch geführt haben.
3. Äußerungen über die Shoah
Die Stellungnahmen von Bischof Williamson zur Shoah sind absolut inakzeptabel und sind vom Heiligen Vater klar zurückgewiesen worden, wie er selbst am vergangenen 28. Januar hervorgehoben hat, als er mit Bezug auf diesen furchtbaren Völkermord seine volle und nicht hinterfragbare Solidarität mit unseren Brüdern bekräftigt hat, denen der Erste Bund gilt. Er hat betont, dass die Erinnerung an diesen schrecklichen Genozid die „Menschheit dazu bringen muss, nachzudenken über die unvorhersehbare Gewalt des Bösen, wenn es das Herz des Menschen erobert“, und fügte hinzu, die Shoah bleibe „für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder den Reduktionismus, denn die Gewalt gegen einen einzigen Menschen ist Gewalt gegen alle“.
Bischof Williamson wird, um zu bischöflichen Funktionen in der Kirche zugelassen zu werden, auch auf absolut unzweideutige und öffentliche Weise auf Distanz zu seinen Stellungnahmen zur Shoah gehen müssen – Stellungnahmen, die der Heilige Vater im Moment der Aufhebung der Exkommunikation nicht kannte.
Der Heilige Vater bittet alle Gläubigen um Begleitung im Gebet, damit der Herr den Weg der Kirche erleuchte. Möge der Eifer der Hirten und aller Gläubigen wachsen, um die heikle und schwere Mission des Nachfolgers des Apostels Petrus als „Hüter der Einheit“ in der Kirche zu unterstützen.
Aus dem Vatikan, am 4. Februar 2009
Übersetzung: Stefan von Kempis (rv)

 

Vatikan/Deutschland: Lombardi weist Kritik zurück
Nachdem vor allem im deutschen Sprachraum die Kritik an einem vermeintlichen Schweigen des Papstes immer lauter wurde, hatte sich am Dienstagabend zunächst Vatikansprecher Pater Federico Lombardi eingeschaltet. Der Papst habe Aussagen, die den Holocaust leugnen, mehrmals unmissverständlich verurteilt, stellte Lombardi auf Deutsch und Italienisch klar. Der Vatikansprecher erinnerte an die Papstworte in der Kölner Synagoge 2005, im Konzentrationslager Auschwitz 2006 und zuletzt bei der Generalaudienz am 28. Januar dieses Jahres. Die deutlichen Worte des Papstes galten auch Bischof Richard Williamson, präzisierte Lombardi und zitierte:

 

„Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern des ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Reduzierung…“

 

Lombardi weiter: „Die Verurteilung von Aussagen, die den Holocaust leugnen, konnte nicht klarer sein, und aus dem Kontext erschließt sich, dass diese sich auch auf die Positionen von Bischof Williamson und alle ähnlichen Positionen bezogen.“

 

Die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft, zu denen auch der umstrittene Bischof Williamson gehört, habe nichts mit einer Legitimierung von Aussagen zu tun, die den Holocaust leugnen, betonte Lombardi weiter. Benedikt verurteile jede Leugnung der Shoah auf das Schärfste.

 

Damit reagierte Lombardi auch auf die Kritik von Bundeskanzlerin Merkel an der Haltung des Papstes in der Diskussion um den Umgang mit dem Holocaust. Die Kanzlerin hatte Benedikt XVI. am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz in Berlin zu einer eindeutigen Stellungnahme aufgefordert. Wörtlich sagte Merkel:

 

„Es ist im allgemeinen nicht an mir, innerkirchliche Entscheidungen zu bewerten oder zu kommentieren. Allerdings ist das anders, wenn es um Grundsatzfragen geht. Und ich glaube es ist schon eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entsteht, dass es die Leugnung des Holocausts geben könnte, und dass es auch um grundsätzliche Fragen des Umgangs mit dem Judentum geht. Deshalb darf das nicht ohne Folgen im Raum stehen bleiben. Das ist nach meiner Auffassung auch nicht nur eine Angelegenheit der christlichen Gemeinden, der katholischen Gemeinden in Deutschland und der jüdischen Gemeinden, sondern es geht darum, dass von Seiten des Papstes und von Seiten des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann und dass es natürlich einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muss. Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“

 

Ermutigend fände sie aber die vielen Stimmen aus der katholischen Kirche, die seitens des Vatikans eine deutliche Distanzierung von den Positionen des Holocaust-Leugners Williamson forderten, betonte Merkel weiter. Zustimmung erhielt Merkel von der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Dem Berliner Inforadio sagte Süssmuth, es bestehe ein massiver Widerspruch zwischen der Grundeinstellung des Papstes und seinem Handeln im Fall Williamson. Merkel sei daher moralisch verpflichtet gewesen, sich in die Debatte einzuschalten. - Mit ihrer Kritik am Papst stieß die Kanzlerin jedoch nicht nur auf Gegenliebe. Gegenstimmen kamen aus den Reihen der katholischen Bischöfe, aber auch aus der Union. (rv/kna)
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Deutschland: Meisner, „keine Aussage des Konzils zurückgenommen“
Kardinal Joachim Meisner hat zu einer Versachlichung der Diskussion um die Aufhebung der Exkommunikation der vier Traditionalisten-Bischöfe aufgerufen. Der Kölner Erzbischof zeigte in einem Interview des Kölner Domradio Verständnis für die Enttäuschung und Verwirrung, die bei vielen Gläubigen entstanden war:

 


„Hier ist es jetzt durch die unglaublich dummen und völlig indiskutablen Äußerungen von Bischof Williamson zu einer Verquickung gekommen, die viele nachvollziehbar irritiert und empört.“

 


Das Aufsehen um das Williamson-Interview habe das eigentliche Anliegen des Papstes, der Einheit der Kirche zu dienen, völlig überlagert. Gerade deshalb müsse man aber „ganz genau hinsehen“, mahnt Meisner.

 

„Die aufgehobene Exkommunikation ermöglicht es den vier Bischöfen, nun wie katholische Laienchristen – nicht aber als Bischöfe – am Glaubensleben der Kirche teilzunehmen. Damit haben sie wieder die Möglichkeit, die Sakramente zu empfangen. Dieses Anliegen bewegte das Herz des Papstes. Die weiter bestehende Suspendierung, die nur Kleriker betrifft, verbietet ihnen jede Wirksamkeit als Bischöfe in der Kirche. Sie dürfen also weder als Zelebranten der Messfeier vorstehen, noch dürfen sei die Sakramente spenden.“
 

 

Dem Papst vorzuwerfen, er würde mit der Versöhnungsgeste Richtung Piusbruderschaft hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückgehen wollen, sei unhaltbar, so Meisner. Mit der Aufhebung der Exkommunikation sei keine Aussage des Konzils zurückgenommen.

„Zur Einheit der katholischen Kirche gehört die Anerkennung ihres Lehramtes. Sie schließt die Akzeptanz aller Konzilien ein, einschließlich des Zweiten. Vatikanums. Dazu gehört auch das Dekret Nostra Aetate mit seinem positiven Ansatz zum Gespräch mit den Juden. Ebenso muss die Priesterbruderschaft ihre Vorwürfe gegen den Heiligen Vater zurücknehmen, er sei nicht rechtgläubig. Wer lehramtliche Aussagen ganz oder teilweise ablehnt, kann nicht in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen.“

 

Man dürfe sich jetzt nicht von Menschen wie Bischof Williamson durcheinander bringen lassen, riet Meisner. Dass sich augenscheinlich auch die Priesterbruderschaft Pius X. von den Aussagen Williamson distanziere, sei „Indiz dafür, dass die Aufhebung der Exkommunikation und das unsägliche Interview nichts miteinander zu tun haben“. (domradio)
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Hören Sie hier das Interview: Ingo Brüggenjürgen vom Domradio im Gespräch mit Kardinal Meisner
 


 

Deutschland: Hanke kritisiert Merkel
Der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, hat die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an Papst Benedikt „unbegreiflich und empörend“ genannt. Merkel fordere von Benedikt XVI. „klare Worte“ in einem Zusammenhang, in dem gerade Papst Benedikt es nie an Eindeutigkeit habe fehlen lassen, so Hanke. Der Bischof der Piusbruderschaft Richard Williamson stehe mit seinen Holocaust-Äußerungen konträr zur Position des Papstes und habe somit das theologische Ringen um die Wiedererlangung der Einheit schwer missbraucht. Vor allem aber habe er die Menschlichkeit und die von jedem Christen geforderte Achtung vor der Würde und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens verhöhnt. Hanke stellte die Frage, wie „jemand, der diese schrecklichen und brutalen Sünden gegen die Würde des Menschen in der jüngeren Geschichte kaum ernst nimmt, mit Glaubenswahrheiten umgehen“ werde. (pm)

 

Deutschland: Sterzinsky rät zum Überprüfen
Wenn jemand in die Gemeinschaft der Kirche wieder aufgenommen wird, müsse „auch geprüft werden, ob außer dem Grund der Exkommunikation Schwerwiegendes gegen ihn vorliegt“. Das hält Kardinal Georg Sterzinsky in einer Mitteilung fest. Der Berliner Erzbischof schreibt, er sei „äußerst überrascht“ gewesen, von der Aufhebung der Exkommunikation der von Lefebvre geweihten Bischöfe zu erfahren. In jenen Tagen seien noch Schriften eingegangen, in denen die Bruderschaft „die Ablehnung wichtiger Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils aufrecht erhalten“ habe. Papst Benedikt sei an der Überwindung des Schismas bemüht und müsse wohl Signale der Umkehr der Exkommunizierten empfangen haben. „Auf Hoffnung hin“ sei er ihnen sehr weit entgegengekommen. Von Bischof Williamson sei „weltweit bekannt“ gewesen, dass er den Holocaust leugnet. Sterzinsky: „Eine Versöhnung mit ihm ist demnach nicht möglich, solange er bei der Leugnung bleibt.“ (pm)


 

ZdK-Generalsekretär: „Das tut jedem katholischen Christen in der Seele weh“
Der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper, hat sich im Domradio-Interview bestürzt gezeigt über die Folgen der aktuellen Diskussion um den antisemitischen Bischof der Piusbruderschaft. Es sei „medienmäßig ein Desaster, was wir hier erleben“, so Vesper. Die katholische Kirche sei „eine ganz große, weltweit agierende, lebensfreundliche und soziale Kirche. Wir sollten uns und unser Anliegen nicht von so einer Minderheit beschädigen lassen“. Aber der Disput könne auch positive Folgen haben. (domradio)
Wir dokumentieren hier das Interview; Text und Audio stammen von der Redaktion des Domradio in Köln
 

 

USA: „Antisemitismus ist unkatholisch"
Kein Katholik sollte jemals Antisemitismus und religiösen Fanatismus tolerieren. Das schreibt der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Kardinal Francis George, mit Blick auf die Aussagen von Richard Williamson zum Holocaust. Das Interview mit dem Bischof der Piusbruderschaft hätte „verständliche Wut“ innerhalb der jüdischen Gemeinde und auch unter den Katholiken ausgelöst. Kein Katholik, weder Laie noch Priester oder Bischof könne das Gedächtnis der Shoah jemals leugnen, so Kardinal George. (rv)

 

 

Newsletter von Radio Vatikan – 03.02.2009

 

