Porta Westfalica, aus den Vortagen
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Aus den Vortagen

Sonntags tourt der Bulli über die Dörfer

Weiträumige Streuung der Portaner Katholiken charaktisiert die Arbeit der Zentrale in Hausberge / Runder Geburtstag fällt aus

Er kann seiner eigenen Kirche aufs Dach steigen: Dr. Bruno Faupel, seit 1980 Pastor der St.-Walburga-Gemeinde. MT-Foto: Dirk Haunhorst

Von Dirk Haunhorst

Porta Westfalica-Hausberge (mt). Es hätte wohl eine große Feier gegeben, schließlich sagt man Katholiken nach, daß sie vom Feiern eine Menge verstehen, jedenfalls mehr als Protestanten. Der Anlaß für das Fest wäre eine runde Zahl gewesen: der 100. Geburstag der ersten katholischen Kirche, die nach der Reformation in Hausberge stand. Doch die wurde nur 80 Jahre alt und im Oktober 1967 abgerissen.

So bleibt es denn der Portaner Stadtsparkasse vorbehalten mit ihrem aktuellen Weihnachtstaler an die alte Kirche zu erinnern, die seinerzeit zu klein und außerdem baufällig geworden war und schließlich dem modernen Gemeindezentrum Platz machen mußte, das äußerlich fast nichts mit klassischen Kirchenbauten gemein hat. Das schlichte Gebäude an der Hauptstraße läßt einen ortsunkundigen Betrachter kaum ahnen, daß es sich hier um das geistliche Zentrum sämtlicher Portaner Katholiken handelt.

Die Zentralisierung der Gemeindearbeit ist ein Problem in einer riesigen Streusiedlung wie Porta Westfalica. Gemeinde- und Kirchort fallen leider nicht zusammen, sagt Pastor Dr. Bruno Faupel. Eine Konsequenz ist, daß sonntags ein Kirchbulli eingesetzt wird, um Gläubige zum Gottesdienst abzuholen. Wer etwa in Eisbergen wohnt und zum Gottesdienst nach Hausberge will, kann den gesamten Vormittag einplanen. Pastor Faupel sieht darin auch etwas Positives: Dadurch bekommt der Sonntag einen richtigen Schwerpunkt.

Es gab Zeiten, da wurde noch ein richtiger Bus statt eines Bullis eingesetzt, doch den kriegt die St.-Walburga-Gemeinde nicht mehr voll. Die Zahl der Kirchgänger ist auch in der Portaner Diaspora rückläufig, wie fast überall. Anfang der achtziger Jahre besuchten regelmäßig zwischen 300 und 400 Leute die Gottesdienste am Sonntag. Derzeit sind es noch etwa 200, und samstags kommen noch einmal so um die 30 bis 40. Allerdings habe sich die Zahl in den letzten Jahren stabilisiert, sagt Faupel.

Viele Katholiken gibt es ohnehin nicht in Porta Westfalica. Die Zahl liegt bei etwa 2800. Das sind knapp sieben Prozent aller Portaner Einwohner. Die älteren überwiegen bei den Gottesdiensten eindeutig, obwohl in den letzten Jahren spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche hinzugekommen sind. Ein Kleinkinder-Gottesdienst hat sich etabliert und auch eine Eltern-Kind-Gruppe gibt es inzwischen, in der zur Zeit aber nur zwei Mütter mit ihren Schützlingen sind.

Einfach nur Maria

Faupel sieht dennoch nicht schwarz, wenn es um die Zukunft der Gemeinde geht. Es gibt immer noch viele, die sich regelmäßig engagieren. In den kommenden zehn bis 15 Jahren werde es wohl keine Schwierigkeiten geben, weil von denen, die jetzt um die 40 Jahre alt seien, etliche in der Gemeinde mitmachten. Und danach müsse man mal sehen. Eine Prognose ist da sehr schwierig, sagt Faupel.

Gleichwohl hält er es für notwendig, daß sich in der Kirche etwas ändert. Die Sprache beispielsweise sei zu stereotyp. Man müsse nicht immer die Allerseligste und Gottesmutter Maria sagen. Einfach nur Maria reiche auch, nennt Faupel ein Beispiel.

Bei der Länge der Predigten habe sich schon einges verändert. Ermüdende Vorträge sind Geschichte. Faupel selbst predigt zehn bis zwölf Minuten, höchstens 15. Es ist besser, man trägt nur einen Gedanken vor und sagt dann Amen, als alle Aspekte vorzutragen. Der Mut zur Lücke ist größer geworden.

Dem populären Vorwurf, die katholische Kirche habe eine körperfeindliche Sexualmoral und verleire deshalb die jungen Leute, kann der 63jährige hingegen nichts abgewinnen. Sexualität, meint Faupel, müsse von der ganzen Person bewältigt werden und sei kein ausschließlich körperlicher Vorgang. Ist es nicht vielmehr leibfeindlich, wenn der Körper nichts anderes ist als ein Instrument zur Bedürfnisbefriedigung?, lautet seine rhetorische Frage.

Es sind jedoch nicht solche eher grundsätzlichen Fragen, die die Gemeindearbeit in St. Walburga bestimmen. Der Alltag dreht sich eher um andere Dinge, die Organisation des Gemeindefestes etwa oder die Vorbereitung von Erstkommunionfeiern, die Absprache für ökumenische Gottesdienste mit den evangelischen Nachbarn (Faupel: Die Kontakte sind gut) oder die Erstellung und flächendeckende Verteilung eines umfassenden Pfarrbriefes, den es es schon einige Jahre nicht mehr gegeben hat.

Unmoderne Schwellen

Im Sommer erst wurde das Gemeindezentrum rundum saniert. Die 27 Jahre, die seit der Einweihung vergangen sind, haben erste Spuren hinterlassen. Überhaupt war der moderne Bau nicht unumstritten. Faupels Vorgänger, Pastor Karl-Heinz Salm, schrieb in einem Rückblick anläßlich des 25jährigen Bestehens des Gemeindezentrums. Noch heute bedaure ich, daß das Lichtband der Kirche zu breit ist. Hätte ich mich damals eingehender mit romanischen Bauten befaßt, wäre es vielleicht nicht zu diesem Fehler gekommen. Die romanischen Bauten haben spärliches Licht, dadurch wird der Beter nach innen geführt.

Bruno Faupel hingegen trauert der alten Kirche nicht hinterher und gewinnt dem modernen Gemeindezentrum gänzlich unmoderne Seiten ab. Die Mauern und Schwellen innerhalb des Baus entsprächen ganz und gar nicht dem Zeitgeist mit seinen schwellenlosen Übergängen, wie man sie in Kaufhausbauten und Ladenstraßen finde, meint er. Man betritt unsere Kirchen nicht gleich von der Straße aus. Man muß einen Weg zurücklegen, steigen, verschiedene Zonen oder Raumfolgen durchschreiten, um ins Innere zu gelangen. So ist uns Zeit gelassen, damit unsere Seele mitkommt.

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