P. Lombardi: „Verurteilung konnte nicht klarer sein“
Bezüglich neuer Forderungen nach einer Klärung der Position des Papstes und der katholischen Kirche zum Thema Holocaust erinnert der Leiter des Vatikanischen Pressesaales daran, dass die Meinung des Papstes zum Holocaust mehrfach in voller Klarheit zum Ausdruck gebracht wurde: in der Synagoge von Köln am 19. August 2005, im Konzentrationslager Auschwitz am 28. Mai 2006, bei der darauf folgenden Generalaudienz am 31.05.2006 und mit unmissverständlichen Worten bei der Generalaudienz am 28. Januar 2009. Wir erinnern hier nur an die Folgenden: „Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern des ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Reduzierung…“.
Die Verurteilung von Aussagen, die den Holocaust leugnen, konnte nicht klarer sein, und aus dem Kontext erschließt sich, dass diese sich auch auf die Positionen von Bischof Williamson und alle ähnlichen Positionen bezogen. Beim selben Anlass hat der Papst auch eindeutig den Zweck der Aufhebung der Exkommunikation erklärt; diese hat nichts mit einer Legitimierung von Aussagen, die den Holocaust leugnen, die der Papst klar verurteilt, zu tun.
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Vatikan: „Die Angelegenheit ist beigelegt“
Zum ersten Mal schaltet sich die Nummer Zwei des Vatikans in die heftige Debatte um die Lefebvre-Anhänger ein. In einem Interview mit der italienischen katholischen Tageszeitung „Avvenire“ betont Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, „dem Papst und allen seinen Mitarbeitern“ sei auch künftig an „guten Beziehungen“ zum Judentum gelegen. Die Pläne für eine Papstreise nach Israel seien „in einem fortgeschrittenen Stadium“. Auf die Frage, ob derzeit „fünfzig Jahre des Dialogs“ zwischen katholischer Kirche und Judentum „in Flammen aufgehen“, antwortet Kardinal Bertone: „Wir haben nicht so einen Katastrophen-Eindruck.“ Der Kardinal betont, dass die Aufhebung der Exkommunikation gegen vier Traditionalisten-Bischöfe nichts mit den „unglückseligen Äußerungen“ von Richard Williamson zu tun habe. Williamson, einer der vier betroffenen Bischöfe, leugnet den Holocaust. Wörtlich sagt Bertone: „Die Priesterbruderschaft Pius X. hat sich von den Äußerungen ihres Mitbruders distanziert und den Papst für diese unerfreuliche Episode um Verzeihung gebeten. Der Papst hat sich am Mittwoch klar geäußert. Die Angelegenheit ist aus meiner Sicht beigelegt.“ Die Vatikan-Kommission Ecclesia Dei will sich derweil nicht zur derzeitigen Debatte äußern. Das Gremium ist für die Kontakte des Vatikans zu den Lefebvre-Anhängern zuständig. (rv)

 

Deutschland: Debatte über Traditionalisten und Vatikan
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt XVI. zu einer eindeutigen Stellungnahme in der Debatte über den Umgang mit dem Holocaust aufgefordert. Die antisemitischen Äußerungen des britischen Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson dürften nicht ohne Folgen im Raum stehen bleiben, sagte Merkel am Dienstag vor Journalisten in Berlin. Benedikt und der Vatikan müssten „sehr eindeutig“ erklären, dass es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe, und dass es „einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt“ geben müsse. Diese Klarstellungen seien aus ihrer Sicht noch nicht ausreichend erfolgt, betonte Merkel.

 

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann verlangt aus Rom eine klare Entschuldigung sowie Konsequenzen für die Verantwortlichen. Die Entscheidung Papst Benedikts, Williamson zu rehabilitieren, sei eine Katastrophe für die Überlebenden des Holocaust. Das sagte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz dem Südwestrundfunk. Der Papst müsse klarstellen, dass die Leugnung des Holocaust kein Kavaliersdelikt sei.

 

Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, ruft zu einer scharfen Abgrenzung gegen den Antisemitismus und zum Dialog zwischen Juden und Christen auf. „Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, in der katholischen Kirche gäbe es Platz für Antisemiten und Leugner des Holocaust? Dem müssen wir entgegentreten“, forderte Marx in einer Predigt am Montag Abend. Mit Blick auf die umstrittene Piusbruderschaft sagte er: „Diese Gruppe muss nun klar machen, wo sie in dieser Frage steht.“ Jesus Christus sei nicht zu begreifen ohne das Wissen, dass er Jude war. Die Verbindung zwischen Juden und Christen sei eine besondere. Marx bedauerte, dass dies in der Geschichte von Gewalt und Verfolgung der jüdischen Mitbürger immer wieder vergessen worden sei. „Das sind Verirrungen, die wir immer wieder überwinden müssen“, verlangte der Erzbischof. Das II. Vatikanische Konzil habe unterstrichen, dass das Verhältnis zum jüdischen Volk ein spezielles bleiben müsse.

 

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner nennt die Äußerungen von Bischof Williamson zum Holocaust „unglaublich dumm und völlig indiskutabel“. Das Aufsehen darum habe dabei „leider das eigentliche Anliegen des Papstes“, nämlich die Einheit der Kirche, überlagert. „Mit der Aufhebung der Exkommunikation wird keine Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückgenommen“, betont Meisner. Zur Einheit der katholischen Kirche gehöre die Anerkennung ihres Lehramtes und die Akzeptanz aller Konzilien. Die vier Traditionalisten-Bischöfe hätten selbst um Aufhebung der Exkommunikation gebeten und in einem Brief an den Papst die kirchlichen Lehren anerkannt. An diesen Aussagen müssen sie sich jetzt messen lassen, so der Kardinal.

 

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick betonte am Montag Abend seinen Respekt vor dem Judentum. Solchen Respekt lehre Jesus die Christen. Dazu gehöre auch die Anerkennung, dass in Europa, und besonders im Deutschland des 20. Jahrhunderts, den Juden großes Unrecht angetan und entsetzlich viel Leid zugefügt wurde. „Die Shoah darf nicht geleugnet werden“, das fordere die historische Wahrheit und die Treue zu Jesus selbst, betonte Schick.

 

Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke schlägt vor, die Rehabilitierung der Traditionalisten zunächst einmal auszusetzen. Es sei ein Fehler des Papstes gewesen, den Holocaust-Leugner Richard Williamson wieder in die Kirche aufzunehmen, sagte Jaschke der BILD-Zeitung.

 

Der ernannte Bischof von Münster, Felix Genn, sieht hingegen durch die Papst-Geste an die Traditionalisten die Einheit der Kirche nicht gefährdet. Allerdings müssten die Bischöfe der St.-Pius-Bruderschaft „nun Farbe bekennen“ und sich den Vorgaben der Kirche und allen Dekreten des Zweiten Vatikanischen Konzils beugen. Das sagte Genn in Essen. Nach seinem Eindruck will Papst Benedikt verhindern, dass die Bischöfe der Pius-Bruderschaft weitere Bischöfe weihen und es so zur Bildung einer zusätzlichen Kirche komme. Im Unterschied zum linken Rand der Kirche sei der rechte institutionalisiert, wodurch die Gefahr einer weiteren Spaltung drohe. Möglicherweise komme es in diesem Prozess auch noch zur Spaltung dieser Bewegung, so Genn. Den Umgang mit Williamson und seinen, so Genn, abscheulichen Äußerungen müssten die Verantwortlichen in Rom prüfen.

 

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige betont, es könne kein Zurück hinter das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Bekenntnis zur Ökumene geben. Die Aufhebung der Exkommunikationen durch den Papst habe bei vielen Menschen in der Kirche „Unverständnis und Enttäuschung“ hervorgerufen, meinte Feige am Dienstag. „Der Petrusdienst an der Einheit der Kirche lässt sich nicht als Gegenpol zum Zweiten Vatikanischen Konzil begreifen“, meint Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aus Limburg. „Die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils sind wesenhaft und grundlegend für das Leben der Kirche.“

 

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sagte dem NDR, es herrsche viel Unmut unter den Katholiken über das Vorgehen des Vatikan. Die Menschen seien irritiert. Ein Holocaust-Leugner dürfe in der katholischen Kirche nicht geduldet werden. Bode nahm den Papst aber in Schutz. Benedikt habe die Hand ausstrecken wollen. Er habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass er ein Freund des Judentums sei.

 

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker betont: „Das Zweite Vatikanische Konzil steht auch heute für die Öffnung der katholischen Kirche zur Welt, für eine konstruktive Ökumene, für den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen, allen voran dem Judentum, und für die Respektierung der Religions- und Gewissensfreiheit. Das Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils verpflichtet auch in der Zukunft!“

 

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, forderte vom Papst eine Klarstellung zum Verhältnis zwischen der Kirche und den Juden. Die Rücknahme der Exkommunikation für Williamson stelle alle Äußerungen des Vatikan in Frage, die die Verbindungen zur jüdischen Gemeinschaft verbessert hätten. Kramer wörtlich: „Wir stehen jetzt im Prinzip vor einem Scherbenhaufen.“ Derweil meldet die Tageszeitung „Die Welt“, dass die christlich-jüdische „Woche der Brüderlichkeit“ derzeit auf dem Prüfstand steht. Es sei fraglich, ob die Initiative wie geplant stattfinden könne, berichtet das Blatt unter Berufung auf Kramer. Die zentrale Auftaktveranstaltung sollte in diesem Jahr am 1. März in Hamburg im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler stattfinden. Der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, Rabbiner Walter Homolka, warnte in der Zeitung, dass eine Absage jüdischerseits auch den protestantischen Part treffen würde.

 

Der Tübinger Theologe Hans Küng sagte im Bayerischen Rundfunk (BR), der Papst versuche immer noch, den Eindruck persönlicher Unfehlbarkeit in wichtigen Entscheidungen aufrechtzuerhalten, auch wenn er den Entschluss eigentlich zurücknehmen müsste, die Bischöfe wieder aufzunehmen. „Wer unfehlbar sich fühlt, macht auch unfehlbare Fehler“, so Küng wörtlich. Natürlich habe man in der katholischen Kirche nicht gedacht, dass die Rückführung der Traditionalisten ein solches Aufsehen erregen würde, aber man nehme den Konflikt, gerade mit den Juden, nicht allzu tragisch, erläuterte der Theologe im BR.

 

Der Protest deutscher Theologieprofessoren gegen die angestrebte Aussöhnung zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft Pius X. zieht Kreise. Am Montag schlossen sich Theologen aus Bochum und Bamberg der Kritik ihrer Kollegen aus Münster, Tübingen und Freiburg an. Dort hatten die Professorenkollegien vor wenigen Tagen nahezu vollständig ihre Vorbehalte gegen die Aufhebung der Exkommunikation gegen vier Traditionalistenbischöfe öffentlich gemacht. Vom Vatikan verlangen die Theologen disziplinarische Konsequenzen aus dem Eklat um Traditionalistenbischof Richard Williamson. „Ein Bischof, der die Schoah leugnet, ist untragbar“, so die Bochumer Theologen. Auch die bisher bekanntgewordenen Distanzierungen aus Reihen der Priesterbruderschaft seien „voller Zweideutigkeiten“. Verständnis äußerten die Bochumer Professoren für die Kritik der jüdischen Gemeinschaft, baten jedoch um eine differenzierte Sichtweise. Die jüngsten Vorgänge seien zu unterscheiden von der „beständig erneuerten Position der katholischen Kirche zu Israel wie zum Judentum“. Es bleibe zu hoffen, dass der jüdisch-christliche Dialog schnellstmöglich fortgeführt werden könne.

 

Das „Forum Deutscher Katholiken“ stellt sich hinter Papst Benedikt. Was jetzt medial über den Papst hereinbreche, sei zu erwarten gewesen. Den Kritikern passe offenbar „die ganze Richtung“ nicht. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „Der eigentliche Grund für die „Entrüstung“ liegt darin, dass der Papst an der ganzen Lehre der Kirche festhält, die Einhaltung des 2.Vatikanischen Konzils nach Geist und Buchstaben einfordert und Fehlentwicklungen korrigiert.“

 

Auch der Journalist Peter Seewald verteidigt Papst Benedikt. Seewald, der durch zwei Gesprächsbücher mit dem jetzigen Papst bekannt wurde, findet: „Manchmal sagen die Reaktionen auf eine Entscheidung mehr als die Entscheidung selbst.“ Es sei doch Aufgabe des Papstes, Brücken zu bauen und auf Andersgläubige zuzugehen. „Aber welche Brücken gebaut werden und welche „Andersgläubige“ die richtigen Andersgläubigen sind, dass bestimmen bitteschön die Oberpäpste in den Redaktionen.“ „Der Pulverdampf um Benedikt wird auch diesmal verfliegen“, sagt Seewald in einem kath-net-Kommentar voraus. (rv/kna/pm/kath-net)

 

Deutschland/Frankreich: Fellay „schon am Handeln“
Der Generalobere der „Priesterbruderschaft Pius X.“, Bernard Fellay, distanziert sich vom Antisemitismus. In einem Gespräch mit der französischen Zeitschrift „Famille chretienne“ sagte er: „Wir weisen alles zurück, was als Gutheißung dessen aussehen könnte, was unter Hitler geschehen ist.“ Die Geschehnisse von damals seien „abscheulich”. Die Piusbruderschaft verurteile jede Tötung von Schuldlosen; dieses Verbrechen schreie zum Himmel, betonte Fellay. In den nächsten Tagen will Fellay, Medienberichten zufolge, offenbar mögliche Sanktionen gegen Richard Williamson bekannt geben. „Ja. Ich bin schon am Handeln“, sagte er am Sonntag am Rande eines Gottesdienstes in Zaitzkofen bei Regensburg, wo die Pius-Bruderschaft ein Priesterseminar unterhält. (kna/pm)

Newsletter von Radio Vatikan – 02.02.2009

 

Vatikan: Kardinal Kasper sieht „Fehler im Management der Kurie”
Der Vatikan-Verantwortliche für das Gespräch mit anderen christlichen Konfessionen und mit dem Judentum beklagt mangelnde Kommunikation im Vatikan, was die Exkommunikation von Lefebvre-Bischöfen betrifft. „Man hat da vorher im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten”, meinte Kardinal Walter Kasper im Gespräch mit Radio Vatikan. Von Moskau aus, wo er an den Feiern zum Amtsantritt des orthodoxen Patriarchen Kyrill teilgenommen hat, sagte Kasper am Montag, er sehe die derzeitige Debatte „mit großer Besorgnis”. Im „Management der Kurie” seien Fehler gemacht worden.
Gegenüber Radio Vatikan sagt Kardinal Kasper:

 

„Ich beobachte die Debatte mit großer Besorgnis: Niemand kann sich darüber freuen, dass Missverständnisse aufgetreten sind. Es sind sicher auch Fehler gemacht worden im Management der Kurie – das will ich ganz ausdrücklich sagen. Aber in der Substanz heißt die Aufhebung dieser Exkommunikationen ja nur, dass man sozusagen ein Hindernis weggenommen hat, damit man nun eintreten kann in das Gespräch mit der Lefebvre-Bewegung, über eine ganze Reihe von theologischen Fragen. Soweit ich das beurteilen kann, wird es kein leichtes, sondern ein schwieriges Gespräch sein – sowohl über die Ökumene wie über den interreligiösen Dialog wie über die Eucharistie oder die Religionsfreiheit… Es sind viele Fragen da zwischen uns und ihnen. Der Papst wollte das Gespräch eröffnen, weil er die Einheit nach innen will und nach außen. Wir hoffen, dass es nun zu einem guten Gespräch kommt, aber es kann keine Rede davon sein, dass diese Lefebvre-Bischöfe jetzt schon in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche sind. Sie sind nach wie vor suspendiert. Wir hoffen, dass wir jetzt ein ernsthaftes Gespräch eröffnen, wobei sie vor allem Schritte des Entgegenkommens machen müssen.”

 

Ob es im Vatikan manchmal an interner Kommunikation mangelt, meint Kardinal Kasper:

 

„Ich bin der Meinung: Ja. Ich muss das ganz offen sagen. Man hat da vorher im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen und nicht mehr abgecheckt, wo die Probleme auftreten können. Es hintendrein zu erklären, ist natürlich immer viel, viel schwieriger, als wenn man das gleich gemacht hätte. Ich hätte mir auch mehr Kommunikation vorher gewünscht.” (rv)
Hier zum Nachhören
 

 

Klare Worte: Deutschsprachige Bischöfe zu Papst und Lefebvre
Bischöfe im deutschsprachigen Raum bemühen sich in der Debatte um Papst und Lefebvre-Anhänger um Schadensbegrenzung. Hören Sie bei uns einen Beitrag von Stefan Kempis mit Kommentaren des Wiener Kardinals Christoph Schönborn und des deutschen Erzbischofs Robert Zollitsch. Beide leiten die jeweilige Bischofskonferenz ihres Landes. (rv/orf/pm)
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Deutschland: Erzbischof Marx: „Kein Platz für Holocaust-Leugner“
„Wer den Holocaust leugnet, hat keinen Platz in der katholischen Kirche.“ Das betonte der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, in einer Pressemitteilung an diesem Montag. Mit Blick auf die Debatte um die Piusbruderschaft hob Marx hervor, dass es bis jetzt noch keine kirchliche Gemeinschaft mit dieser Gruppierung gebe. Die Bischöfe und Priester der Bruderschaft dürften ihr Amt in der katholischen Kirche nicht ausüben. Voraussetzung einer vollen Kirchengemeinschaft sei die Klärung strittiger Fragen. Dazu gehören auch der wertschätzende Dialog mit dem Judentum und die Bereitschaft, mit anderen Religionen ins Gespräch zu kommen. Er erwarte eine scharfe Distanzierung von jeglichem Antisemitismus und ein eindeutiges Bekenntnis zum II. Vatikanischen Konzil, so Marx. Die Rückbesinnung auf kirchliche Traditionen sei keine Restauration, sondern „Glaubenserfahrung und Glaubenswissen“, die für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden sollen. (pm)

 

Deutschland: Maier, „Einheit um einen hohen Preis“
Der Vatikan hätte vor der Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe die nationalen Bischofskonferenzen einbeziehen müssen. Das sagte der Religionsphilosoph und frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Maier, an diesem Montag gegenüber Radio Vatikan. Die derzeitige Krise hätte vermieden werden können, wären mehr Menschen an der Entscheidung beteiligt gewesen, so Maier im Gespräch mit Birgit Pottler.
 

 

„Es ist ein unverzeihlicher Fehler, auch ein politisch handwerklicher Fehler, dass man diejenigen Bischofskonferenzen, wo die meisten Leute der Bruderschaft leben, also die schweizerisch, deutsche und französische nicht vorher unterrichtet wurde; daher auch die Hilflosigkeit in den Äußerungen der Bischöfe, daher auch das Stimmengewirr, das aus Rom kam. Auch Kardinal Walter Kasper hat ja deutlich diese Holocaust-Leugnung kritisiert und verurteilt, auch der Papst hat das klar gestellt. Aber wenn das so ist, warum hat man nicht früher eine breitere Einigung, einen Konsens über diese Fragen herbeigeführt? Eine so wichtige und entscheidende Frage muss in einem größeren Kreis behandelt werden.“ (rv)
Lesen und hören Sie hier das gesamte Interview mit Hans Maier
 

 

Kommentar: „Missverständnis und Debakel”
Missverständnisse und mangelnde Professionalität – ein Kommentar vom Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen SJ, zur aktuellen Diskussion um Richard Williamson und die Beweggründe von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation gegen die Lefebvre-Bischöfe aufzuheben:

 

„Papst Benedikt ist in eine äußerst schwierige Situation geraten. Seine besten Absichten, das Schisma mit den Lefebvre-Anhängern zu beheben, wird missverstanden und wurde vom Vatikan unprofessionell bekannt gegeben. Viele Katholiken sind von Papst Benedikt enttäuscht, weil sie den Eindruck haben, er komme einer faschistischen Gruppe zu weit entgegen.
Dabei steht Papst Benedikt, wie er oft gesagt hat, voll hinter dem Zweiten Vatikanum, voll und ganz hinter Religionsfreiheit, hinter dem Dialog mit den Juden, und voll zur Ökumene. Er verurteilt Antisemitismus. Sein eigentliches Grundanliegen ist die Rettung der christlichen Wurzeln unserer Kultur. Offenbar gibt es im Vatikan Organisations- und Kommunikationsmängel.
Hier bei Radio Vatikan kann ich eigentlich nur noch sagen: Beten Sie für den Papst und seinen Stab. Ein solches Missverständnis und Debakel darf nie wieder passieren.”
(rv)
Hier zum Nachhören
 

 

Spezial: Pater Gemmingen beantwortet Fragen rund um Williamson und Lefebvre
Nach der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe, die Anhänger von Erzbischof Lefebvre waren, bekamen wir viele wütende Mails. Sie bezogen sich kaum auf die Rücknahme der Exkommunikation, sondern meist nur darauf, dass auch der Holocaust-Leugner Bischof Williamson offenbar in den Schoß der Kirche aufgenommen wurde.
Als ein sehr maßvolles Beispiel der Mails hier das, was der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel uns schrieb: Lieber Herr Pater, was ist denn bei Euch in Rom los?
Hier zum Nachlesen und Nachhören

 

Newsletter von Radio Vatikan – 01.02.2009

 

Israel: Kein Abbruch der Beziehungen zum Vatikan
Das israelische Außenministerium erwägt derzeit keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan. Das teilte der Sprecher des Ministeriums jetzt mit. Er widersprach damit dem israelischen Religionsminister Jithzak Cohen, der im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ einen Abbruch der Beziehungen erwogen hatte. Hintergrund sind israelische Verstimmungen über den Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson. Solche Äußerungen seien die persönliche Meinung des Religionsministers, sagte der Sprecher des Außenministeriums. Der Abbruch der Beziehungen zum Vatikan stehe „nicht auf der Tagesordnung“. Zur Aufhebung der Exkommunikation gegen vier traditionalistische Bischöfe wollte sich der Sprecher nicht äußern – das sei keine Angelegenheit, die das Verhältnis zwischen den Staaten betreffe. Auch der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, sagte der „Bild am Sonntag“: „Die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan waren, sind und werden immer sehr wichtig sein für Israel, und ich denke, auch für den Vatikan.“
Das Magazin „Focus“ berichtete unterdessen, Bischof Williamson dürfe bei der deutschen Piusbruderschaft nicht mehr auftreten. Am 30. Mai habe der britische Geistliche im Priesterseminar in Zaitzkofen (Kreis Regensburg) Diakone weihen wollen. „Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir ihn hier nicht mehr sehen wollen und dass er die Weihen nicht mehr durchführen darf“, sagte der Regens des St. Pius-Priesterseminars, Stefan Frey. Gegen Williamson ermittelt auch die deutsche Justiz wegen Holocaust-Leugnung. (kna/ansa)

 

DOSSIER: DEBATTE ÜBER TRADITIONALISTEN UND SHOAH

Lehmann sieht „Fehler im Vatikan“
Nach dem Eklat um die vier Tradionalisten-Bischöfe hat Kardinal Karl Lehmann der zuständigen Kommission im Vatikan Fehler vorgehalten. Zugleich nahm der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Interview der „Welt am Sonntag“ Papst Benedikt XVI. in Schutz: „Es tut mir für den Papst leid, der ja die lautersten Absichten hatte.“ Lehmann warf der vom kolumbianischen Kardinal Dario Castrillon Hoyos geleiteten Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“ vor, sich über Bischof Richard Williamson kein zutreffendes Bild gemacht zu haben. Unabhängig von dessen Leugnung des Holocaust habe dieser sich ja schon öfter zu anderen Themen problematisch geäußert. „Dieses Wissen hätte man eigentlich voraussetzen müssen.“ Offensichtlich seien im Vatikan die politischen Zusammenhänge und Verflechtungen zu wenig beachtet worden. Der Kardinal widersprach der Ansicht, dass der Papst restaurative Kräfte auf den Plan gerufen habe. Dass dies aber wegen der Äußerungen von Williamson so wahrgenommen werde, sei eine „schlimme Sache“. Nach EinSchätzung des Mainzer Bischofs geht es der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Piusbruderschaft in erster Linie nicht um liturgische, sondern um dogmatische Fragen. Der Kardinal kritisierte, dass sich die Traditionalisten niemals mit der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Religionsfreiheit abgefunden hätten. Sie lehnten auch die Botschaft ab, dass es in Glaubensfragen keinen Druck geben darf und die Kirche auf weltliche Machtansprüche verzichtet.
Lehmann wandte sich auch gegen die Thesen der Piusbruderschaft, wonach die Aufwertung der Kollegialität der Bischöfe der Autorität des Papstes widerspreche und jedes ökumenische Bemühen ein Verrat an der Wahrheit sei. Die Bewegung vertrete bedenkliche politische Positionen, so der Kardinal. Die Anhänger stünden teils in der Tradition der um 1900 entstandenen radikal nationalistischen „Action francaise“, die sich militant katholisch, monarchistisch und antisemitisch gegeben habe und von Pius X. schon 1914 für unvereinbar mit der katholischen Religion erklärt worden sei. Im Milieu der Lefebvre-Anhänger habe man sich bis heute nicht mit der Französischen Revolution abgefunden. Indem sich die kleine Gruppe auf die lateinische Liturgie konzentriere, verschleiere sie ihre wahren Absichten. (kna)

 

D: Spaemann verteidigt Papst-Entscheidung
Der Philosoph Robert Spaemann verteidigt die Entscheidung von Papst Benedikt in Sachen Lefebvrianer. Die Aufhebung einer Exkommunikation sei „ganz und gar unpolitisch“, so der Papst-Vertraute in einem Leserbrief der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Spaemann verweist auf ein Beispiel aus China: „In China zogen sich jahrzehntelang die Bischöfe der „patriotischen Vereinigung“ die „Tatstrafe“ der Exkommunikation zu, weil sie ohne päpstlichen Auftrag Bischöfe weihten oder sich weihen ließen.“ Benedikt habe die meisten dieser Exkommunikationen „ohne Getöse“ wieder aufgehoben, obwohl die Abspaltung neben theologischen auch politische Implikationen hatte. „Ähnlich nun mit den vier Lefebvre-Bischöfen“, schreibt Spaemann. Er präzisiert: „Die Aufhebung bedeutet: Sie dürfen wieder beichten und die Lossprechung von ihren Sünden empfangen. Sie dürfen wieder die Kommunion empfangen. Sie müssen nicht mehr ohne Tröstung durch die Sakramente der Kirche sterben. Das ist auch schon alles.“ Der Papst verdiene die Anrede „Vater“ nicht, „wenn er einen solchen Gnadenakt von politischen Erwägungen abhängig machen würde“. (pm)

 

Italien: Lefebvre-Bischof uneinsichtig
„Wir werden unsere Position nicht ändern – wir werden den Vatikan bekehren.“ Das sagt der französische Traditionalistenbischof Bernard Tissier de Mallerais im Gespräch mit einer italienischen Tageszeitung. Er gehört zu den vier abtrünnigen Bischöfen, deren Exkommunikation der Papst vor einer Woche aufgehoben hat. Er sei bewegt über die Geste des Papstes, habe die Exkommunikationen aber nie als kirchenrechtlich gültig betrachtet. Schließlich habe Bischof Marcel Lefebvre mit seinen illegalen Bischofsweihen 1988 aus einer „Notlage“ heraus gehandelt. (stampa)

 

D: „Eine scheußliche Verirrung“
Die Leugnung des Holocaust ist „eine scheußliche Verirrung und muss für einen Bischof der katholischen Kirche in jeder Hinsicht untragbar sein“. Das sagte der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke bei der Eröffnung der St.-Ansgar-Woche am Sonntag. Nach dem „unsäglichen Vorgang“ um die Piusbruderschaft gehe es jetzt vor allem um Schadensbegrenzung. Der Papst habe für die Kirche in aller Eindeutigkeit die Verurteilung jeder Form von Antisemitismus wiederholt. „Ich bin dankbar für die schnelle Entschuldigung aus dem Munde des Papstes“, so der Weihbischof. Selbstverständlich müsse auch das Zweite Vatikanische Konzil mit seinen Grundaussagen von der Piusbruderschaft anerkannt werden. Nötig seien jetzt Klarheit, Vernunft und Besonnenheit. „Der Dialog mit den Juden und seine Ergebnisse bleiben unwiderruflich“, betonte Jaschke. Er wünsche sich, dass der eingetretene Schaden durch öffentliche Aufregung nicht verschlimmert werde. Der Weihbischof forderte: „Halten wir fest, was wir erreicht haben.“ (pm)

 

D: „Das Konzil anerkennen!“
Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, ist besorgt über die derzeitige „Verunsicherung, Unverständnis und Enttäuschung” bei vielen Katholiken angesichts der Nachrichten aus Rom. „Es belastet mich als Bischof und als Seelsorger, dass diese Vorgänge zur äußeren und inneren Entfremdung zahlreicher Gläubiger von der Kirche, zu einem Vertrauensverlust besonders der jüdischen Schwestern und Brüder gegenüber der Kirche sowie zu einer erheblichen Störung des christlich-jüdischen Dialogs geführt haben. In den Augen vieler beeinträchtigen diese Ereignisse die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche.” Sein Bistum bleibe „ohne Wenn und Aber“ dem Konzil verpflichtet, so Bischof Fürst. Die kirchliche Einheit sei „ein hohes Gut“, doch sei sie „nicht mit einer Leugnung grundlegender Aussagen des Konzils zu vereinbaren. Sonst wird sie um den Preis erkauft, dass viele Gläubige sich innerlich oder äußerlich abwenden“. (pm)

 

SONDERSENDUNG:

 

Zu Lefebvre, Williamson usw. haben uns viele Emails, Briefe und Reaktionen erreicht. Auf einige der Fragen antwortet Pater Eberhard v. Gemmingen in einer Sondersendung von diesem Sonntag.
Hier können Sie die Sendung hören.


Newsletter von Radio Vatikan – 31.01.2009

Deutschland/Vatikan: Bischof Williamson entschuldigt sich beim Papst
Der Lefebvre-Bischof Richard Williamson hat Papst Benedikt in einem Brief um Verzeihung gebeten. In dem Schreiben im Internet entschuldigt er sich für die - wie er schreibt – „unnötige Bedrängnis und die Probleme”, die er verursacht habe. Seine Äußerungen über Gaskammern und die Leugnung des Holocaust nannte er unüberlegt.
In dem Schreiben an den für die Traditionalisten im Vatikan zuständigen Kardinal Dario Castrillon Hoyos spricht Williamson von dem „furchtbaren Medien-Sturm”, den er mit seinen Äußerungen ausgelöst habe. Wörtlich meint er:

 

Mitten in dem furchtbaren Medien-Sturm, der durch meine unbedachten Bemerkungen im schwedischen Fernsehen heraufbeschworen wurde, bitte ich Sie mit allem Respekt, mein aufrichtiges Bedauern für das Leid und die Probleme zu akzeptieren, die ich Ihnen und dem Heiligen Vater bereitet habe.”

 

Die Entschuldung des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson beim Papst ist nach Worten von Kurienkardinal Giovanni Battista Re ein erster Schritt. Allerdings müsse Williamson auch noch zu seinen Behauptungen über den Holocaust Stellung nehmen, sagte der Präfekt der Bischofs-Kongregation am Samstag in einem Interview der italienischen Zeitung „La Repubblica”. Der Papst habe sich dazu in aller Klarheit geäußert, so der Kardinal, der vor einer Woche mit einem Dekret die Exkommunikation der vier Traditionalisten-Bischöfe zurückgezogen hatte.

 

„Wenigstens hat er kapiert, dass er eine Dummheit begangen hat”,

 

sagte Re in einem ersten Kommentar zum Brief von Williamson an Kardinal Dario Castrillon Hoyos vom Freitag. Darin hatte sich der in Argentinien lebende britische Kirchenmann für den Ärger entschuldigt, den er dem Papst bereitet hatte; mit keinem Wort hatte er jedoch den Holocaust erwähnt. Mit dieser Entschuldigung sei der Fall keineswegs beigelegt, sagte der Kardinal. (kna/reuters)
 

 

Italien: Oberrabbiner lädt Papst ein
Der römische Oberrabbiner Riccardo di Segni hat derweil Papst Benedikt XVI. zu einem Besuch in der Synagoge eingeladen. Ein solcher Besuch wäre „eine konkrete Geste der Versöhnung” nach den Turbulenzen und Verstimmungen, die die Zurücknahme der Exkommunikation für den „Holocaust-Leugner” Richard Williamson, in den Beziehungen zwischen katholischer Kirche und dem Judentum ausgelöst haben. Das sagte Di Segni in einem Interview mit der Wiener Tageszeitung „Der Standard”. Er habe bisher noch keine Antwort erhalten”, so der Oberrabbiner, die wichtigste religiöse Autorität der Juden in Italien. (kap)

KOMMENTAR DER WOCHE:

„Lieber Hörerinnen und Hörer,
Ich bitte jetzt alle, die Papst Benedikt hoch schätzen, um das Vertrauen in mich, wenn ich gerade aus Hochachtung vor ihm, seinem Amt und seiner Kirche, die Arbeit einiger Personen im Vatikan unter die Lupe nehme. Ich tue das nicht zur Nestbeschmutzung, sondern weil Millionen anständiger Menschen ernsthafte Fragen an Papst Benedikt und die katholische Kirche haben. Meine folgende Kritik ist Ausdruck der Wertschätzung des Papstes, des Vatikans und der katholischen Kirche.
Und nun möchte ich sagen:
Im Vatikan ist in den letzten Tagen einiges schief gelaufen. Könnte nicht ein Sprecher erklären: Wir haben einige Fehler gemacht? Da ist etwas falsch gelaufen? …”
Lesen Sie hier den gesamten Kommentar von Stefan von Kempis


Newsletter von Radio Vatikan – 30.01.2009

Vatikan: „Nichts gewusst“
Bis zum letzten Moment habe der Vatikan „absolut nichts“ von der Holocaust-Leugnung des britischen Lefebvre-Bischofs Richard Williamson gewusst. Dies sagte der Präsident der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, Kardinal Darío Castrillón Hoyos, am Donnerstag gegenüber der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“. Hoyos hatte die Verhandlungen mit den Lefebvrianern vor der Aufhebung der Exkommunikation geführt. Bei Bekanntwerden des Interviews mit Williamson sei das Dekret bereits an die Lefebvre-Bischöfe überreicht gewesen, so der Kurienkardinal.
Unterdessen legte Vatikansprecher P. Federico Lombardi nochmals dar, dass eine Leugnung der Shoah völlig inakzeptabel sei. „Wer die Shoah leugnet, weiß nichts vom Geheimnis Gottes“, sagte Lombardi in seinem Editorial für Radio Vatikan. Von dieser erschreckenden „Demonstration der Macht des Bösen“ werde der Glaube an die Existenz Gottes herausgefordert. Umso schwerwiegender sei es, so Lombardi, wenn die Holocaust-Leugnung aus dem Munde eines Priesters oder Bischofs komme.
 

 

„Der Papst hat in der jüngsten Generalaudienz die tiefgehende Betrachtung anlässlich seines Besuchs im Konzentrationslager Auschwitz wieder aufgenommen. Er hat nicht nur jede Form des Vergessens oder der Leugnung der Tragödie der Vernichtung von sechs Millionen Juden verurteilt, er hat gleichzeitig an die dramatischen Fragen erinnert, die diese Ereignisse an das Gewissen eines jeden Menschen und jedes Gläubigen stellen.“

 

Der Papst habe nach dem „Warum?“ gefragt, nach dem Grund für das scheinbare Schweigen und die Abwesenheit Gottes.
 

 

„Mit diesem doppelten Geheimnis konfrontiert - die schreckliche Gewalt des Bösen auf der einen und die scheinbare Abwesenheit Gottes auf der anderen Seite ist die letzte Antwort des christlichen Glaubens die Passion des Sohnes Gottes. … Wir können und dürfen diese Fragen nicht meiden und noch weniger sie leugnen. Unser Glauben ist sonst trügerisch und leer.“ (rv/corriere della sera/ap)
Hier zum Nachhören
 

 

Deutschland: Zollitsch und Müller verärgert
Wenn der britische Traditionalistenbischof Richard Williamson zur katholischen Kirche gehören will, müsse er seine Äußerungen zum Holocaust zurücknehmen und sich entschuldigen. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag vor Journalisten. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bedauerte bei einem Besuch der Synagoge in Mannheim zugleich, dass sich der Vatikan vorab offenbar nicht besser über Williamson informiert habe. Mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland wolle er weiter Kontakt halten, sagte Zollitsch nach der Ankündigung der Zentralratsvorsitzenden Charlotte Knobloch, unter solchen Voraussetzungen könne es derzeit keine Gespräche geben. Eine Entschuldigung des Holocaust-Leugners reiche nicht aus, erklärte Knobloch an diesem Freitag in München. Der Zentralrat erwarte jetzt ein „klares Signal aus dem Vatikan“.
Zollitsch:
 

 

„Ich verstehe die Enttäuschung von Charlotte Knobloch. Doch ich persönlich bin von meiner Geschichte her ein Mensch, der prinzipiell nie Brücken abbricht. Ich versuche vielmehr neue Brücken zu bauen. Deshalb werde ich von meiner Seite versuchen, Brücken zu bauen.“

 

Auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verteidigt den Papst: Die Aufhebung der Exkommunikation gegen den Traditionalisten-Bischof habe nichts mit dessen skandalösen Äußerungen zu tun, sagte er dem Kölner Domradio.
 

 

„Ich bin verärgert, dass man nun den Papst kritisiert und nicht die Worte Williamsons. Denn es ist ganz klar, dass der Täter dieser Geschichte Williamson ist und nicht der Papst. Es ist ein unglücklicher Zufall von zwei voneinander unabhängigen Vorgängen. Wenn man die Kaltschnäuzigkeit sieht, mit der Williamson über das Leiden von Millionen von Menschen – Kindern und Erwachsenen – sprach, dann steigt die Zorneswut heiß ins Gesicht. Es ist einfach unerträglich, dass jemand der – wenn auch illegal – zum Bischof geweiht worden ist und somit Nachfolger der Apostel und Verkündiger des Evangeliums ist, eine solche unglaubliche Position vertritt.“ (rv/domradio/kna)
Hier zum Nachhören
 

 

Kirchenrechtler über Piusbruderschaft: „Zum Teil sehr anmaßende Töne“
„Meine Rechtsauffassung ist, das die vier Bischöfe weiterhin suspendiert bleiben“. Das sagte der Münchner Kirchenrechtsprofessor Pater Stephan Haering OSB im Interview von Radio Vatikan. Seiner Einschätzung nach muss die Piusbruderschaft jetzt nicht nur theologische Klärungen mit dem Vatikan suchen, sondern dabei auch ihren anmaßenden Ton ändern. (rv)
Hier das gesamte Interview zum Nachlesen und -Hören
 

 

Weitere Reaktionen zum Thema
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sieht in der Aufhebung der Exkommunikation des britischen lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson Fehler des Vatikans. „Wer die Shoah leugnet, kann nicht in einem kirchlichen Amt rehabilitiert werden“, sagte Schönborn am Donnerstag Abend in einem Interview für das ORF-Fernsehen. Hier hätten „vatikanische Mitarbeiter nicht genügend hingeschaut“ und sich nicht ausreichend über Williamson informiert. Der Wiener Kardinal hat derweil die Vertreter der christlichen Kirchen dazu aufgerufen, die ökumenischen Bemühungen fortzusetzen. Trotz vieler Fortschritte, die in der katholischen Kirche beispielsweise durch das Zweite Vatikanische Konzil ermöglicht wurden, werde es auch in Zukunft „Stolpersteine und Ungeschicklichkeiten“ geben, räumte der Kardinal beim traditionellen Ökumenischen Empfang im Wiener Erzbischöflichen Palais ein. Das dürfe aber nicht dazu führen, von einer „Eiszeit in der Ökumene“ zu sprechen und in Mutlosigkeit zu verfallen. Als „enttäuschend und empörend“ bezeichnete der Kardinal die Weigerung des offiziellen Österreich, sich an der EU-Hilfsaktion zur Aufnahme von bedrängten Irakern aus den religiösen Minoritäten (vor allem Christen) zu beteiligen. Für ein Land wie Österreich sie es „beschämend“, keine irakischen Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei handle es sich in überwiegender Zahl um Christen, die um ihr Leben fürchten müssen, so Schönborn. (kap/orf)

 

Deutschland
15 Tübinger Theologieprofessoren kritisieren die Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der Piusbruderschaft durch Papst Benedikt XVI. Die Maßnahme stelle „ein Ärgernis und eine schwere Belastung“ nicht nur ihrer Arbeit, aber auch der Arbeit vieler Priester, pastoraler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Religionslehrer und Religionslehrerinnen dar, schreiben die katholischen Theologen in einer gemeinsamen Stellungnahme. Sie befürchten, dass die Aufhebung der Exkommunikation dieser Bischöfe einen Wendepunkt in der nachkonziliaren Kirchengeschichte markiert. Man respektiere das Bemühen des Papstes um die Einheit der Kirche. Dennoch gebe es nunmehr in der katholischen Kirche Bischöfe, die „die Religions- und Gewissensfreiheit ablehnen, offen eine antiökumenische Gesinnung zeigen, ein klerikalistisches Kirchenbild vertreten, innerhalb dessen das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen kaum mehr Bedeutung hat, und die „konziliare Kirche“ bewusst verachten“. Einer dieser Bischöfe leugne zudem das ganze Ausmaß der Shoah und zeigt ein antisemitisches Denken. Damit stehe er nach wie vor außerhalb der Kommunio der Kirche. Die Erklärung ist unterzeichnet von Urs Baumann, Albert Biesinger, Franz-Josef Bormann, Thomas Freyer, Ottmar Fuchs, Norbert Greinacher, Bernd Jochen Hilberath, Andreas Holzem, Joachim Köhler, Karl-Josef Kuschel, Dietmar Mieth, Andreas Odenthal, Richard Puza, Hans Reinhard Seeliger und Michael Theobald. (pm)
Christen und Juden sollten miteinander im Gespräch bleiben, statt übereinander zu reden. Dazu hat der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aufgefordert. Nach den Irritationen rund um den Holocaust-Leugner Richard Williamson steht das Bistum Limburg nach eigenen Angaben auf mehreren Ebenen intensiv im Dialog mit jüdischen Repräsentanten. Die Position der katholischen Kirche „zum schrecklichen Verbrechen des Holocaust“ sei unmissverständlich und klar, betonte Tebartz-van Elst an diesem Freitag. Wörtlich schreibt er: „Eine Leugnung des Holocaust ist unerträglich. Dagegen müssen wir Christen und auch unser Staat mit aller Entschiedenheit vorgehen.“ In diesem Sinn habe auch Papst Benedikt XVI. wiederholt deutlich gesprochen, so der Limburger Bischof. (pm)
Lutheraner und Altkatholiken kritisieren die Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen, unter ihnen der Holocaust-Leugner Williamson. Der Wille zur Einheit sei offenbar so mächtig, dass Papst Benedikt XVI. bereit sei, menschenverachtende und kriminelle Äußerungen eines Bischofs in Kauf zu nehmen, erklärte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Bischof Friedrich Weber, am Freitag in Hannover. Auch die gegenwärtig im tschechischen Karlik tagende internationale Altkatholische Bischofskonferenz äußerte „Betroffenheit und Unverständnis“. Mit der Aufhebung der Exkommunikation werde deutlich ein Weg fortgesetzt, der hinter die Reformen und Grunderkenntnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückführe. (kna)

 

Schweiz
Die reformierten Kirchen des Landes sind entschlossen, jeglicher Form von Antisemitismus und Rassismus in der Schweiz entgegenzutreten. Das schreibt der reformierte Kirchenbund in einem Brief an die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz. Man habe vernommen, dass die jüdischen Gemeinden in der Schweiz infolge des Gaza-Krieges eine große Zahl von drohenden und antisemitischen Zuschriften erhalten hätten. Deshalb seien die reformierten Kirchen entschlossen, „durch ihre Arbeit im Bereich der Kirche, der Politik und der Menschenrechte mit Entschiedenheit jeglicher Form von Antisemitismus und Rassismus entgegenzutreten“. Dazu zähle auch die in jüngster Zeit wieder ausgesprochene Leugnung des Holocaust. (kipa)

 

Brasilien
Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff sieht die Gefahr eines neuen Kirchenschismas durch eine Wiedereingliederung der Traditionalisten. Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation gegen die vier vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) geweihten Bischöfe aufzuheben, nannte Boff am Donnerstag beim Weltsozialforum in Belem „überraschend und für viele Angehörige der Kirche skandalös“. Er fürchte, dass sich die Lefebvre-Anhänger damit noch nicht zufrieden geben: „Sie werden weitergehen wollen und eine Revision des Zweiten Vatikanischen Konzils anstreben.“ Wenn dies passieren sollte, „wäre es ein Grund für ein Kirchenschisma“, so Boff. Nach Meinung des Befreiungstheologen schwächt die Entscheidung des Papstes „all jene, die die Kirche um einen offiziellen Konsens herum einigen“ wollten; und dieser Konsens sei das Konzil. – Boff äußerte sich anlässlich einer vom Franziskanerorden organisierten Gesprächsrunde im Rahmen des Weltsozialforums. Dort prangerte der Befreiungstheologe an, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem zu einer Massenverelendung führe. (kna)


Newsletter von Radio Vatikan – 29.01.2009

 
   

Kirchenrechtler: Suspendierung bleibt
Das Versöhnungsangebot des Papstes an die Priesterbruderschaft Pius X. bleibe zunächst ohne Folgen für das kirchliche Leben. Ihr rechtlicher Status sei noch völlig ungeklärt, sagte der Münchner Kirchrechtler Pater Stephan Haering, zur Aufhebung der Exkommunikation gegen die vier Bischöfe der Piusbruderschaft. Nach Einschätzung des Benediktiners bleibt das Verbot, ihr „geistliches Amt“ auszuüben weiterhin bestehen.
Haering sagte im Gespräch mit Radio Vatikan:
„Meine Rechtsauffassung ist, dass sie weiterhin suspendiert bleiben, denn die Inhalte der Suspension sind zwar auch mit der Exkommunikation verbunden, aber diese Kleriker der Piusbruderschaft waren zuvor schon suspendiert, d.h. die Strafe der Suspension ist vor der Exkommunikation schon über sie verhängt worden. Das Dekret spricht nur davon, dass die Exkommunikation aufgehoben ist, nicht aber davon, dass die Suspension aufgehoben ist. Insofern handelt es sich bei diesen Bischöfen wie bei allen anderen Klerikern der Priesterbruderschaft des Heiligen Pius X. um suspendierte Kleriker, die den geistlichen Dienst nicht ausüben dürfen.“
Die römischen Dokumenten und die Äußerungen des Papstes der vergangen Tage zeigten, dass es jetzt Gespräche geben muss. Haering:
„Papst Benedikt ist zweifellos sehr an der Einheit gelegen, und er hat sich entschieden, diesen Weg zu gehen. Mich hat es sehr überrascht, dass die Exkommunikation sozusagen einseitig aufgehoben worden ist. Die Interpretation, die seitens der Pius-Bruderschaft diesbezüglich verbreitet wird, ist durchaus zutreffend: Es ist ein einseitiger Akt des Papstes; ein Akt der Begnadigung. Das ist an sich bei der Aufhebung von Beugestrafen nicht üblich. Der Papst hat dieser Gruppe gegenüber wirklich das äußerste Entgegenkommen gezeigt.“ (rv)
Auch die französischen Bischöfe sind dieser Meinung: Die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe komme nicht einer Rehabilitation gleich. Das hat jetzt der permanente Rat der französischen Bischofskonferenz erklärt. Die Entscheidung Benedikts XVI. sei vielmehr Ausgangspunkt für einen langen Wegs des Dialogs. Das zweite Vatikanische Konzil sei in keinem Fall verhandelbar, so die Oberhirten in ihrer Stellungnahme. Die Bischöfe verurteilten zudem die „inakzeptablen und skandalösen Äußerungen“ von Bischof Richard Williamson und erinnerten daran, dass Papst Benedikt größtes Interesse an einem fruchtbaren Austausch zwischen Juden und Christen habe. (asca)
Hören hier Sie das Interview mit Pater Stephan Haering in voller Länge
 

Newsletter von Radio Vatikan – 28.01.2009

Papst: „Traditionalisten müssen Konzil anerkennen“
Papst Benedikt XVI. hat die Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft Sankt Pius X. dazu ermahnt, die Lehren des II. Vatikanischen Konzils anzuerkennen. Er tat dies in einem ungewöhnlichen Schritt, nämlich mit der Verlesung einer kurzen öffentlichen Erklärung gegen Ende der Generalaudienz.


„Ich habe vor einigen Tagen den Nachlass der Exkommunikation für die vier Bischöfe entschieden, die 1988 von Erzbischof Lefebvre ohne päpstlichen Auftrag geweiht worden waren. Ich habe diesen Akt der väterlichen Barmherzigkeit gesetzt, weil diese Prälaten mir wiederholt ihr tiefes Leiden an der Situation bekundeten, in der sie sich befanden. Ich wünsche, dass auf diese meine Geste das umgehende Bemühen von ihrer Seite folgt, die weiteren notwendigen Schritte zu setzen, um die volle Einheit mit der Kirche zu realisieren. Auf diese Art sollen sie echte Treue und echtes Anerkennen des Lehramtes und der Autorität des Papstes und des II. Vatikanischen Konzils bezeugen.“ (rv)
Zum Nachhören

SPEZIAL: PAPST VERURTEILT LEUGNUNG DES HOLOCAUST

 

„Juden waren unschuldige Opfer“
 

Gegen das Vergessen und die Leugnung der Shoah hat Papst Benedikt XVI. an diesem Mittwoch die Stimme erhoben. Nach den Diskussionen um die Aufhebung der Exkommunikation für die vier Bischöfe der Bruderschaft Pius X. und die Leugnung des Holocausts durch einen der Bischöfe, den Briten Richard Williamson, sagte der Papst am Ende der Generalaudienz:


„In diesen Tagen, in denen wir der Shoah gedenken, kommen mir Bilder meiner wiederholten Besuche in Auschwitz wieder in Erinnerung, einem der Lager, in dem der höhnische Mord an Millionen von Juden, den unschuldigen Opfern eines blinden Rassen- und Religionshasses, verübt wurde. Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern des ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Reduzierung. Denn Gewalt, die gegen einen einzigen Menschen ausgeübt wird, wird gegen alle verübt. ,Kein Mensch ist eine Insel’, schrieb ein bekannter Poet. Die Shoah möge sowohl die alten als auch die jungen Generationen lehren, dass nur der mühsame Weg des Aufeinander-Hörens, des Dialogs, der Liebe und der Vergebung die Völker, Kulturen und Religionen der Welt zu gewünschten Ziel der Brüderlichkeit und des Friedens in Wahrheit führt. Gewalt soll die Würde des Menschen nie wieder demütigen.“ (rv)
Zum Nachhören

 

Papst-Sprecher unterstreicht klare Worte des Papstes
Die wiederholt deutlichen Worte des Papstes zur Shoah sollten mehr als ausreichend sein, um letzte Zweifel über die Position der katholischen Kirche in dieser Angelegenheit aus dem Weg zu räumen. Das unterstrich Vatikansprecher Pater Federico Lombardi nach der Generalaudienz an diesem Mittwoch. Wünschenswert wäre ein Treffen zwischen dem Jerusalemer Oberrabbinat und der vatikanischen Kommission für den Dialog mit dem Judentum, um diese Fragen weiter zu vertiefen und einen Dialog voranzutreiben, sagte Lombardi weiter. (rv)

 

„Dialog nicht unterbrochen“
Der Dialog zwischen dem Vatikan und dem Jerusalemer Oberrabbinat ist nach Angaben des Vatikans nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Der Dialog sei keinesfalls abgebrochen worden, wies Norbert Hofmann, Sekretär der Kommission für die Beziehungen zum Judentum, israelische Pressemeldungen zurück. Allerdings plane man, die ursprünglich für 1. bis 4. März vorgesehene nächste Dialogrunde auf einen ruhigeren Zeitpunkt zu verschieben. Eine endgültige Entscheidung solle in den nächsten Tagen fallen, so Hofmann. - Die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“ veröffentlichte an diesem Mittwoch ein Artikel, in dem über einen angeblichen Abbruch der Gespräche zwischen dem Oberrabbinat und dem Vatikan spekuliert wurde. (kna/adnkronos)

 

Maulkorb für umstrittenen Bischof
Der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, hat seinem umstrittenen Mitbruder Richard Williamson nach dem Wirbel um dessen Holocaust-Leugnung ein Redeverbot erteilt. Er habe dem britischen Bischof „bis auf weiteres jedwede öffentliche Stellungnahme zu politischen oder historischen Fragen“ untersagt, teilte Fellay am Dienstag im Hauptsitz der Bruderschaft in Menzingen mit. Die Priesterbruderschaft bitte „den Heiligen Vater und alle Menschen guten Willens um Entschuldigung für den dadurch hervorgerufenen Ärger“ bitten. Die Äußerungen Williamsons gäben „in keiner Weise“ die Haltung der Piusbruderschaft wieder. Ein Bischof könne „nur zu Fragen des Glaubens und der Moral mit religiöser Autorität sprechen“. Die Bruderschaft beanspruche „keinerlei Autorität über historische oder andere säkulare Fragen“. (pm/ansa)

 

Hausverbot in Regensburg
Der Regensburger Bischof erklärt den Holocaust-Leutner Richard Williamson zur Persona non grata. Der Bischof der abtrünnigen Pius-Bruderschaft sei im Bistum Regensburg in katholischen Kirchen oder Einrichtungen nicht willkommen. Das erklärte Bischof Gerhard Ludwig Müller am Mittwoch. Die Leugnung des Holocaust durch Williamson sei „unmenschlich“. (asca)

 

Kardinal Kasper: „Jüdische Freunde, wir meinen es ernst“
Die katholische Position zur Shoah „ist glasklar“; die Aufhebung der Exkommunikation gegen den Holocaust-Leugner Richard Williamson mit dem jüdisch-christlichen Dialog in Verbindung zu bringen „ist unsachgemäß“. Das betonte der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper an diesem Mittwoch. Als Präsident des Päpstlichen Einheitsrats fallen beide Fragen in seine Zuständigkeit. Zum sensiblen Zeitpunkt des Versöhnungsangebotes an die Lefebvre-Bischöfe sagte Kasper im Gespräch mit Birgit Pottler:
 

„Es gibt ein Sprichwort im Deutschen: Wenn man vom Rathaus zurückkommt, ist man immer gescheiter. Niemand kann immer alle Details des Kontextes überschauen, aber es sind grundsätzlich zwei völlig verschiedene Vorgänge. Die Aufhebung dieser Exkommunikation ist ein erster Schritt eines vermutlich längeren Prozesses, ein Schritt um psychologische oder auch juristische Hemmnisse für den Dialog mit dieser Bruderschaft Pius X. aufzuheben. Wir hier sind für die Einheit der Kirche, also auch für die Einheit mit dieser Bruderschaft. - Das ist ein Aspekt in dieser Sache. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass wir private Meinungen dieses Bischofs in irgendeiner Weise unterstützen. Inzwischen hat sich ja auch die Bruderschaft eindeutig davon distanziert. Wir können uns von diesen Äußerungen nur distanzieren.
 

Ich denke, die Meinung des gegenwärtigen, aber auch des verstorbenen Papstes ist in diesem Punkt absolut glasklar. Der gegenwärtige Papst hat mehrmals – unter anderem bei seinem Besuch in Auschwitz-Birkenau – gesagt, dass der Holocaust ein schreckliches Verbrechen war. Wir haben gar keinen Grund dies zu vergessen, im Gegenteil. Wir haben es als Warnung für die Zukunft in Erinnerung zu behalten, dass so etwas in der Menschheit nie wieder passieren kann und soll. Die Position der katholischen Kirche ist also außerhalb jeden Zweifels, und es ist unsachgemäß, die beiden Dinge miteinander zu vermischen.“ (rv)
Hier lesen bzw. hören Sie das ganze Interview mit Kardinal Kasper

 

„Es gibt kein Zurück“
„Es gibt kein Zurück hinter die im Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleitete Umkehr im Verhältnis der Kirche zum Judentum“. Das hat der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer – der gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Ökumene zuständig ist – am Mittwoch in einer Stellungnahme zur Aufhebung der Exkommunikation der vier lefebvrianischen Bischöfe betont. In dieser Stellungnahme weist er auch die Leugnung der Shoah durch den lefebvrianischen Bischof Richard Williamson „auf das Schärfste“ zurück. Papst Benedikt XVI. habe mit der Aufhebung der Exkommunikation den Weg geöffnet, um eine bestehende Spaltung der Kirche zu überwinden, so Scheuer. (kap)



Newsletter von Radio Vatikan – 27.01.2009

Vatikan: „Nach einem falschen Drehbuch“
Im Umfeld des Papstes sind viele bestürzt über die neue Antisemitismus-Debatte. Benedikt XVI. hatte am vergangenen Samstag die Exkommunikation gegen vier traditionalistische Bischöfe aufgehoben; darunter ist auch der Brite Richard Williamson, der den Holocaust leugnet. Jetzt widerspricht die Vatikanzeitung „L`Osservatore Romano“ vehement dem Eindruck, der Papst rehabilitiere einen Leugner des Völkermords an den Juden.
Benedikt habe mit seiner Geste gegenüber der abgespaltenen „Priesterbruderschaft Pius X.“ keineswegs das Zweite Vatikanische Konzil verraten, so die Vatikanzeitung in einem Kommentar, der zum Holocaust-Gedenktag an diesem Dienstag erschien. Die Medien erweckten den falschen Eindruck, dass Benedikt das Gespräch mit dem Judentum oder die Ökumene in Frage stelle. Allerdings sei – so gibt die Vatikanzeitung zu – die Aufhebung der vier Exkommunikationen tatsächlich „nach einem falschen Drehbuch abgelaufen“. Dieser Vermerk im Osservatore ist der erste Hinweis darauf, dass man im Vatikan das zeitliche Zusammenfallen zwischen der Geste des Papstes und dem Skandal um Bischof Williamson bedauert.
Mit Verve bekennt sich die offizielle Zeitung des Vatikans zum Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen und erteilt besonders dem Antisemitismus eine Absage. Was Holocaust-Leugner verbreiteten, sei „schwerwiegend und bedauerlich“. Im Übrigen sei die Aufhebung der Exkommunikationen ja nur eine Etappe auf dem Weg zur kirchlichen Einheit mit den Anhängern des schismatischen Erzbischofs Marcel Lefebvre. (rv)

 

Deutschland/Österreich/Schweiz: „Mit aller Härte ahnden“
Zum Holocaust-Gedenktag an diesem Dienstag schalten sich viele Bischöfe aus dem deutschen Sprachraum in die Debatte um Antisemitismus ein. „Jede Leugnung des Holocaust muss mit aller Härte geahndet werden“, sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx am Montag. „Die Äußerungen von Williamson sind unsäglich, inakzeptabel und auf das Schärfste zu verurteilen“, so Marx wörtlich.
Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart betont, das Zweite Vatikanische Konzil und zuletzt Papst Johannes Paul II. hätten sich auch zur Mitschuld der Christen am Leiden ungezählter Juden bekannt und dafür um Vergebung gebeten.
In Österreich verweist Bischof Egon Kapellari darauf, dass sich Vatikan-Kardinal Walter Kasper und Papst-Sprecher Federico Lombardi deutlich von Williamsons Äußerungen distanziert hätten. Die Rückkehr der lefebvrianischen Bischöfe in die katholische Kirche könne „für die Kirche im Ganzen in keiner Weise als Abschied vom Zweiten Vatikanischen Konzil verstanden werden“, so der Grazer Bischof. Die Israelitische Kulturgemeinde Wien und der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Österreich nennen die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe „ein Besorgnis erregendes Zeichen für den christlich-jüdischen Dialog“. Die Leugnung der Shoah durch einen Amtsträger einer Kirche – „welcher auch immer“ - sei unter keinen Umständen akzeptabel. Der jetzige Schritt von Benedikt XVI. mache die konkrete Zusammenarbeit von Christen und Juden nicht leichter. Trotz aller Beteuerungen des Heiligen Stuhls, von der Haltung des Konzils nicht abweichen zu wollen, sei die Linie unklar geworden. Es entstehe der Eindruck, dass die Errungenschaften des Konzils in der Praxis aufgeweicht werden.
„Die Leugnung des Holocaust kann nicht hingenommen werden“, warnen die Schweizer Bischöfe in einem Statement vom Dienstag. Es müsse auch „unmissverständlich festgehalten werden, dass nach dem Recht der katholischen Kirche die Aufhebung der Exkommunikation noch nicht die Versöhnung oder Rehabilitierung, sondern erst die Eröffnung eines Weges auf Versöhnung hin ist“. Mit Blick auf Williamson bitten die Bischöfe „die Mitglieder von jüdischen Gemeinschaften in der Schweiz um Entschuldigung für diese Irritationen, die in den letzten Tagen entstanden sind“. (rv/pm)

 

Deutsche Bischöfe: „Nein zu Holocaust-Leugnung“
Die Deutsche Bischofskonferenz hat am Montag zu den Themen Traditionalisten und Antisemitismus Stellung genommen. Das Dekret zur Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X. sei „Ausdruck des päpstlichen Willens, ein bestehendes Schisma aufzuheben“, erinnert eine Erklärung des Aachener Bischofs Heinrich Mussinghoff.
Freilich habe der Schritt von Papst Benedikt XVI. „Anlass zu einer Reihe kritischer Nachfragen gegeben“, so der Bischof, der in Deutschland für das Gespräch mit dem Judentum zuständig ist. Diese kritischen Fragen „beziehen sich auf die Übereinstimmung mit den jüngeren Stellungnahmen der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI.“ Die Holocaust-Leugnung durch Bischof Williamson „verstärkt ... die Besorgnis“. „Dieser ausdrücklichen Leugnung des Holocaust, die bereits Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen in Deutschland ist, widersprechen wir auf das Schärfste.“
Mussinghoff erwähnt auch, dass die Verantwortlichen der „Pius-Bruderschaft“ die Konzilserklärung „Nostra Aetate“ zum Gespräch mit den nichtchristlichen Religionen nicht anerkennen. „Wir äußern die deutliche und große Erwartung und dringende Bitte, dass ... die vier Bischöfe und die Pius-Bruderschaft ihre Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil und insbesondere zur Erklärung ,Nostra Aetate’, deren Anliegen Papst Johannes Paul II. sich in seinem langen Pontifikat so beharrlich und segensreich zu eigen gemacht hat, unmissverständlich und glaubwürdig bekunden. Nach dem übergroßen Entgegenkommen des Papstes erwarten wir nun eine klare Aussage der Bruderschaft und ihrer Bischöfe insbesondere zu ,Nostra Aetate’.“
Die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz geht auch auf andere „Irritationen im katholisch-jüdischen Verhältnis“ ein. „So hat es nach den bedrückenden Tagen des Hamas-Israel-Krieges auch von katholischer Seite eine Kritik am Staat Israel gegeben, die wir zurückweisen müssen.“ „Protest und Klage“ seien „angesichts der Opfer in der jüngsten kriegerischen Auseinandersetzung sehr wohl verständlich“. Aber „das Recht auf Sicherheit des Staates Israel und seiner Bürger“ dürfe „nicht durch eine undifferenzierte Kritik faktisch bestritten werden“. (rv/pm)

 

Kardinal Bagnasco: „Instrumentalisierte Äußerungen“
Angesichts der scharfen Kritik am Papst, die in Italien vor allem von der in Rom erscheinenden Tageszeitung „La Repubblica“ vorgetragen wird, schließen die italienischen Bischöfe die Reihen. Ihr Vorsitzender, Kardinal Angelo Bagnasco von Genua, ging am Montagabend bei einem Vortrag zum Auftakt der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Rom auch auf andere Verstimmungen und Misshelligkeiten im christlich-jüdischen Dialog ein:
„Leider hat es in letzter Zeit nicht an Reserven einiger Vertreter der italienischen Rabbinerkonferenz gefehlt. Sie haben dieses Jahr auch nicht am ,Tag des Dialogs zwischen Katholiken und Juden’ teilgenommen, der in Italien und einigen anderen Ländern begangen worden ist. Wir wünschen uns, dass diese Schwierigkeiten bald überwunden werden; gleichzeitig können wir aber auch die ungerechten Worte über das Handeln von Papst Benedikt XVI. nur verurteilen.“
Jeder wisse doch, wie sehr dem Papst der Dialog mit dem Judentum am Herzen liege. Im großen Jesusbuch des Papstes bilde gerade dieser Dialog den Dreh- und Angelpunkt. Kardinal Bagnasco weiter:
„Was die Aufhebung der Exkommunikation gegen die Bruderschaft Pius X. betrifft – da drücken wir unsere Wertschätzung für diesen Gnadenakt des Heiligen Vaters aus. Wir sagen aber gleichzeitig Nein zu den unfundierten und unmotivierten Äußerungen von einem der vier Bischöfe, was die Shoah betrifft: Das sind Erklärungen, die schon ein paar Monate alt sind, die man aber jetzt aufgreift, um sie zu instrumentalisieren. Erklärungen, die auch die Bruderschaft selbst schon zurückgewiesen hat.“ (rv)
Hier zum Nachhören

 

Reaktionen aus der jüdischen Welt: „Klarer Affront“
Der Zuständige für das Gespräch mit dem Judentum ist im Vatikan der deutsche Kardinal Walter Kasper. Er berichtete in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ von einem scharfen Protest des Rabbiners David Rosen. Der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni betont gegenüber einer italienischen Nachrichtenagentur, mit der Aufhebung der Exkommunikationen habe er kein Problem; das sei eine innere Angelegenheit der Kirche. Das Problem sei vielmehr, dass hier „nicht nur einem einzelnen Holocaust-Leugner Raum und Würde gegeben wird, sondern einer ganzen Bewegung, die nicht das akzeptiert, was das Konzil über die Juden gesagt hat“.
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, spricht von einem „klaren Affront“ aus Rom. Mit seiner Geste mache ausgerechnet ein deutscher Papst einen Holocaust-Leugner gesellschaftsfähig, so Korn gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen“. Korn äußerte sich positiv über Reaktionen aus der Deutschen Bischofskonferenz; doch blieben sie offenbar „nahezu folgenlos“. Schon am Montag hatte der Zentralrat der Juden die „Priesterbruderschaft Pius X.“ als „dezidiert antisemitisch agierende Gruppe“ verurteilt.
Auch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD) kritisiert die „Wiederaufnahme“ des Traditionalisten-Bischofs Richard Williamson in die katholische Kirche scharf. Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, ORD-Vorstandsbeirat Julian-Chaim Soussan, sagte am Dienstag, dieser Schritt sei angesichts der Opfer der Shoah „untragbar“. Ein Dialog mit Vertretern des Vatikans sei unter den gegebenen Umständen derzeit nicht möglich. Soussan äußerte sich zum Abschluss der dreitägigen Jahreskonferenz des ORD, die erstmals in Berlin stattfand. Das Verhältnis zum Vatikan sei nach der Debatte um die Karfreitagsfürbitte ohnehin angespannt gewesen, so der Rabbiner. Nun habe es einen Tiefpunkt erreicht. Er habe von einem Papst deutscher Herkunft eher erwartet, dass er Shoah-Leugner ausschließe, nicht aber rehabilitiere.
Die „Jerusalem Post“ schlägt derweil der Regierung in Tel Aviv vor, den israelischen Botschafter beim Heiligen Stuhl für drei Monate zurückzurufen. Ein Leitartikel der Zeitung wirft dem Papst vor, ungewollt „Jahrzehnte des Fortschritts in den Beziehungen zwischen Katholiken und Juden seit Johannes XXIII. zunichte zu machen“. Offenbar habe Benedikt „einfach eine strategische Entscheidung getroffen“: Danach sei das Projekt, „die Ultra-Konservativen wieder in die Kirche zurückzuführen, viel wichtiger als die Beziehung der Kirche zu „ihren geliebten älteren Brüdern““. Die Geste des Papstes sei „ein außergewöhnliches Signal moralischer Gleichgültigkeit“; die „jüdische Würde“ verlange eine „abgewogene Antwort“ darauf. Die Zeitung schlägt ein „dreimonatiges Moratorium in den Kontakten der jüdischen Gemeinschaft zum Vatikan“ vor. In dieser Zeit solle Tel Aviv seinen Botschafter vom Vatikan abziehen. Der Kommentar trägt die Überschrift „Iudicium Perversum“. (ansa/rv/kna)

 

Blick ins Archiv: Der Papst und die Shoah
Die große Frage ist, ob Papst Benedikt XVI. – der an diesem Dienstag keine öffentlichen Termine absolviert – bei seiner Generalaudienz am Mittwoch auf die Debatten der letzten Tage eingehen wird. Schon nach seiner Polen-Reise im Frühjahr 2006 hatte es einmal eine ähnliche Irritation gegeben: In seiner Ansprache auf dem Gelände des früheren KZ Auschwitz hatte Benedikt damals erklärt, Hitler und eine Gruppe von Verbrechern hätten das deutsche Volk sozusagen zu Geiseln genommen. In einer Generalaudienz fand er kurz danach in Rom deutliche Worte zum Völkermord an den Juden. Wörtlich sagte er am 31. Mai 2006:
„Eben an jenem Ort, der in der ganzen Welt traurige Berühmtheit erlangt hat, habe ich vor meiner Rückkehr nach Rom Halt machen wollen. Im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ließ Hitler, wie in anderen ähnlichen Lagern, mehr als sechs Millionen Juden umbringen. In Auschwitz- Birkenau starben außerdem an die 150.000 Polen und Zehntausende Männer und Frauen anderer Nationen. Angesichts des Grauens von Auschwitz gibt es keine andere Antwort als das Kreuz Christi: die Liebe, die bis in den tiefsten Abgrund des Bösen hinab gestiegen ist, um den Menschen an seiner Wurzel zu retten, wo seine Freiheit sich gegen Gott auflehnen kann. Möge die heutige Menschheit Auschwitz und die anderen ,Todesfabriken’ nicht vergessen, in denen das nationalsozialistische Regime versucht hat, Gott zu beseitigen, um seinen Platz einzunehmen! Möge sie nicht der Versuchung des Rassenhasses nachgeben, der am Anfang der schlimmsten Formen des Antisemitismus steht! Mögen die Menschen wieder erkennen, dass Gott der Vater aller ist und uns alle in Christus dazu beruft, zusammen eine Welt der Gerechtigkeit, der Wahrheit und des Friedens aufzubauen!“ (rv)
Hier zum Nachhören

 

Williamson: „Aufgebauscht“
Der umstrittene Holocaust-Leugner Williamson selbst hat in seiner Wochen-Kolumne nicht direkt auf die Bestürzung über seine Äußerungen reagiert. Stattdessen wertet er die Geste des Papstes als einen „großen Schritt nach vor für die Kirche“. Das „Problem der Kirche seit dem Zweiten Vatikanum“ sei „eine Trennung der katholischen Autorität von der katholischen Wahrheit“ gewesen. Mit dem Dekret habe der Vatikan nun „einen entscheidenden Schritt zurück in Richtung ihrer Wiedervereinigung gemacht“. Keiner könne heute mehr sagen, dass Katholiken, die die Tradition aufrecht erhielten, außerhalb der Kirche stünden. Allerdings brauche es sicher noch Zeit, bis die „Neo-Modernisten in Rom“ erkennen, „wie sie den Glauben falsch verstehen“. Er danke dem Papst, dass er „das Dekret durchgebracht“ habe, obwohl es einen „aufgebauschten und zeitlich abgestimmten Medienaufruhr“ dagegen gebe.
Der lefebvrianische Bischof Bernard Fellay leitet die „Pius-Bruderschaft“. Er macht in einem „Brief an die Gläubigen“ deutlich, dass seine Gemeinschaft von ihren Positionen nicht abrückt. Fellay wörtlich: „Hinsichtlich des Zweiten Vatikanums möchten wir Vorbehalte zum Ausdruck bringen.“ (rv)

Newsletter von Radio Vatikan – 26.01.2009

SPEZIAL: WIEDERAUFNAHME DER LEFEBVRE-BISCHÖFE

 

 

Vatikan/Österreich: „Jetzt Konzil anerkennen“
Nach der Aufhebung der Exkommunikation für die Bischöfe der Bruderschaft Sankt Pius X. sollte die traditionalistische Gemeinschaft das II. Vatikanische Konzil anerkennen, um voll in den Schoß der Kirche zurückzukehren. Das regt der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl in einem Kommentar für Radio Vatikan an. Krätzl war bei der Österreichischen Bischofskonferenz für das Referat Ökumene mitzuständig.
Gegenüber Radio Vatikan sagte Krätzl an diesem Montag:
„Ein Schisma ist für die Kirche eine schmerzhafte Wunde und schadet auch ihrem Ansehen in der Welt. Es ist daher verständlich, dass der Papst alles versucht, um diese Wunde zu heilen.
Viele aber haben sich gewundert, dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier unrechtmäßig geweihten Bischöfe erfolgte, bevor diese in aller Öffentlichkeit ihre vehemente Kritik am Konzil und damit an der Entwicklung der Kirche danach widerrufen haben. Vor allem betrifft das ihre Ablehnung der Erklärung über die Religionsfreiheit. Die Annahme dieses Konzilsdokumentes hat eindrucksvoll gezeigt, dass sich die Konzilsväter entgegen den Äußerungen Gregors XVI. in der Enzyklika ‚Mirari vos‘ 1832 nun ganz für die Gewissensfreiheit in Glaubensfragen einsetzen wollten. Etwas, was heute zu den grundlegendsten Menschenrechten zählt.
Die Infragestellung der erneuerten Liturgie durch die Piusbruderschaft trifft den Fortschritt der Kirche nach dem Konzil noch zentraler. Denn die erneuerte Liturgie hat ja nicht nur eine Änderung eines Ritus gebracht, sondern ist Ausdruck einer tieferen Sicht der Kirche. An Stelle einer reinen Priesterliturgie wird nun die tätige Teilnahme des Gottesvolkes angemahnt. Johannes Paul II. hat zum 25-jährigen Jubiläum der Liturgiekonstitution gesagt: „Es besteht in der Tat eine sehr enge und organische Verbindung zwischen der Erneuerung der Liturgie und der Erneuerung des ganzen Lebens der Kirche.’ Ich verstehe daher die Befürchtung vieler, dass mit einer Rückkehr zur vorkonziliaren Liturgie die nachkonziliare Entwicklung überhaupt in Frage gestellt wird.
Der Papst hat durch die Rücknahme der Exkommunikation eine großzügige rechtliche Geste gesetzt. An der Piusbruderschaft liegt es nun, durch die volle Annahme des Konzils auch innerlich wieder ganz in den Schoß der Kirche zurückzukehren.“
(rv)
Hier zum Nachhören

 

Belgien: Bischöfe begrüßen Wiederaufnahme der Lefebvre-Bischöfe
Die Bischofskonferenz Belgiens begrüßt, dass Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe aufgehoben hat. Alles, was zur Einheit der Christen beitrage, sei positiv, so der Sprecher der Bischofskonferenz, Pater Eric Beukelaer. In einer an diesem Montag auf ihrer Homepage veröffentlichten Stellungnahme warnen die Bischöfe zugleich davor, die Entscheidung Benedikts XVI. in Zusammenhang mit der Leugnung des Holocaust zu bringen. Der britische Bischof Richard Williamson, der zu den vier Lefebvre-Bischöfen gehört, hatte den Holocaust in einer Videoaufzeichnung bestritten. (sir)

 

Marx: „Holocaust-Leugnung inakzeptabel“
Mit tiefer Bestürzung hat der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, auf die Leugnung des Holocaust durch den britischen Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, reagiert. „Die Äußerungen von Williamson sind unsäglich, inakzeptabel und auf das Schärfste zu verurteilen“, erklärte Marx an diesem Montag in München: „Jede Leugnung des Holocaust muss mit aller Härte geahndet werden.“ Der Erzbischof warnte zugleich davor, die Äußerungen Williamsons in einen direkten Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft zu bringen. Der Papst wolle „in einen Dialog mit dieser schismatischen Bewegung treten. Das Anliegen der Kirche wird immer sein, die Einheit der Christen herzustellen“, sagte Marx. Benedikt XVI. habe der Priesterbruderschaft Pius X. die Möglichkeit einer Rückkehr in die Katholische Kirche angeboten. „Es gibt aber keinen Zweifel daran, dass dafür die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils bindend sind“, so Marx. (pm)

 

Deutschland: „Schwere Belastung für Kirche“
Mit „Entsetzen und Empörung“ steht das Zentralkomitee der deutschen Katholiken der „skandalösen Leugnung der Verbrechen am jüdischen Volk“ durch den Traditionalistenbischof Richard Williamson gegenüber. In einer Pressemitteilung schreibt ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer wörtlich: „Wir haben immer gewusst: Zwischen der fortdauernden Ablehnung der Ergebnisse des II. Vatikanischen Konzils durch die Traditionalisten und ihrer tief reaktionären und freiheitsfeindlichen Haltung besteht ein enger Zusammenhang.“ Dass jemand von ihnen nun auch die Verbrechen der Shoah leugne, könne darum nicht ernsthaft überraschen. Leute wie diese seien eine schwere Belastung für die Kirche. - Demgegenüber verteidigte ZdK-Vizepräsident Heinz-Wilhelm Brockmann die Aufhebung der Exkommunikation selbst. „Ich glaube, der Papst versucht, mehr Einheit in der Kirche herzustellen", sagte Brockmann der „Frankfurter Rundschau“. Allerdings sei dieser Schritt nur sinnvoll, wenn damit „ein neuer Dialog“ beginne. Entscheidend sei, ob dies „der Anfang eines Prozesses ist, an dessen Ende die konservative Bruderschaft das Zweite Vatikanische Konzil anerkennt, und zwar ohne Abstriche und Deutungen“. (pm/kna)

 

Nahost: Kritik aus Yad Vashem
Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat empört auf die Rehabilitierung des Lefebvre-Bischofs Richard Williamson durch Papst Benedikt re agiert. Es sei ein Skandal, dass ein hoher Kirchenvertreter den Mord an Millionen Juden leugne, heißt es in einer Pressemitteilung der Gedenkstätte vom Sonntag. Die Leugnung des Holocaust würde die Überlebenden, die Erinnerung der Opfer und die Nationen beleidigen, die für die Rettung der Juden ihr Leben gelassen hätten. In der Frage nach der Bewertung des Holocaust an den Juden durch die Nationalsozialisten war es in der Vergangenheit wiederholt zu Spannungen zwischen dem Museum und dem Vatikan gekommen. (adnkronos)

 

Vor dem Holocaust-Gedenktag: Beschämung und „erschüttertes Schweigen“


Benedikt XVI. zur Shoah: „Unerhörtes Verbrechen“
In der „dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte“ habe „eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie zu dem staatlich geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums geführt“, erklärte der deutsche Papst im August 2005 bei seinem Besuch in der Synagoge in Köln. In Auschwitz habe die Menschheit „eine finstere Schlucht durchschritten“, sagte Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im Mai 2006 und stellte „erschütterndes Schweigen“ und die „laute Bitte um Vergebung und Versöhnung“ in den Mittelpunkt seiner Ansprache „als Kind des deutschen Volkes“. Zahlen zum Holocaust nannte der Papst in der bilanzierenden Generalaudienz nach der Reise. (rv)
Hier Auszüge der Papstansprachen zum Thema

 

Schönborn: „Schmerzliche Wunde und Schande Europas“
„Es ist beschämend und beängstigend, dass es immer noch Stimmen gibt, die öffentlich die Shoah leugnen und das Existenzrecht des jüdischen Volkes in Frage stellen.“ Dies betont Kardinal Christoph Schönborn in einem Brief an den Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg aus Anlass des Internationalen Holocaust-Gedenktags, der am 27. Jänner begangen wird. Der Wiener Erzbischof versichert „im eigenen Namen wie im Namen der Österreichischen Bischofskonferenz! den Oberrabbiner der tief empfundenen Anteilnahme im Hinblick auf das Schicksal der Opfer und der Überlebenden. Der von den Nationalsozialisten in Gang gesetzte industrielle Massenmord an den jüdischen Menschen bleibe „eine schmerzliche Wunde und eine Schande Europas“, so der Wiener Erzbischof. Auch Christen seien an diesem Großverbrechen beteiligt gewesen oder hätten „weg gesehen“; es habe „Gerechte unter den Völkern“ gegeben, die unter Einsatz ihres Lebens jüdische Menschen retteten, „aber es waren zu wenige“. (kap)

Newsletter von Radio Vatikan – 24.01.2009

Vatikan: Exkommunikation aufgehoben
Papst Benedikt XVI. hat die Exkommunikation der vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. aufgehoben. Ein entsprechendes Dekret des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, hat der Vatikan an diesem Samstag bekannt gegeben. Der Papst reagiere damit auf ein entsprechendes Gesuch des Generalsuperiors der Gemeinschaft, heißt es darin.
Bischof Bernard Fellay hatte sich am 15. Dezember 2008 neuerlich an die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei” gewandt, die für die Aussöhnung mit traditionsorientierten Gruppen zuständig ist. In diesem Schreiben versicherte der Prälat auch im Namen der übrigen drei Bischöfe der Gemeinschaft, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta, „alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die katholische Kirche ist”, ihre Lehren zu akzeptieren und an den Primat Petri und seine Vorrechte zu glauben.
Die Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft bestand seit 21 Jahren. Die vatikanische Bischofskongregation hatte sie am 1. Juli 1988 festgestellt, einen Tag nach der unerlaubten Weihe der Bischöfe durch den Gründer der Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre. Dieser argumentierte in der Folge, er habe aus einer Notlage heraus gehandelt, um den Glauben der Kirche zu bewahren.
Benedikt XVI. habe beschlossen, die kirchenrechtliche Situation der Bischöfe zu überdenken, weil er ihrem „spirituellen Unbehagen” infolge der Strafe der Exkommunikation mit „väterlicher Einfühlsamkeit” begegne, heißt es in dem Dekret. Auch glaube er ihren schriftlichen Versicherungen, mit den Autoritäten des Heiligen Stuhles ernsthaft über die bestehenden Differenzen reden zu wollen, um „bald zu einer vollen und zufrieden stellenden Lösung des zugrunde liegenden Problems” gelangen zu können.
Mit der Aufhebung der Exkommunikation wolle man den Beziehungen zu der Bruderschaft „Stabilität geben”. Dieses „Geschenk des Friedens” zum Ende der Weihnachtszeit solle auch ein Zeichen sein, die „Einheit in der Barmherzigkeit der Universalkirche” zu fördern und „den Skandal der Spaltung” zu überwinden, heißt es in dem Dokument.
 

 

„Holocaust-Leugnung inakzeptabel”
Die Äußerungen des britischen lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson zum Holocaust sind „in keiner Weise akzeptabel”. Das sagte Vatikansprecher P. Federico Lombardi am Tag der Veröffentlichung des Dekrets, das die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft – darunter Williamson - aufhebt. Williamson hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehsender SVT bestritten, dass die Nationalsozialisten sechs Millionen Juden ermordet haben. Die Rücknahme der Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. stehe aber mit den Äußerungen des Traditionalistenbischofs in keinem Zusammenhang, stellte Lombardi klar. Die Aussagen des Bischofs waren auf breite Kritik gestoßen. Auch die Staatsanwaltschaft im deutschen Regensburg ermittelt in dieser Angelegenheit. Der Obere der lefebvrianischen Piusbruderschaft in Stuttgart, Franz Schmidberger, ließ nach Bekanntwerden des Interviews auf der Website der Priesterbruderschaft verlauten, „dass für Äußerungen, wie sie Bischof Williamson angeblich gemacht hat, nur der Urheber selber verantwortlich ist und diese nicht die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. widerspiegeln”. Bischof Bernard Fellay, der Obere der Priesterbruderschaft St. Pius X., stellte in einem Schreiben an den schwedischen Sender klar, dass es sich um eine „Privatmeinung” Williamsons handle, und kritisierte das Vorgehen der Redaktion, den Bischof zu historischen Themen zu befragen. (kap/rv)
 

 

Zollitsch: „Am Konzil festhalten”

Die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe, die Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1988 unerlaubt geweiht hatte, beweist die Bereitschaft Papst Benedikts, der schismatischen Bewegung des verstorbenen Erzbischofs einen weiteren Schritt entgegen zu gehen, um die Einheit der Kirche zu fördern. So kommentiert der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, das an diesem Samstag veröffentlichte Dekret. Der Papst biete der Priesterbruderschaft Pius X. die ausgestreckte Hand. „Mit ihm hoffe und bete ich, dass man sie ergreift”, so Zollitsch wörtlich. Benedikt XVI. zeige die Möglichkeit der Rückkehr in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche und habe zugleich keinen Zweifel daran, dass die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils unabdingbar Grundlage für das Leben der Kirche sind. (pm)
Unser Audio-Beitrag zur Aufhebung der Exkommunikation

 

 

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Stand vom 01.03.09

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